Ludwigshafen Coole Surfer und Bud Spencer

Auf dass der Sommer nie endet: Heiko Tremmel sorgt für die künstlerische Gestaltung der Stromkästen in Waldsee. Die Surfer ziere
Auf dass der Sommer nie endet: Heiko Tremmel sorgt für die künstlerische Gestaltung der Stromkästen in Waldsee. Die Surfer zieren den Stromkasten in der Nähe des Badesees.

«Waldsee.» Graue Stromkästen sind bestimmt jedem schon mal ins Auge gesprungen – vor allem seit sie in immer mehr Städten eine Fläche für Kunst bieten. Auch in Waldsee hat die graue Tristesse ein Ende. Heiko Tremmel ist mit vielen bunten Spraydosen und tollen Gestaltungsideen im Ort unterwegs gewesen und hat die grauen Kästen in Streetart-Objekte verwandelt. Wir haben ihn dabei begleitet.

Heiko Tremmel sitzt in der Frühlingssonne und arbeitet konzentriert an einem Bild, das einen der grauen Stromverteilerkästen in Waldsee verschönern soll. Das Motiv: Ein Surfer läuft in den Sonnenuntergang, in der Ferne sind zwei weitere Surfer zu sehen. „Passt zur Straße, in der wir sind, schließlich führt sie zum Badesee. Außerdem surfe ich selbst“, sagt Tremmel und hält kurz inne. Irgendwas mit den Folienschablonen stimmt nicht. Er wird in seiner Konzentration jäh unterbrochen, ein Anwohner fragt: „Habt ihr überhaupt eine Genehmigung?“ „Habe ich, sowohl von der Gemeinde Waldsee als auch von den Stadtwerken Schifferstadt. Ich kann es Ihnen gerne zeigen“, sagt der 38-Jährige. Der Anwohner winkt ab und geht. Eigentlich wollte Tremmel die Kästen der Telekom bemalen. Das Unternehmen hatte vor eineinhalb Jahren einen Aufruf zur künstlerischen Gestaltung der Verteilerkästen gestartet. „Die hatten 1000 Auflagen, so macht das keinen Spaß“, sagt Tremmel. Er fand heraus, dass etwa die Hälfte der grauen Verteilerkästen gar nicht der Telekom, sondern den Stadtwerken Schifferstadt gehört. Die Gemeindeverwaltung Waldsee habe er mit seiner Idee sofort überzeugt, bei den Stadtwerken Schifferstadt sei er zuerst auf Skepsis gestoßen, als er dann aber erklärt habe, wie und mit welcher Technik er die Kästen bemalt, sei auch von da schnell grünes Licht gekommen, erzählt Tremmel. Er verwendet Farben aus Spraydosen, die speziell für Graffiti hergestellt werden. Sie sind hoch pigmentiert und sehr beständig, so dass eine dünne Schicht Farbe ausreicht, um ein leuchtendes Bild zu gestalten. Heiko Tremmel sprüht die Farbe für den Hintergrund großflächig auf den Kasten, für feine Motive benutzt er Schablonen. Nachgebessert wird mit Filzstift oder Pinsel. Im Moment hat er mit der Gemeinde Waldsee einen Vertrag über die Gestaltung von 15 Kästen abgeschlossen. Begonnen hat er vor einem Jahr, jetzt hat er gerade die letzten in Angriff genommen. „Ich bekomme dafür ein bisschen finanzielle Unterstützung“, sagt er. Er würde auch mehr Kästen künstlerisch gestalten, wenn Bedarf ist. Die Motive sind ganz unterschiedlich. Manches falle ihm ein, wenn er den Straßennamen liest. So ist der Verteilerkasten in der Berliner Straße mit dem Brandenburger Tor verziert und der Kasten am Katzenbuckel hat ein Katzenmotiv. Andere Ideen kommen eher spontan. So prangt auf einem Kasten in der Maxstraße das Konterfei von Bud Spencer mit Original Bud-Spencer-Rezept für Bohnen. „Das war mein großes Kindheitsidol. Er ist gerade gestorben, als ich mir überlegt habe, was ich als nächstes mache“, begründet Tremmel dieses Motiv. Wer aufmerksam in Waldsee unterwegs ist, kann noch viel mehr entdecken: Den Hasen aus Alice im Wunderland, der seine Alice sucht, Momo, eine Frau mit Pferd oder einfach nur Blumen. Zu Hause überlegt sich Tremmel grob das Motiv, die Feinheiten entstehen aber erst bei der Arbeit. Rund zweieinhalb Stunden braucht er für ein Bild, bei aufwendigen Motiven dauert es auch schon mal doppelt so lang, bis es fertig ist. Während er das alles erzählt, beendet Tremmel noch die letzten Korrekturen am Surfer-Motiv. Heiko Tremmel ist in Waldsee geboren und aufgewachsen. Inzwischen arbeitet er als Reisejournalist in Basel. Gemalt hat er schon immer gern. „Das habe ich von meinem Vater“, sagt der 38-Jährige. Als Jugendlicher hat er dann seine Liebe für Graffiti entdeckt. „Die Garage meiner Eltern musste da sehr oft herhalten, auch der Wohnwagen der Familie eines Kumpels“, erzählt Tremmel und beteuert, dass er „wirklich nie heimlich nachts gesprayt“ habe. Über kleine Dinge – wie eben bunt bemalte Verteilerkästen – könne er sich wie ein kleines Kind freuen, sagt Heiko Tremmel. „Ich habe das Peter Pan Syndrom. Eine sehr schöne Krankheit!“

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