Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Bunkermuseum soll Geschichte erlebbar machen

Historiker Klaus-Jürgen Becker inspiziert das Innere.
Historiker Klaus-Jürgen Becker inspiziert das Innere.

Knapp 50 Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg gibt es noch in Ludwigshafen. Sie sind steingewordene Zeugen des Luftkriegs. Eine Initiative möchte aus einem Schutzbau im Hemshof ein Museum machen – die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Ohne Bunker hätten wohl 50.000 Ludwigshafener den Krieg nicht überlebt. Ohne die Betonkolosse hätte es nach den 124 Luftangriffen sicher mehr als die 1300 Toten gegeben. Die hässlichen Kolosse gehören auch fast 80 Jahre nach Kriegsende zum Stadtbild. 47 dieser Bauwerke hat der Arbeitskreis Bunkermuseum in der Stadt katalogisiert.

Um diesen Bunker in der Schanzstraße geht es.
Um diesen Bunker in der Schanzstraße geht es.

Stadtarchivar Klaus-Jürgen Becker steht in der Schanzstraße im Hemshof und macht einen sehr zufriedenen Eindruck. „Der Bunker ist in einem sehr guten Zustand“, sagt der 59-Jährige. Auch wenn das Hochbauwerk von außen keinen sonderlich attraktiven Anblick bietet, mit der Innenansicht ist der Historiker hochzufrieden und verweist auf eine Besonderheit: „Die Beschriftungen hier drin sind in roter Farbe.“ Normalerweise sei in den Schutzbunkern schwarze Farbe verwendet worden. „Aber letztlich hat man damals genommen, was gerade da war“, meint Becker.

Die rote Beschriftungen stammen noch aus den 1940er-Jahren.
Die rote Beschriftungen stammen noch aus den 1940er-Jahren.

Ort für Veranstaltungen

Aber es sind nicht allein solche Besonderheiten, die Becker und seine Mitstreiter hoffnungsvoll stimmen. „Der Bunker würde sich gut für unsere Zwecke eignen“, ist er überzeugt. „Unsere Zwecke“ bedeuten aus Sicht des Arbeitskreises mit seiner Vorsitzenden Lucia Taglieber, dass sich die Macher ihr Bunker-Museum in den Räumen des fünfstöckigen Schutzbaus vorstellen können. Es wäre ein Ort für Veranstaltungen, die an den „Originalschauplätzen“ eventuell noch ein wenig eindringlicher sind. Und Möglichkeiten für Umgestaltungen gebe es auch noch, denn zwar sind die Räume aktuell kleinteilig in 36 „Zellen“ unterteilt, „aber die Wände hier drin sind gemauert und nicht tragend. Da wäre vieles möglich“, so Becker. Tragend seien lediglich die bis zu zwei Metern dicken Außenmauern unter dem bis zu vier Betonmeter starken Dach.

36 Zellen gab es für Ausgebombte.
36 Zellen gab es für Ausgebombte.

Die Mitglieder des Arbeitskreises, die den Bunker am Samstag vermessen, haben allen Grund zu Optimismus, dass ihre Pläne hier im Hemshof Realität werden könnten. Makler Georg Kuthan vom gleichnamigen Immobilienunternehmen will den Bunker in der Schanzstraße zusammen mit dem angrenzenden Grundstück für rund 450.000 Euro verkaufen. „Aber man muss abwarten, was die Käufer für Vorstellungen der Nutzung haben“, sagt Kuthan beim Ortstermin. So sei einerseits ein Umbau des Bunkers zur Wohnnutzung denkbar, wofür allerdings ein zweites Treppenhaus als Fluchtweg sowie eine teure Luftspülanlage benötigt werden würde. Möglich sei aber auch, lediglich das angrenzende und zum Angebot gehörende 330 Quadratmeter große Grundstück zu bebauen und den Bunker als das zu erhalten, wofür er seit einigen Jahren dient: Als Träger von Mobilfunkmasten, für die der künftige Eigentümer bereits eine ordentliche Monatsmiete einstreichen und dafür dem Verein die Innenräume überlassen könnte. „Alles ist denkbar“, meint Kuthan.

124 Angriffe auf die Stadt

Die Mitglieder des Arbeitskreises hoffen darauf, auf der Suche nach einem Standort für Museum in der Schanzstraße endlich fündig geworden zu sein, auch wenn das Gebäude, anders als zehn Schutzbauten im Stadtgebiet, nicht unter Denkmalschutz steht. Was den Zustand des Bauwerks betrifft, bewertet Becker das Gebäude knapp hinter den Denkmälern auf Rang 13. „Es wurde zunächst als Notunterkunft gebaut, für Leute, die nach einem Bombenangriff ihre Wohnung verloren hatten“, erläutert der Historiker. Deshalb gebe es die Unterteilung in 36 Zellen. „Und die Menschen, die hier untergekommen sind, wollten hier auch nicht mehr raus.“ Schließlich sei man im Bunker sicher gewesen, musste bei einem Fliegeralarm nicht erst einen Schutzraum aufsuchen.

Das Innere ist gut erhalten.
Das Innere ist gut erhalten.

Und Alarm gab es in den Jahren ab 1943 reichlich. Nicht nur bei den 124 dokumentierten Luftangriffen der alliierten Bomberflotten, sondern auch jedes Mal, wenn britische Staffeln den Rhein als Orientierung für Angriffe im Hinterland nutzten und auch ohne Bombenabwürfe über die Stadt den Himmel über Ludwigshafen passierten. Ludwigshafen war wegen der IG Farben (BASF) eines der Hauptangriffsziele der alliierten Bomberflotten. Dies und vieles andere mehr wird Becker in einem Vortrag am 18. April den Zuhörern näherbringen. Ort und Uhrzeit stehen dafür noch nicht fest. Künftig könnte der Verein dazu in die eigenen Räume im Bunkermuseum einladen.

Ein Lüftungsloch.
Ein Lüftungsloch.
x