Ludwigshafen
Corona: Wer sind die Menschen, die Tests jetzt selbst bezahlen?
„Wir fühlen uns wie Menschen zweiter Klasse“, sagt Ralf (52), der sich auf dem Berliner Platz gemeinsam mit Sohn Philipp (27) über das Test-Angebot von „EcoCare“ informiert hat. Wie die beiden Männer berichten, sind sie gerade von einer fünftägigen Reise aus Hamburg zurückgekommen. „Dort gilt in vielen Fällen die 2G-Regel, aber in die Straßenbahn durften wir uns ganz ohne Regel zusammen mit 400 anderen Menschen quetschen“, erzählt Ralf. „Das ist einfach völlig daneben.“ Die Impfung gegen Covid-19 sei ihm noch nicht erprobt genug. Dass die Corona-Schnelltests jetzt kostenpflichtig sind, könne er nicht nachvollziehen. „Vielleicht lasse ich mich nächstes Jahr impfen“, sagt Sohn Philipp, „in diesem Jahr aber sicher nicht“.
Ein paar Meter weiter steht eine etwa 70 Jahre alte Frau. Auch sie hatte mit dem Personal der Teststation gesprochen und macht einen leicht verzweifelten Eindruck. Schnell zeigt sich, dass sie kaum Deutsch spricht. Zu verstehen ist: Ihr Mann wurde ins St. Marienkrankenhaus eingeliefert, sie darf dort ohne einen negativen Schnelltest aber nicht hinein. „Zu alt“, sagt sie immer wieder und deutet dabei auf ihr Mobiltelefon. Die Online-Registrierung, um die man die Frau für den Corona-Schnelltest gebeten hatte, überfordert sie sichtlich. Ob sie sich denn irgendwann vielleicht impfen lassen wolle? „Mein Deutsch nicht gut“, antwortet die alte Dame und läuft mit Tränen in den Augen Richtung Faktorhaus davon.
„Positiv“ in den Bus gestiegen
Sprachbarrieren seien recht häufig ein Problem, erzählt Michael Barsoum, Leiter der Teststation von „EcoCare“ auf dem Berliner Platz. Erst vor wenigen Tagen sei eine Gruppe Bulgaren vor Ort gewesen – und mithilfe des Google-Übersetzungsprogramms habe er versucht zu erklären, dass ein Corona-Schnelltest bei „EcoCare“ 14,99 Euro kostet. Seine Bemühungen seien erfolglos geblieben. Barsoum erlebt aber noch ganz andere Dinge, die er schlichtweg hinnehmen müsse: „Wir haben hier schon jemanden positiv getestet, ihm erklärt, dass er jetzt in Quarantäne muss, und dann ist er einfach in den Bus eingestiegen.“
Gerade ältere Menschen mit Migrationshintergrund verstünden vielfach nicht, was von ihnen verlangt werde. „Unsere Hauptaufgabe in den letzten Tagen bestand auch darin, den Leuten zu erklären, warum die Tests jetzt kostenpflichtig sind“, erzählt Barsoum. Dass diese politische Entscheidung von Bund und Ländern getroffen wurde, sei längst nicht jedem bekannt gewesen.
Finanziell nicht zu stemmen
Während er das erzählt, erreicht Cecile (23) die Teststation. Ja, sie könne auch bar bezahlen, erklärt Barsoum. Die bisher geltende Regelung, dass die Schnelltests nur per Kreditkarte, PayPal oder Giropay bezahlt werden konnten, sei aufgehoben worden. Nachdem sie die Teststation verlassen hat, erzählt Cecile, warum sie sich hat testen lassen. „Ich brauche jetzt zwei Mal pro Woche einen negativen Schnelltest, wenn ich in die Uni will“, sagt die junge Frau. Weil sie sich die dafür anfallenden Kosten aber nicht dauerhaft leisten könne, habe sie bereits einen Beratungstermin für die Impfung gegen Covid-19 bei ihrer Hausärztin vereinbart. Und würde sie sich impfen lassen, wenn die Corona-Tests weiterhin kostenlos wären? „Nein, ganz sicher nicht“, sagt Cecile.
Plötzlich ist die alte Dame, deren Mann im St. Marienkrankenhaus liegt, wieder da. An ihrer Seite steht mittlerweile eine weitere Frau. Sie erklärt Michael Barsoum, dass sie Mitarbeiterin einer Beratungsstelle und eigentlich unterwegs zu einem Termin sei. Nur ganz kurz habe sie jetzt Zeit, um der alten Dame zu helfen, zu ihrem Schnelltest zu kommen.
Deutlich weniger hektisch sehen zwei andere Frauen aus, die sich in diesem Moment der Teststation nähern. Etwas zögerlich und zunächst von Weitem versuchen sie, die Informationen zu entziffern, die auf den „EcoCare“-Bannern stehen. Wie sämtliche Gesprächspartner zuvor wollen auch diese beiden nicht fotografiert werden. Noch nicht einmal ihre Namen möchten sie verraten. Warum sie allerdings zur Teststation gekommen sind, verraten sie dennoch. Eine der beiden Frauen unterrichtet Deutsch als Fremdsprache, die andere ist ihre Kursteilnehmerin – und deren Selbsttests vor Kursbeginn waren an diesem Tag positiv ausgefallen. „Das Gesundheitsamt hat uns hierher geschickt, um das Ergebnis überprüfen zu lassen“, erzählt die Sprachlehrerin.
Jugendliche wollen ins Kino
Es dauert nur wenige Minuten, dann herrscht Gewissheit: Auch der vom „EcoCare“-Team durchgeführte Schnelltest fällt positiv aus, bei der Sprachschülerin wird daraufhin direkt vor Ort ein PCR-Test durchgeführt. „Unsere Teststation müssen wir jetzt für etwa 30 Minuten schließen“, erklärt Michael Barsoum, „so lange dauert es, bis wir alle Oberflächen desinfiziert und auch den Boden mit Desinfektionsmittel ausgewischt haben“. Seit die Schnelltests für die meisten nicht mehr kostenlos sind, sei die Nachfrage zurückgegangen, erzählt Barsoum. Weil es dennoch Bedarf gebe – unter anderem ließen sich viele Jugendliche am Berliner Platz testen, um das nahe gelegene Kino zu besuchen, – wolle „EcoCare“ sein Angebot auch künftig aufrecht erhalten.
Unterdessen kommt eine weitere junge Frau zur Teststation. „Jetzt mit Geld, oder?“, fragt sie und nickt in Richtung des Testcontainers. „Ja, 14,99 Euro“, antwortet die RHEINPFALZ. „Okay, danke!“, sagt sie – und geht weiter.
Noch Fragen?
Die Teststelle von „EcoCare“ auf dem Berliner Platz ist geöffnet von Montag bis Samstag, jeweils 9 bis 18 Uhr. Weitere Infos im Netz auf www.corona.rlp.de, Stichwort: Testen. Unter dem Suchwort „Ludwigshafen“ werden Adressen für Schnelltests und PCR-Tests genannt.