Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Collini-Center: Stadt genehmigt Abriss des Büroturms

Charme der 1970er-Jahre: Die beiden Türme des Collini-Centers prägten über Jahrzehnte die Stelle am Neckar.
Charme der 1970er-Jahre: Die beiden Türme des Collini-Centers prägten über Jahrzehnte die Stelle am Neckar.

Die Entscheidung ist gefallen: Die Stadt hat den Abriss von Büroturm und Foyer des Collini-Centers bewilligt. Der ist aber mit einigen Auflagen verbunden.

Die über 100 Einwendungen von Anwohnern und Nachbarn des Wohnturms blieben somit erfolglos. Wann genau der Bau, in dem das Technische Rathaus und vor mehr als zwei Jahrzehnten das Kurpfalzbad untergebracht waren, verschwindet, ist aber noch offen.

Die Stadt habe die Genehmigung für den Teilabriss des Collini-Centers (Büroturm, Galeriebau und Tiefgarage) erteilt, heißt es auf Anfrage aus dem Rathaus. Sie erfolge jedoch noch ohne Baufreigabe und unter Auflagen. „Die Erschließung, die Ver- und Entsorgung sowie ein barrierefreier Zugang zum verbleibenden Wohnturm ist zu jeder Zeit zu gewährleisten“, so eine Sprecherin des Baudezernats.

Mühsame Prüfung

Im Zuge des Genehmigungsverfahrens zum Abriss des als marode eingestuften Collini-Büroturms hatten die direkten Angrenzer sowie die Eigentümer auf der gegenüberliegenden Straßenseite bis Ende März die Möglichkeit des Einspruchs erhalten. Da die Mitglieder der Wohneigentumsgesellschaft (WEG) durch einen Rechtsanwalt vertreten und Vollmachten für weitere Personen aus der WEG teilweise mehrfach repräsentiert waren und somit die Interessen von mehr als 100 Personen gebündelt wurden, musste die Baurechtsbörde zunächst mögliche Überschneidungen und Doppelungen prüfen.

„Die Komplexität der Einwendungen und die städtebauliche Bedeutung des Projekts erforderte eine intensive Prüfung. Die Abbruchgenehmigung wurde erst erteilt, nachdem jede einzelne Einwendung mit individueller Begründung – insgesamt 19 Stück – zurückgewiesen war“, erklärt die Rathaus-Sprecherin. Viele der aufgeführten Bedenken hätten sich nicht auf von der Baurechtsbehörde zu prüfende öffentlich-rechtliche Vorschriften bezogen, seien daher nicht Gegenstand der Prüfung und gegebenenfalls privatrechtlich zu klären.

Anwohner sehen Teilerfolg

Gerade Bewohner des Turms, der erhalten bleiben soll, waren es, die sich gegen den Abriss wehrten. „In gewisser Weise haben wir damit gerechnet, überrascht sind wir nur in der Hinsicht, dass wir es mal wieder aus der Zeitung erfahren mussten“, sagt Thomas Holzner von der Initiative „Rettet das Collini“. „Bis jetzt haben wir auf unsere Einwendungen noch keine schriftliche Antwort seitens des Bauamts. Eventuell kommt das Schreiben aber ja noch.“

Die Einsprüche der Anwohner erwirkten aber zumindest einen Teilerfolg und sorgen formal für klare Bedingungen beim Abriss. Dieser sei mit einer „Einschränkung des Zeitraums lärmintensiver Tätigkeiten“ versehen, auch der denkmalgeschützte Collini-Steg über den Neckar müsse beachtet werden. Die temporär verlagerten Stellplätze seien spätestens fünf Jahre nach der Rechtskraft der Baugenehmigung wieder herzustellen und zu unterhalten. Weitere Auflagen betreffen die Einhaltung eines Witterungs- und Wärmeschutzes der durch den Abriss betroffenen Bauteile. Damit ist unter anderem die Fassadenöffnung des Wohnturms gemeint, der von der Tiefgarage bis zum zweiten Stock unmittelbar mit dem direkt angrenzenden Foyer verbunden ist.

Die Vision am Neckar
Charme der Zukunft: Soll soll es einmal aussehen. Nur der linke Wohnturm bleibt erhalten.
Charme der Zukunft: Soll soll es einmal aussehen. Nur der linke Wohnturm bleibt erhalten.

Voraussetzung für eine noch zu erteilende Baufreigabe sei die Überprüfung der Statik sowie die Sicherung der Stellplätze auf einem anderen geeigneten Grundstück. Denn auf dem derzeit genutzten Parkplatz am Wohnturm wird später ein neues Gebäude stehen. Der Bauprojektentwickler Deutsche Wohnwerte aus Heidelberg ging im Mai 2020 aus einem Investorenwettbewerb der Stadt Mannheim um die Nachnutzung und Neugestaltung des Collini-Areals als Sieger hervor.

Laut Entwurf sollen aus dem Collini-Center nun „die Collinis“ werden. Ein Mix aus Wohnen und Arbeiten, mit Flächen für kleine Ladengeschäfte, gastronomischen Angeboten sowie einer Kindertagesstätte. Der bestimmende Wohnturm bleibt dabei erhalten, wird aber von insgesamt vier flügelförmigen Gebäuden umringt, die in der Höhe abgestuft werden. Eigentlich sollte der Abriss bereits 2021 erfolgen. Die Initiative „Rettet das Collini“ wolle nun abwarten, ob man noch eine schriftliche Antwort seitens der Stadt erhält. Der nächste Schritt sei dann, gegen die Entscheidung Einspruch beim Regierungspräsidium in Karlsruhe einzulegen.

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