Böhl-Iggelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Chanson-Kabarett mit Lucy van Kuhl bei DorfArt

Lucy van Kuhls Program verbindet poetische, manchmal etwas melancholische Chansons mit kabarettistischen Stücken.
Lucy van Kuhls Program verbindet poetische, manchmal etwas melancholische Chansons mit kabarettistischen Stücken.

Konstantin Wecker ist ein Fan von Lucy van Kuhl. Und mit ihrem Auftritt bei DorfArt in Böhl-Iggelheim hat die Frau am Klavier mit ihrem Chanson-Kabarett sicher auch neue Fans gewonnen.

Lucy van Kuhl hat ein eher dezentes Auftreten und mag es lieber subtil als krachig. Ihr Programm verbindet poetische, manchmal etwas melancholische Chansons mit kabarettistischen Stücken. Hier und da lässt sie auch etwas schwarzen Humor aufblitzen – und der kam beim Publikum in der VfB-Halle auch besonders gut an.

„Dazwischen“ heißt das Programm, das sie hier am Klavier präsentierte. Zwischen persönlichen Erfahrungen und klugen Beobachtungen des Alltagslebens bewegten sich die Themen. Eingestiegen sind die Hörer ins Programm mit einer Zugfahrt – genauer gesagt, mit dem vorzeitigen Ende, das die viel reisende Künstlerin besungen hat. Zu einem flotten Boogie-Rhyhtmus berichtete sie, wie sie unfreiwillig in Hamm hängenblieb – in Ha(mm)-Moll natürlich. Gut, dass es auch Dinge gibt, auf die man sich verlassen kann – wie etwa den Fernsehturm in Berlin, dessen konstante Präsenz und immer freundliches Blinken die Musikerin beruhigend und tröstlich findet.

Suizid des Smartphones

Auf die Frage, warum manche Smartphones scheinbar grundlos in Flammen aufgehen, hat Lucy van Kuhl eine Antwort. Dafür lässt sie das Gerät selbst zu Wort kommen und erklärt aus dessen Perspektive: Die ständige Flut von Nichtigkeiten in Form von SMS und Postings in sozialen Medien, das Geplapper und Gedaddel, das wird auch dem geduldigsten Gerät irgendwann zu viel. Und wenn es nicht gelingt, sich eingeschaltet ins Klo zu stürzen, dann hilft nur der Suizid mit explodierendem Akku.

Analoge Lesezeichen im Altpapier

Die Veränderungen durch das Digitale beschäftigen die Künstlerin noch weiter: Das analoge Lesezeichen, einst kunstvoll aus Papier gestaltet und zuhause in dicken Romanen und zwischen gedruckten Gedichten findet sich im Altpapier und nähert sich den Tablet-Lesern nur noch vom anderen Ende – als Klopapier. Und die analoge Freundschaftsanfrage in der Fußgängerzone bescheren der Kabarettistin auch „Follower“ – zwei Polizisten und einen Psychiater, die das wahllose Anquatschen in der analogen Welt recht seltsam finden.

Mehrere Kabarettpreise

Lucy van Kuhl wurde als Corinna Fuhrmann in Köln geboren. Auch ihre Berufsaussichten waren erst mal „dazwischen“, nämlich zwischen Musik, Journalismus und Literatur. Musik gemacht hat sie schon, in Köln mit Karneval. Nach dem Studium von Literatur, Musikwissenschaft und Geschichte und einer Klavierausbildung fing sie an, eigene Lieder zu schreiben. Der Erfolg stellte sich schnell ein: Kabarettpreise wie das Scharfrichter Beil (2019), den Stuttgarter Besen (2021) und den Schwäbischen Kabarettpreis (2022) hat sie schon erhalten. Zwei Alben gibt es, 2019 mit dem Programm „Dazwischen“ und 2022 erschien „Auf den zweiten Blick“, beide bei Konstantin Weckers Label Sturm & Klang.

Mehr Biss wäre möglich

Bei ihrem Besuch bei DorfArt kam die Künstlerin beim Publikum sehr gut an. Zugleich hat man aber auch das Gefühl, dass sie durchaus auch zu etwas mehr Biss in der Lage wäre. Die „mörderischen“ Geschichten der alten Ehepaare kamen jedenfalls besonders gut an – was an der Reaktion des Publikums deutlich zu merken war. Natürlich fanden auch die Chansons Gefallen und bekamen Applaus. Aber vielleicht wirkt dieses „Dazwischen“ des Programms deshalb auch ein bisschen unentschlossen. Auf jeden Fall hat die Künstlerin in beide Richtungen noch einiges zu bieten und das sollte man im Auge behalten.

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