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J. D. Vance: Die „Hillbilly Elegie“ von Donald Trumps Kronprinz war 2016 ein Bestseller und wird bald wieder einer sein.
J. D. Vance: Die »Hillbilly Elegie« von Donald Trumps Kronprinz war 2016 ein Bestseller und wird bald wieder einer sein.

Elke Heidenreich führt mit „Altern“ auch die Juli-Bestsellerliste an. Selbst wenn Heidenreichs ermutigende Aufforderung zur Gelassenheit im Umgang mit dem Alter schon ein wenig schwächelt, es ist das bislang am häufigsten gekaufte Buch des Jahres. Mit Jean-Luc Bannalecs 13. Bretagne-Krimi um Kommissar Dupin vertreiben sich Leser offenbar gern die Ferienzeit.

J. D. Vance stand mit „Hillbilly Elegie“ im April 2016 auch auf der hiesigen regionalen Bestsellerliste, allerdings nur bei Bücher Bender in Mannheim, dort aber auf Platz eins. Dieses Solo dürfte demnächst zum Chorgesang werden, denn seitdem der Verfasser des „Hinterwäldlerklagegesangs“ von dem amerikanischen Ex-Präsidenten Donald Trump zu seinem running mate, zum Wahlkampfkumpan bei seiner erneuten Kandidatur und damit zum Aspiranten für die Vizepräsidentschaft bestimmt worden ist, wird seinem Buch erneut das Zeug zum Bestseller zugetraut.

Damals, vor acht Jahren, rührte es zu Tränen. Sein prominentester sentimentaler Leser war der jetzige Bundeskanzler Olaf Scholz. 2020 von Ron Howard verfilmt, erlebte J. D. Vances Buch mehrere Auflagen, die alle vergriffen sind. Für den 15. August nun hat der noch recht junge Münchner Verlag Yes Publishing eine Neuauflage angekündigt.

Eine riesige Nachfrage

Schon jetzt ist „Hillbilly Elegie“ aufgrund der Nachfrage ein Bestseller. „Wir haben 20.000 Exemplare gedruckt und gehen davon aus, dass wir sie alle sofort verkaufen werden“, sagte ein Sprecher des Verlags der Deutschen Presse-Agentur. Der Ullstein Verlag als früherer Inhaber der Rechte an der deutschen Ausgabe hatte zuvor die Lizenz auslaufen lassen. Nachträglich rechtfertigte er seine Entscheidung, die freilich schon vor Vances Nominierung gefallen war, mit moralischen Überlegungen. Damals habe er aus eigener Erfahrung sein Aufwachsen und seine Jugend in der weißen Arbeiterklasse beschrieben und sich von Trump distanziert. „Inzwischen“, erklärte eine Sprecherin des Ullstein Verlags dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, „agiert er offiziell an dessen Seite und vertritt eine aggressiv-demagogische, ausgrenzende Politik.“

In der Tat, J. D. Vance fällte früher äußerst harte, von Abneigung bis Abscheu zeugende Urteile über seinen jetzigen Chef. „Amerikas Hitler“ schimpfte er, auch „Idiot“, „ein moralisches Desaster“ und „Heroin für die Arbeiterklasse“. Inzwischen ist er als Mitglied der republikanischen Partei Senator von Ohio und lobt als Trumps Kronprinz den zuvor derart Geschmähten über den grünen Klee.

Ein Leben voller Sprünge und Volten

Eine 180-Grad-Wende, aber das ganze Leben des 40-Jährigen ist voller Sprünge und Volten. 1984 als James Donald Bowman geboren, wuchs er in Jackson, Kentucky, und Middletown, Ohio, mit einer Schwester und einer drogenabhängigen, gewalttätigen, die Männer häufig wechselnden Mutter auf, bis ihn seine Großeltern zu sich holten, deren Nachnamen er annahm. Seine geliebte Großmutter, zärtlich Mamaw genannt, spornte ihn zu Leistungen in der Schule an. Nach dem Schulabschluss diente er eine Zeitlang bei den Marineinfanteristen und hatte einen Einsatz im Irak, danach studierte er in Ohio Politikwissenschaft und Philosophie und anschließend Jura an der amerikanischen Eliteuniversität Yale, wo er seinen Doktor machte. Hier lernte er auch seine spätere Frau kennen, vor allem aber den deutschstämmigen Multimilliardär und Trump-Vertrauten Peter Thiel, der ihn förderte, zum Senator machte und zum Katholizismus bekehrte.

Konvertiten sind bekanntlich die größten Fanatiker. Das wusste schon die katholische Kirche, wenn sie mit Vorliebe übergetretene Juden als Inquisitoren einsetzte. Auf deren 150-prozentige Gefolgschaft war Verlass. Darüber hinaus klingt J. D. Vances Biographie wie eine Geschichte aus dem Bilderbuch des amerikanischen Traums.

