Ludwigshafen Bis zu 550 Ausleihen am Tag

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Mutterstadt. Diese Ruhe! Auf dem kleinen Sofa vorm Fenster liest ein Mann mittleren Alters. Ein älterer Herr stöbert bei den Zeitschriften. Caroline Schmitt nutzt die Gunst der Stunde und kümmert sich um die Vormerkungen des neuesten Nele Neuhaus Krimis „Im Wald“. 14 Personen stehen auf der Liste. „Das dauert mehr als ein Jahr, bis der letzte das Buch hat“, sagt die 25-Jährige, die eine der sechs Festangestellten in der Gemeindebibliothek Mutterstadt ist, die zusätzlich von drei Ehrenamtlichen unterstützt werden. Deshalb hat Bibliotheksleiterin Birgit Bauer ein zweites Exemplar bestellt. Das lag an diesem Morgen in der Post. Schmitt und ihre Kollegin Ramona Gutzler haben sich sofort darum gekümmert, dass es katalogisiert wird und ausgeliehen werden kann. Am PC verteilt die Speyererin dann noch die Vormerkungen um. Gerecht natürlich. „Jetzt sind es nur noch sieben pro Buch“, sagt sie und lacht, bevor sie die erste Nutzerin telefonisch benachrichtigt, dass der Krimi nun verfügbar ist. Eine Woche lang ist das Buch dann für die Dame reserviert. Holt sie es nicht ab, wird der nächste informiert. Das Prozedere ist simpel. Auch, weil heutzutage alles über den Computer läuft. Einfach den Barcode im Buch scannen und die Maschine spuckt jegliche Informationen über das Buch, die Ausleihen und Vormerkungen aus. Natürlich nur dank der Vorarbeit der Mitarbeiterinnen. Denn die Datenbank muss penibel gepflegt werden – und das händisch. Bevor ein Buch im Regal landet, wandert es hinter den Kulissen durch mehrere Hände. Bauer bestellt die Ware. Schmitt packt an diesem Morgen aus, klebt Barcodes – Mutterstadt hat die 003 am Anfang –, stempelt den Bibliothekshinweis und übergibt an Bauer, die ein Interessenfeld wählt. „Frauen“, „Historisches“ oder „Krimi“ gibt es da. Kollegin Gutzler katalogisiert im Anschluss. Sprich: Sie gibt die Daten rund ums Buch – Autor, Titel, et cetera – in den PC ein. Noch zwei Aufkleber drauf – einen für die Systematik, farblich nach Kindern, Erwachsenen und Sachbüchern getrennt, einen anderen fürs Interessenfeld. Und ab damit ins Regal. So die Kurzversion, wie sie beim Nele-Neuhaus-Krimi lief. Den musste Caroline Schmitt im Vorfeld zudem noch separat bearbeiten. Denn das Buch ist ein Hardcover mit Umschlag. Das Cover hat sie zugeschnitten, aufgeklebt und anschließend foliert, damit es nicht so schnell abgegriffen und kaputt ist. Schließlich gehen die Bücher in der Bibliothek durch viele Hände. Das zeigen auch die Ausleihzahlen. Bei einem Gesamtbestand von 29.893 Medien und 1434 Nutzern kam die Bibliothek 2016 auf 115.955 Ausleihen. Über 8000 mehr als im Vorjahr. Die Anzahl der E-Book-Entleihungen aus der Onleihe Rheinland Pfalz, für die die Bibliothek Essays, Märchen und Dramen bereitstellt, sind um mehr als 2000 auf 7551 gestiegen. Birgit Bauer ist zufrieden. „Gerade bei den Ü-60-Nutzern steigen die Ausleihzahlen in der Onleihe“, erzählt sie. Vermutlich, weil die Reader handlich und leicht sind, und weil die Schriftgröße angepasst werden kann. Jeden Tag haben Birgit Bauer und ihre Mitarbeiterinnen ein Auge auf die Zahlen. Eine der ersten Taten am Morgen: die Statistik des Vortags ausdrucken. Die ist nach einzelnen Medien aufgeschlüsselt. 239 gibt der Computer diesmal an. Eine gute Quote, dafür dass die Bibliothek mittwochs nur zwei Stunden geöffnet ist. „An einem normalen Tag haben wir zwischen 450 und 550 Ausleihen“, erzählt Ramona Gutzler. „Die meisten nehmen mindestens drei Bücher mit.