Firmenporträt RHEINPFALZ Plus Artikel „Boxlab“ ist ein Spezialist für Gefahrgut-Transporte

Sehen viel Wachstumspotenzial in ihrer Geschäftsidee: Lisa Ruffing und Mischa Feig.
Sehen viel Wachstumspotenzial in ihrer Geschäftsidee: Lisa Ruffing und Mischa Feig.

Das Start-up-Unternehmen „Boxlab“ ist die erste Firmengründung, die erfolgreich aus dem Gründerzentrum „Chemovator“ der BASF hervorgegangen ist.

Seit September haben die Spezialisten für Gefahrgut-Transporte nun in größeren Räumen im ehemaligen Raschig-Verwaltungsgebäude die Chance, richtig durchzustarten. Das Geschäftsmodell des Jungunternehmens ist eher untypisch und noch eng mit der BASF verbunden. Das Wachstumspotenzial ist enorm.

Womit „Boxlab“ sein Geschäft macht, ist für Laien auf den ersten Blick gar nicht so einfach zu verstehen. Angeboten wird ein Service, bei Bedarf mithilfe einer digitalen Anwendung (App) hoch reglementierte, etikettierte Transportkartons für Gefahrgut innerhalb von 24 Stunden zu ersetzen. Dieser neuartige Service spart dem Hersteller der Spezialchemikalien viel Geld. Denn einen Ersatzkarton für Gefahrgut herzustellen, konnte bisher sechs bis acht Wochen dauern.

Probleme bei Pflanzenschutzmitteln

„Wir sind gestartet mit Verpackungen und Etiketten im Bereich Pflanzenschutz“, erzählt Gründer und Geschäftsführer Mischa Feig. Von den englischen Bezeichnungen „Box“ (Verpackung) und „Label“ (Etikett) komme auch der Name „Boxlab“, erläutert der 39-Jährige. Er war 17 Jahre lang bei der BASF beschäftigt, davon vier Jahre als Prozessmanager im Bereich Pflanzenschutz.

Dabei hat er festgestellt, dass es im Lieferprozess für Pflanzenschutzmittel immer wieder ein Problem gibt. Bei diesen Chemikalien handelt es sich um sogenanntes Gefahrgut. Sicherheit wird hier groß geschrieben. „Wenn eine Beschädigung am Transportkarton für die Pflanzenschutzmittel auftritt, darf dieser nach den Vorschriften nicht weiter versendet werden. Selbst wenn nur ein Riss in dem Verpackungskarton ist“, erläutert Feig. Im schlimmsten Fall müsse wegen eines kaputten Kartons eine ganze Palette mit Produkten stehen bleiben. Einfach intakte Chemikalien-Behälter aus dem Original-Karton herauszunehmen und umzuverpacken, sei nicht erlaubt.

Wirtschaftlicher Schaden durch Ausfälle

„Rund 95 Prozent der unterwegs in Mitleidenschaft gezogenen Warenkartons werden daher samt Inhalt vernichtet. Nur fünf Prozent gelangen zurück an den Absender“, erklärt er die bisherige Praxis. Der wirtschaftliche Schaden durch diese Ausfälle ist beträchtlich. Kunden wie etwa Bauern warten auf ihre Bestellungen, die Zeit drängt. Weil Sicherheit groß geschrieben wird, sind Verpackung und Kennzeichnung der Pflanzenschutz-Produkte für den Versand jedoch eine komplexe Angelegenheit. Nur spezielle Gefahrgut-Kartonagen dürfen verwendet werden.

Für die Verpackung und Etikettierung von Pflanzenschutzmitteln gebe es in der BASF etwa 50 Arten von Kartons, die mit rund 3000 verschiedenen Etiketten gekennzeichnet werden, sagt Feig. Diese geben genaue Auskunft über das Produkt bis hin zur Chargennummer und unterscheiden sich in Sprache, Größe und vielem mehr. Bei einem Ausfall den gesamten Versandvorgang von vorn beginnen zu lassen, hat bisher Wochen gedauert.

Umzug ins Innovationszentrum

Hier springt „Boxlab“ ein. „Wir können einen ordnungsgemäß fertig etikettierten Verpackungskarton innerhalb von 24 Stunden herstellen“, sagt Co-Geschäftsführerin Lisa Ruffing stolz. „Bisher haben wir schon über 200.000 Liter Produkt gerettet“, betont Feig die Nachhaltigkeit der Geschäftsidee.

Ursprünglich begonnen hat er im Jahr 2018 mit der Umsetzung der Idee im Existenzgründerzentrum „Chemovator“ der BASF. Für mehr Lagerfläche kam im April 2019 der Umzug ins Ludwigshafener Innovationszentrum TZL. Hier stieß die 31-jährige ehemalige BASF-Mitarbeiterin Ruffing dazu. Bei der offiziellen Firmengründung im April 2021 waren sechs gemietete Räume im TZL für inzwischen vier Mitarbeiter schon wieder zu klein.

Großer Markt

Im ehemaligen Raschig-Verwaltungsgebäude stehen seit Kurzem statt 200 nun 310 Quadratmeter Büroraum und Lager mit eigener Zufahrt zur Verfügung. Das Wachstumspotenzial für „Boxlab“ sei riesig, schwärmen die Gründer. Denn Gefahrgut-Kartons und -Etiketten braucht nicht nur die BASF. Alle Produzenten solcher Chemikalien in Deutschland und Europa kommen als Kunden infrage. Und bisher hat sich „Boxlab“ nur auf Pflanzenschutzmittel konzentriert. Der gesamte Markt für Gefahrgut- oder Pharma-Produkte sei jedoch um ein Vielfaches größer, deuten die beiden Gründer den Aufbruch in neue Geschäftsfelder an.

Die Serie

In dieser Serie stellen wir wöchentlich immer samstags interessante Firmen aus der Region vor.

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