Ludwigshafen „Dann vibriert das ganze Haus“
Bei Anwohnern der Mundenheimer Ebernburgstraße liegen die Nerven blank. Keine 20 Meter von ihren Häusern entfernt verläuft das Verbindungsgleis der Deutschen Bahn vom Bahnhof Mundenheim zum Kaiserwörthhafen. An jedem Wochentag, auch nachts, verkehren hier Güterzüge. Wie die Bewohner klagen, halten die Züge mit quietschenden Bremsen direkt vor den Häusern und warten mit laufendem Motor auf die Weiterfahrt. An Nachtruhe sei nicht zu denken.
Nur ein paar Meter von den Häusern entfernt verlaufen direkt hinter dem Gartenzaun die Bahngleise. Dass hier von Zeit zu Zeit Güterzüge vorbeifahren, daran hatten sich die Bewohner der Reihenhaussiedlung in der Ebernburgstraße halbwegs gewöhnt. Doch in letzter Zeit wurde es für sie zum Problem. „Sobald die Züge über die Hauptstraße sind, geben sie Gas und bremsen dann vor unseren Häusern ab. Das quietscht, das macht einen Krach, da stehen Sie senkrecht im Bett“, schildert Lucian Popescu den nächtlichen Alptraum. „Das Haltesignal der Bahn stand früher weiter weg vor dem Bahnübergang an der Keßlerstraße. Da sind die Züge bei uns vorbeigefahren. Irgendwann wurde das Signal direkt vor unsere Häuser gesetzt, ohne uns zu fragen“, ärgert sich Gerold Steuernagel, der im Haus nebenan wohnt. Wie die Bewohner aus früheren Anfragen wissen, müssen die Züge vor diesem Haltesignal warten, bis sie die Erlaubnis zur Einfahrt auf die Strecke am Bahnhof Mundenheim bekommen. „Manchmal stehen sie eine Dreiviertelstunde vor unserer Tür mit laufendem Motor“, hat Popescu beobachtet. Zum Geräusch kämen noch die Dieselabgase hinzu. „Die alten Loks stinken fürchterlich“, ergänzt Nachbar Gebhard Stadler aus einem weiteren Reihenhaus. Wenn die Lokführer endlich weiterfahren dürften, gäben diese richtig Gas. „Dann vibriert das ganze Haus, dass die Gläser im Schrank klirren“, schildern die Bewohner ihre Erfahrungen. Das drängendste Problem: „Die Züge fahren jeden Tag und in der Nacht“, betont Popescu. An einen gesunden Nachtschlaf sei unter diesen Umständen nicht mehr zu denken. „Die Lebensqualität leidet, man wird krank von so was“, berichtet er von steigender psychischer Belastung. Seine Tochter, die ins Gymnasium geht, leide inzwischen unter Konzentrationsstörungen, klagt der Familienvater. Für das ganze Problem gäbe es eine einfache Lösung, meinen die Bewohner der Häuserzeile. Es müsste nur das Signal wieder umgesetzt werden, damit die Züge nicht mehr direkt vor den Häusern halten. Dass Probleme manchmal nicht so einfach zu lösen sind, macht dabei der Direktor der Ludwigshafener Hafenbetriebe, Franz Josef Reindl, deutlich. Seinen Angaben zufolge, gehört die Strecke an den Häusern nicht dem Hafen, sondern zum Zuständigkeitsbereich der DB Netz AG. „Geändert hat sich zuletzt, dass die Ausfahrt für Güterzüge auf die Hauptstrecke der Bahn nicht mehr so einfach ist wegen der S-Bahn“, sagt Reindl. Durch die S-Bahnen hätten die Güterzüge zur Ausfahrt ein kleineres Zeitfenster als früher, manchmal nur wenige Minuten. „Die Güterzüge können den Motor nicht abstellen, weil sie sofort losfahren müssen, wenn das Signal kommt“, erläutert der Hafenchef. „Die S-Bahn-Geschichte ist leider ohne uns gelaufen“, bedauert Reindl, dass die Hafenbetriebe hier nicht stärker miteinbezogen wurden. Daneben gebe es für die Abstände der Signale internationale Vorschriften. Das Signal zu versetzen sei wohl wegen des Bahnübergangs nicht möglich. Deshalb sei wohl eine Lärmschutzwand die einzige Lösung, meint der Hafenchef. Auf RHEINPFALZ-Anfrage heißt es von der DB Netz AG, dass von ihrer Seite keine bauliche Veränderung an der Bahnanlage durchgeführt wurde. Wie das Unternehmen schreibt, habe es am genannten Bahnübergang in Mundenheim im Juni 2017 mehrmals eine technische Störung gegeben. Um auch in diesem Fall jederzeit die Sicherheit am Bahnüberhang zu gewährleisten, werde der Lokführer im Störungsfall durch ein spezielles Überwachungssignal aufgefordert, vor dem Bahnübergang zu halten. Die Aussage deutet eher nicht auf ein dauerhaftes Problem und eine ständige Belastung der Mundenheimer hin. Ob es tatsächlich so kommt oder die Anwohner bald einen neuen Vorstoß wagen müssen, das wird nun die spannende Frage sein. Nils erklärt