Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Book-Slam am THG: Weltliteratur mit Wumms

 Mahum Grundhöfer (links) las eine Szene aus „Als die Welt uns gehörte“ und überzeugte damit Publikum und Juroren. Rechts: die V
Mahum Grundhöfer (links) las eine Szene aus »Als die Welt uns gehörte« und überzeugte damit Publikum und Juroren. Rechts: die Veranstalter Elvira Gensheimer, Christine Henze und Ruth Kersthold.

Endlich gab es wieder einen Book-Slam am Theodor-Heuss-Gymnasium in Ludwigshafen. Nach der Corona-Pause präsentierten Schüler wieder auf besondere Art ihre Lieblingsbücher. Gewonnen hat eine unerwartete Methode.

Kurz und knackig, nicht länger als drei Minuten sollen die Buchvorstellungen sein. Die Idee wurde in den 90er-Jahren entwickelt. Da hatten Poetry-Slams neue Begeisterung für Lyrik ausgelöst. „Slam“ heißt zu Deutsch eigentlich „Schlag“ und bezieht sich auf die erhoffte Präsentation „mit Wumms“. Nach der Präsentation stimmt das Publikum ab, am Ende wird ein Sieger gekürt. Diese Methode wurde für die Buchpräsentationen übernommen, entstanden ist die Idee an der Akademie für Jugendbildung in Remscheid.

Am Heuss-Gymnasium in West gab es die Book-Slams schon mehrere Jahre, sagt Elvira Goldschmidt, die an der Ludwigshafener Stadtbücherei für Leseförderung zuständig ist. Corona unterbrach die Veranstaltungen. Jetzt aber stellte die 8b von Deutschlehrerin Christine Henze ihre Lieblingslektüre vor. Das Publikum bildeten die Klassen 7a und b, die dann im nächsten Jahr selbst Bücher präsentieren werden. Mitorganisatorin am THG war Ruth Kersthold, die Leiterin der Schulbibliothek.

„Jedes Jahr erscheinen 18.000 Kinder- und Jugendbücher, da ist es gut, wenn jemand ein paar Tipps hat“, erklärte Goldschmidt den Schülern. Die Siebtklässler als Publikum sollen die Präsentationen bewerten. Dazu bildeten sie kleine Gruppen. Jeweils ein Vertreter konnte deren Bewertung mit Nummerntafeln anzeigen. „Super“ und Höchstpunktzahl war die Zehn, „ganz okay“ gab es mit der Mindestzahl von fünf Punkten.

Videoclip im Trailerstil

Den Anfang machten Clara Lorenz und Johanna Weber mit „Allein auf dem Meer“ von Chris Vick. Die Geschichte erzählt von einem Schiffbruch und dem Überlebenskampf des jungen Protagonisten. Die beiden Mädchen hatten dazu einen Videoclip gemacht im Stil eines Trailers. Filmsequenzen, Fotos und das Ganze mit Musik unterlegt, haben sie das Medium Video sehr gut genutzt.

Ganz „analog“ dagegen haben Johann Lukas Börzel und Cyrill Geis ihre Buchvorstellung mit einer Serie von selbstgefertigten Plakaten gemacht. „Forgotten City“ von Michael Ford haben die beiden gelesen und das Publikum dazu eingeladen, sich in die Romanfiguren hinein zu versetzen. Die müssen in einer Welt leben, in der ein Gentechnik-Experiment außer Kontrolle geraten ist. Weitere Vorstellungen haben die Schüler teils mit selbstgespielten und gefilmten Szenen gemacht, teils mit Bildern, teils als aufgezeichnete Lesung im Podcaststil.

Urkunde und Kino-Gutschein

Am höchsten bewertet wurde die Präsentation von Mahum Grundhöfer – und die war ganz anders: Er las eine Szene aus „Als die Welt uns gehörte“ von Liz Kessler. Das Buch erzählt die Geschichte von Max, Leo und Elsa, drei Kinder, die in der Zeit des Nationalsozialismus aufwachsen. Max ist Sohn eines überzeugten Nazis und wird über Jungvolk und Hitlerjugend indoktriniert. Er verliert den Kontakt zu Leo und Elsa, die Juden sind. Nach Jahren kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung. Diese Szene hat Mahum Grundhöfer vorgelesen – und zwar so lebendig, dass die Zuhörer ganz gefesselt waren. „Digga, der war voll drin in dem Buch“, sagte ein Zuhörer zu den anderen seiner Gruppe. „Zehn-zehn-zehn!“ forderte der andere die Höchstpunktzahl. „Ich muss das unbedingt lesen“, meinte ein Mädchen der Gruppe.

Und tatsächlich überzeugte Mahum Grundhöfer die Jury der Siebtklässler und wurde zum Sieger des Book-Slam 2023. Er erhielt eine Urkunde und einen Kino-Gutschein.

„Ich interessiere mich besonders für Geschichte“, sagte der 15-Jährige nach der Preisverleihung. Eigentlich sei eher die Antike sein Spezialgebiet. Das Buch über Nationalsozialismus und Holocaust habe er gewählt, weil die Epoche ein wichtiges Thema im Geschichtsunterricht sei.

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