Mannheim
Besser ist nur ein Besuch im Jazz-Club Ella & Louis: Neue CD „Thomas Siffling’s Jazz“
Aus dem Stand in einem super Groove geht es los, Siffling selbst zählt ein und das Publikum zieht sofort gleich mit und klatscht – natürlich auf die Zwei und Vier der Takte, wie sich das im Jazz gehört. Die Combo vereinigt erfahrene Jazzer aus der Region; die Stücke hat Siffling alle selbst geschrieben. Und er ist ja dafür bekannt, mit seiner Musik das Publikum in Bewegung zu bringen und direkt anzusprechen. Die Musiker an seiner Seite machen das auch gerne mit: Garant für guten Groove ist am Schlagzeug Erwin Ditzner. Der ist inzwischen bekannt für freies Spiel und gewagte Improvisationen. Hier aber dient er aus vollem Herzen den Grooves. Ob Soul, Hardbop oder Latin, der Ludwigshafener Drummer hat es einfach drauf.
Knisternde Energie
Rosanna Zacharias am Bass hat klassischen Kontrabass studiert und sich dann dem Jazz gewidmet, erst in New York, dann in Mannheim und schließlich mit einem Stipendium in Berklee, der berühmten Kaderschmiede des Jazz. Sie groovt zusammen mit dem Schlagzeug, und die beiden sorgen für knisternde Energie. Gitarrist Heiko Duffner kommt vom Blues und hat dann Jazzgitarre in Mannheim studiert. Seine musikalischen Wurzeln hört man besonders deutlich bei „Blues in the Morning“. Pianist Konrad Hinsken ist als Pianist und Arrangeur bekannt und spielt hier E-Piano und Klavier und bringt nicht nur schöne Sounds, sondern auch glänzende Soli. Zweiter Bläser neben Siffling ist sein alter Freund und musikalischer Weggefährte Olaf Schönborn. Der spielt nicht nur sein Altsaxophon, sondern auch Bariton und Bassklarinette. Präzise im Satz und virtuos als Solist ist Schönborn bestens präsent.
Lässige Virtuosität
Thomas Siffling selbst spielt Trompete und Flügelhorn und hat dabei viele Sounds und Register. Ein Markenzeichen sind seine eleganten Linien. Die kommen besonders schön zur Geltung bei den etwas ruhigeren Stücken, bei denen er mit wunderbar weichem Ton auf dem Flügelhorn spielt. Aber auch die spritzigeren Stücke auf der Trompete klingen gut, und da zeigt er eine lässige Virtuosität. Die Stücke hat er alle selbst geschrieben. Es gibt viel Abwechslung auf diesem Album. Das zu hören macht großen Spaß.
Ein bisschen psychedelischer Rock
Nach dem souligen Einstieg mit „Sunday Afternoon“ geht es weiter mit astreinem Latin und „Cuban Hang“, bei dem Ditzner mit Sticks seine Bongos spielt und Siffling mit gestopfter Trompete einsteigt. Nach einem weiteren Groove-Stück kommt dann mit „Erinnerung“ eine Verschnaufpause mit einem schönen akustischen Klavier-Intro. Neben kompakten fetzigen Themen gibt es auch mal Ruhe und viel Freiraum, wie etwa bei „In Liebe“, das mit einem Dialog von Flügelhorn und Kontrabass beginnt. Dann wird wieder richtig Gas gegeben mit „Heavy Soundscapes“, das mit einem angezerrten E-Piano und einer E-Gitarre mit viel Hall und Echo sogar ein bisschen psychedelisch rockt. Auf dem ganzen Album sind neun Titel. In jedem Stück gibt es Platz für Improvisationen; jedes Stück klingt anders. Alles zusammen sind das 52 abwechslungsreiche Minuten. Noch besser ist nur ein Besuch im Club.
Die CD
Thomas Siffling's Jazz – Live at the Ella & Louis erscheint heute (13. September) bei JAZZNART Records. Die CD gibt es überall im Handel; die Musik erscheint auch auf den einschlägigen Streaming-Plattformen.