Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Benefizausstellung des Lions Clubs im Kunsthaus

Fabienne Marquardts „When the lights go quiet“ (links), und „Wine and Dine“.
Fabienne Marquardts »When the lights go quiet« (links), und »Wine and Dine«.

Die aktuelle Benefizausstellung im Kunsthaus bietet jungen Künstlern ein Podium und die Chance auf den erstmals ausgelobten Lions Jugendkunstpreis.

Zwölf junge Menschen im Alter zwischen 15 Jahren bis Anfang 20 zeigen einen kleinen Ausschnitt aus ihrem künstlerischen Schaffen. Dem kreativen Gestalten widmen sich die meisten von ihnen seit dem Kindes- und Jugendalter. Insgesamt ist Kuratorin Uschi Freymeyer eine sehenswerte, vielfältige Ausstellung gelungen. Zu sehen sind Zeichnungen, Aquarell- und Acrylmalerei, Plastiken und Mode – realistisch, naturnah, surreal, abstrakt, extravagant.

Die jüngste Künstlerin ist die Schülerin Jamila Juni Nawra. Ihre gezeichneten Frauenporträts auf liniertem Collegeblockpapier sollen „echte Charaktere mit Makeln und Kanten“ darstellen. Wie „Lis“ – ihr Blick wirkt starr, entsetzt, auf der linken Wange ein Heftpflaster. Geschichten erzählen auch Melanie Sachers realistisch gearbeitete Aquarellporträts – augenscheinlich selbstbewusste, starke Frauen. Frauen setzt auch Rebecca Gräf in Szene.

Fisch mit einem Glas Wein

Aktualitätsbezug hat Fotini Filo Stratakis Acrylporträt „Die Scham muss die Seite wechseln“ – dynamisch, fast aggressiv wirken die Striche in blutrot, angstweiß und trauerschwarz. Unter „Nein heißt Nein“ schreibt die junge Künstlerin „Erzieht eure Söhne“. Ein Thema, das die Soroptimisten und Uschi Freymeyer einst in einem Workshop mit Grundschülerinnen im Alter von neun und zehn Jahren aufgriffen und diskutierten, „was ein Mann darf – und was nicht“.

Humorvoll ist Fabienne Marquardts Zeichnung „Wine and Dine“ – der Fisch mit einem Glas Wein. Lena Birkenmeier zeichnet mit Kohle sorgfältige Studien wie die Rückenansicht „The Man“ oder abstrahierte Fragmente, die beim Betrachter im Kopf spannende Bilder assoziieren von Kämpfern und Tänzern. Sehr realistisch wirkt Milena Walisers Gepard als Kopf und Pfote. Von Meerestieren ist Denise Hutmacher angetan, ihre Motive sind exotische Fische und Quallen.

Malen auf Stoff

Der Frankenthaler Leonard Hoepke hat als Modedesigner Anerkennung eingeheimst. Und malt auf seinem Material. Stoff, genauer weiße Spitze bildet den Abschluss, darunter weitere, mit schwarzer Acrylfarbe bemalte Schichten ebenfalls textiler Untergründe. Es sind Frauenporträts, in „Midnight Angel“ ist es zwischen himmelstürmenden Kathedralen der Ausschnitt einer angedeuteten Figur, stark, mächtig, die Arme wie Schwingen ausgestreckt. Apropos Engel, Luca Hörers Plastik „Wir können nicht gewinnen“ – ein Gipstorso auf Draht mit Kupferflügeln – erinnert an einen Engel, allerdings einen mit Fehlern: große Löcher klaffen an Brust und Bauch. Nichts ist perfekt, will Hörer damit sagen.

Patrick Jörns alias Yoronzu stellt maximal 30 Zentimeter hohe Figuren szenisch dar. Sie erinnern an Filmungeheuer und -helden. „Innere Wahrheiten“ ist bekleidet mit Buchseiten, aus dem Bauch heraus sprießen Papierrollen, die Namen von Krankheiten tragen. Fantastisch, surreal ist Max Kühborths „Blossom“: Florale Formen, markante Gebäude, knorrige Baumstämme, ein Fisch, eine Muttergottesstatue und im Zentrum des Sonnengeflechts, der Baumitte im Yoga, ein Buddhakopf. Ein Sammelsurium an Andeutungen, sehr fein ausgearbeitet mit Tinte und Aquarellfarben. Max Kühborth lässt sich übrigens an einer Staffelei im Laufe der Ausstellung bei der Arbeit an einem Porträt über die Schulter schauen.

Leviathan erinnert an Wassertropfen

Auch drei erfahrene Profis sind dabei: Die Juristin Ruth-Ellen Schaeffer etwa mit dem abstrahierten, expressiven Porträt „Identitätssuche“ – die rechte Gesichtshälfte ist ein ocker-goldfarbener Schatten. „Abstract Artist“ firmiert Tim Burger. Inspiration, erklärt er, finde er in der Natur, in Feuer, Wasser, Pflanzenstrukturen. Die schlanken Formen in „Leviathan“ erinnern tatsächlich an Wassertropfen, tänzelnd in der Schwerelosigkeit, und ein, entsprechend dem Titel, sich schlängelndes Urungeheuer. Auch die Kuratorin, Uschi Freymeyer, ist vertreten. Ihre Arbeiten sind eine Ode an die Farbe, leuchtend und stark. Wie die vielseitige Künstlerin selbst. Die sich auch seit vielen Jahren für junge Künstler einsetzt und engagiert – wie bei dieser wirklich tollen Ausstellung

Termin

Die Ausstellung ist bis 29. März im Kunsthaus Frankenthal, Mina-Karcher-Platz 42a, Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 12.30 bis 16.30 Uhr zu sehen. Die Finissage mit Verleihung des Lions-Jugendkunstpreises ist am 29. März.

Tim Burgers „Leviathan“.
Tim Burgers »Leviathan«.
Das Projekt „Starke Mädchen“ von Uschi Freymeyer und den Soroptimisten.
Das Projekt »Starke Mädchen« von Uschi Freymeyer und den Soroptimisten.
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