“ Der Besuch soll sich ja schließlich lohnen. Hörbücher und Bücher können einen Monat, Konsolenspiele zwei Wochen und DVDs und Zeitschriften sieben Tage ausgeliehen werden. Dann kommt die Mahnung. Auch darum kümmern sich Ramona Gutzler und Caroline Schmitt an diesem Vormittag. Neun Euro muss eine Nutzerin zahlen. Schriftlich wird sie darauf aufmerksam gemacht. Pro Medium fällt ein Euro Mahngebühr an. Nach einer Woche wird verdoppelt. Um das zu umgehen, hilft aber auch wieder der Computer. Online, über den sogenannten Findus, können Nutzer nicht nur Informationen zum Buchbestand bekommen, erfahren, ob ein Buch ausgeliehen ist und Bücher vormerken, sondern auch Anträge auf Verlängerung stellen. Ob das geht oder nicht, berichten die Mitarbeiterinnen per E-Mail. Praktisch, so geht es auch bequem von zu Hause aus und man spart sich den Weg in die Bibliothek. Andere kommen zwar ans Gebäude in die Ortsmitte, aber nicht zu den regulären Öffnungszeiten. Ein Nutzer hat DVDs in den Briefkasten gelegt. „Das sehen wir nicht so gern“, sagt Caroline Schmitt. „Sie könnten dort geklaut werden.“ Das muss die Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste Fachrichtung Bibliothek, kurz Fami, auch prompt einer Frau erklären, die sie vor der Tür trifft. Etwa eine Stunde vor der Öffnungszeit wollte diese ihre Ausleihen ebenfalls über den Briefkasten zurückgeben. Schmitt klärt sie über die Problematik auf, nimmt die Medien mit und gleichzeitig noch eine Anmeldung für die Bücherfresser entgegen, an der der Sohn der Dame teilnehmen wird. Die finden übrigens – wie die Bücherminis – einmal im Monat statt. In diesen Treffen werden Kinder spielerisch an Literatur herangeführt, bekommen eine Geschichte vorgelesen und können basteln, beim nächsten Mal die blaue Fischdame aus „Findet Dorie“. Die Vorbereitung dafür sei „eine Zwischendurcharbeit“, sagt Ramona Gutzler, die die Bastelvorlagen schon auf dem Schreibtisch liegen hat. Aber jetzt werden erst noch die Regale gecheckt. Steht alles richtig? Muss noch was einsortiert werden? Schließlich ist es gleich 10 Uhr. Öffnungszeit. In der Kinder-Leseecke ist noch etwas Chaos und an der Wand sind Lücken. Schnell ein paar hübsche Kinderbücher raussuchen, auffüllen, Stofftiere einsammeln und Stühle gerade rücken. Es muss ja schließlich alles ordentlich aussehen. „Die Leute nehmen Bücher, die präsentiert sind, eher mit“, weiß Ramona Gutzler aus Erfahrung. Im Hintergrund kümmert sich Birgit Bauer um die Organisation des großen Ganzen: Die Bibliotheksleiterin sichtet neue Literatur, bestellt Medien, macht Pressearbeit oder bereitet Veranstaltungen wie aktuell eine geplante Lesung zum Internationalen Frauentag vor. „Aber ich bin auch gerne in der Ausleihe“, erzählt sie. Der Kontakt zu den Menschen sei ihr einfach wichtig. Dazu ist an diesem Vormittag keine Zeit. Eine Gruppe hat ihren Besuch angekündigt, der noch vorbereitet werden muss. Der erste Ansturm ist derweil vorbei. Der Mann auf dem Sofa liest noch immer. Diese ruhigen Momente nutzt Caroline Schmitt für kleinere Reparaturen, flickt eingerissene Einbände oder tauscht CD-Hüllen aus. Doch prompt flattert der nächste Auftrag auf den Tisch. Die Kindertagesstätte „Am alten Damm“ hat eine Bücherkiste zum Thema „Tiere in unserem Wald“ bestellt. Auf geht es in die Auslage. Schnell finden sich circa 15 Bücher rund um Haselmaus, Fuchs und Co. „Die Erzieherinnen können sich aussuchen, welches der Bücher sie mitnehmen“, erzählt die 25-Jährige. Ganz in Ruhe natürlich. Noch Fragen? —„Vorsicht Bücherfresser! Das große Unterwasserabenteuer – Findet Dorie“, Donnerstag, 2. Februar, 16 Uhr, Gemeindebibliothek Mutterstadt. Die Teilnehmerliste liegt in der Bibliothek aus. —Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag, 10 bis 12 Uhr sowie 14 bis 18 Uhr. Mittwoch und Samstag, 10 bis 12 Uhr.

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