Gespaltene Gesellschaft spiegelt sich im Einzelnen

„Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise“ hieß „Hillbilly Elegie“ im Untertitel, indem sie die Erfahrungen eines Einzelnen mit der allgemeinen Erfahrung zusammenschloss. In der Krise steckt die stark gespaltene amerikanische Gesellschaft offensichtlich immer noch. Als 2016 J. D. Vances Buch über das trostlose Leben im sogenannten Rust Belt, dem „Rostgürtel“ im Nordosten der Vereinigten Staaten, erschien, bot es eine Erklärung für Trumps Sieg bei den Präsidentenwahlen im Jahr darauf. Der Niedergang der Stahl- und Eisenwerke, überhaupt die mit der Opioidkrise und der Digitalisierung und Amazonisierung des Warenverkehrs einhergehende Deindustrialisierung hatte die Hillbillies, die weiße Arbeiterschaft, ins Mark getroffen. Trump bot ihnen – und bietet ihnen noch – einen Hoffnungsschimmer: „Make America Great Again“.

J. D. Vances Wandel vom Saulus zum Paulus kommt dabei nicht aus dem Nichts. Schon die „Hillbilly Elegie“ suggerierte, ganz im Einklang mit der amerikanischen, letzlich puritanischen Ideologie vom gotterwählten Selfmade-Millionär, dass die Armen selbst schuld seien. Schließlich habe er, J. D. Vance, es ja auch geschafft.

Alles steht Kopf

„Alles steht Kopf 2“, die Fortsetzung des Films von 2015, füllt gerade die Kinokassen. Der Filmtitel scheint Programm. Denn während früher die Revoluzzer gegen das Establishment Jeans und lange Haare trugen, tragen sie heute Krawatte und maßgeschneiderte Anzüge. Die selbst ernannten Führer der Arbeiterklasse sind Multimilliardäre und heißen Peter Thiel, Paypal-Mitgründer Elon Musk, umtriebiger Allround-Unternehmer, Robert Bigelow, Hotelketteneigentümer, und noch ein gutes Dutzend weitere Superreiche. Sie treten ein für weniger Steuern und weniger Sozialausgaben, für die radikale Abwehr und Vertreibung von Flüchtlingen aus der südlichen Hemisphäre. Was sie nicht wünschen, sind staatliche Eingriffe und Regulierungen ihrer Geschäfte. Das allerdings haben sie mit dem anarchistischen Zweig der Arbeiterbewegung gemeinsam.

Lesetipp

Anne Weber: Bannmeilen

Sabine Reinecke von Bücher Bender in Mannheim empfiehlt Anne Webers „Bannmeilen“, einen Spaziergang durch die Pariser Banlieues. Anne Weber ist in Deutschland geboren und lebt seit vierzig Jahren in Paris. Die Banlieues hatte sie bisher noch nie besucht, bis ein Freund, der Filmemacher Thierry, sie auffordert, ihn für ein Filmprojekt dorthin zu begleiten. Das Departement 93, das sie besuchen, gilt als sozialer Brennpunkt, es ist unter anderem Austragungsort der Olympischen Spiele. Sie blicken auf Autobahnen, Sozialbauten, beobachten Konfrontationen der Bewohner mit der Polizei, lauschen Warnungen der Drogendealer, stoßen aber auch auf das Haus, in dem Uderzo seinen Asterix erfand. Für Anne Weber öffnet sich eine Welt, die sie jahrelang ausgeblendet hat. Ihre Erfahrungen, Reflexionen, Beobachtungen und Gespräche ergänzt sie mit Fiktion und Recherche. „Mich hat das sehr informative und kritische Buch begeistert“, schwärmt Sabine Reinecke. „Es ist als Erzählung, Reportage und Selbstbefragung eine hochaktuelle Ergänzung zur Berichterstattung von den Olympischen Spielen in Paris.“

Bestsellerlisten

Buchladen Gartenstadt

1. Elke Heidenreich: Altern
2. Alexandra Beilharz: Ludwigshafen am Rhein. Eine unterschätzte Stadt
3. Caroline Wahl: 22 Bahnen
4. Jean-Luc Bannalec: Bretonische Sehnsucht
5. Pierre Martin: Madame le Commissaire und das geheime Dossier

Leseecke Oppau

1. Chris Carter: Der Totenarzt
2. Elke Heidenreich: Altern
3. Linda Castillo: Zorniges Herz
4. Andreas Winkelmann: Hast du Zeit?
5. Jean-Luc Bannalec: Bretonische Sehnsucht

Thalia in der Rheingalerie

1. H. D. Carlton: Haunting Adeline
2. Freida McFadden: Sie kann dich hören
3. Elke Heidenreich: Altern
4. Jean-Luc Bannalec: Bretonische Sehnsucht
5. H. D. Carlton: Hunting Adeline

Buchhandlung Frank

1. Elke Heidenreich: Altern
2. Jean-Luc Bannalec: Bretonische Sehnsucht
3. Sarah A. Parker: When the Moon Hatched.
4. Saša Stanisic: Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne
5. Karen Sander: Der Sturm – Vernichtet

Bücher Bender, Mannheim

1. Elke Heidenreich: Altern
2. Jean-Luc Bannalec: Bretonische Sehnsucht
3. Saša Stanisic: Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne
4. Caroline Wahl: Windstärke 17
5. Jenny Erpenbeck: Kairos

Thalia auf den Planken

1. Caroline Wahl: 22 Bahnen
2. Elke Heidenreich: Altern
3. Jean-Luc Bannalec: Bretonische Sehnsucht
4. Lauren Roberts: Reckless
5. Ken Mogi: Ikigai. Die japanische Lebenskunst

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