Ludwigshafen
Dämmerumzug mit Wölfen, Hexen und Dämonen
Die Straßenfasnacht ist zurück – und nach zweijähriger coronabedingter Pause war die Freude bei allen Beteiligten groß. Über 10.000 Besucher und 42 Gruppen mit fast 1200 Aktiven kamen diesmal nach Ludwigshafen. Erstmals wurde statt auf dem Rathaus- auf dem Theaterplatz gefeiert, zahlreiche Ludwigshafener Karnevalvereine waren mit ihren Fußgruppen beim Dämmerumzug dabei. Die Spitze führte nach dem Fanfarenzug der Hendsemer Herolde die neue Stadtprinzessin Marie-Sophie I. mit den Gardemädchen ihres Heimatvereins, dem KV Rheinschanze, an.
Im Mittelpunkt standen aber die Hexen, Geister und Dämonen, die bei Dunkelheit sichtlich Spaß daran hatten, auf der knapp zwei Kilometer langen Wegstrecke – vom Rathaus durch die Fußgängerzone bis zum Theaterplatz – für Schreckmomente zu sorgen. Nicht wenige Gruselgestalten zogen so manchem Zuschauer Hut und Kappe ab und massierten kräftig Konfetti ins Haar.
Die Sandhexen aus Weisenheim, die Brückenhexen aus Maximiliansau, die Dorfplatzhexen aus Meckenheim oder die Deidesheimer Gäsbockhexen waren mit ihren originellen Kostümen, aber auch mit viel Frohsinn und Heiterkeit „uff de Gass“ unterwegs. Sogar die Bruchwaldhexen aus Lahr und die Zabergäuhexen aus Stockheim scheuten die weite Anreise nach Ludwigshafen nicht. Gruselig waren die vielen Wölfe, Dämonen und Hexengestalten durchaus, doch immer wieder verteilten sie an die ganz jungen Besucher auch kleine Geschenke und Süßigkeiten.
„Es gab viel Lob“
„Nach über zwei Jahren Pause waren diesmal so viele Gruppen aus dem süddeutschen Raum wie noch nie zuvor dabei“, sagte Hans Jürgen Mendel, Cheforganisator des Dämmerumzugs und seit 22 Jahren Vorsitzender der Huddelschnuddler. „Wir hatten noch Anfragen, wollten aber zum einen einen sanften Neustart und auch zunächst Erfahrungen nach den neuen Bestimmungen des Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes sammeln.“ Lediglich die Anzahl der Guggemusik-Gruppen sei diesmal rückläufig gewesen. „Leider gibt es einige Gruppen, die die Zeit der Corona-Pandemie nicht überstanden haben“, bedauerte Mendel.
Der bereits zum zehnten Mal veranstaltete Dämmerumzug erfreute sich dessen ungeachtet großer Beliebtheit. Dicht gedrängt standen die Zuschauer vom Rathaus- bis zum Theaterplatz, ließen die Straßenfasnacht hochleben, die nach Angaben der Veranstalter reibungslos verlief. „Es war aus meiner Sicht der schönste Dämmerumzug, von den mitwirkenden Vereinen gab es viel Lob, aber auch viel Mut für die nächsten Jahre“, resümierte Mendel, der bereits ankündigte, dass die Straßenfasnacht auch künftig am Theaterplatz stattfindet. „Das hat sich bewährt.“
Verschanzt hinter Mülltonnen
Bei der Schlüsselübergabe an die Narren, die nachmittags im Mittelpunkt der Straßenfasnacht stand, hatte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) mit dem Stadtvorstand zunächst auf einem Pritschenwagen und mit einer Vielzahl von Mülltonnen den Zugang zum Theaterplatz versperrt. Das brachte die Narren des „Großen Rats“ allerdings nicht aus ihrem Rhythmus. Sie wagten den Zugang aus der Luft – mit Stadtprinzessin Marie-Sophie I. und Präsident Christoph Heller auf der Hebebühne. Die Stadtprominenz wehrte sich vergeblich und gewährte am Ende den Fasnachtern den Zugang zum Theaterplatz.
Auf der Bühne führte Heller als Präsident des Großen Rats anschließend gemeinsam mit Hans Jürgen Mendel von den Huddelschnuddlern durch das Programm. Den ganzen Nachmittag lang stellten Guggemusiker, Solisten, sowie Musik- und Karnevalsvereine ihr Können auf der Showbühne vor dem Pfalzbau unter Beweis. Die Palette reichte dabei von den Humba Buwe aus Kaiserslautern über Michael Stein von der KG Eule bis hin zum Tal Ötzi. Auch die beiden DJs Pius und Franz, zwei Urgesteine der Farweschlucker, sorgten dafür, dass kein Bein auf dem vollbelegten Theaterplatz still blieb.
Für das leibliche Wohl sorgten bei der Straßenfasnacht die Ludwigshafener Vereine. An den Ständen der Rheinschanze, Farweschlucker, Schloßhogger, Eule, Mondglotzer, Hans Warsch, Musikverein Oggersheim und Huddelschnuddler gab es Getränke und Speisen. Ins Schwitzen kamen die vielen ehrenamtlichen Fasnachter dabei durchaus, denn schon am frühen Samstagmorgen wurden die Stände aufgebaut, es folgte die Bewirtung bis in die späten Abendstunden, ehe dann der Abbau erfolgte.
„Das war wieder der Hammer“, waren sich Heller und Mendel am Ende der Straßenfasnacht einig. Die Jury begutachtete auch in diesem Jahr wieder die mitwirkenden Gruppen. Der erste Preis ging an die Guggemusik Dunnersschbejer Wildsaufetzer, den zweiten Platz belegte die Karnevalsgesellschaft Eule, und als dritter Preisträger durfte sich die Narren der Stropies Pilwe/Stroßeritter aus Mannheim über eine Anerkennung freuen.
