Ludwigshafen
Ben Matschke, der „Kloppo des Handballs“
Einer, der den Spieler und Trainer mit dem Gardemaß 1,89 Meter jahrelang eng begleitet hat, ist Horst Konzok, RHEINPFALZ-Ressortleiter Sport von 1994 bis Ende März 2020. „Ben Matschke ist für mich der Kloppo des Handballs“, zieht Konzok Parallelen zum 54-jährigen Fußball-Coach des FC Liverpool, Jürgen Klopp. „Der ist mit Mainz mal abgestiegen, ist ein Top-Trainer und trainiert seit 2008 auch Top-Mannschaften. Ben hat die Eulen professionalisiert und sie bundesliga-tauglich gemacht. Er ist ein Spielerversteher, ein Bessermacher“, verteilt Konzok weitere Komplimente. Matschke, der seine aktive Laufbahn 2012 nach zwei Kreuzbandrissen früh beenden musste, sei das Gesicht der Eulen gewesen, ein außergewöhnlicher Coach und ein überragender Mensch. „Er war ein guter Spieler, er ist ein Top-Trainer. Wetzlar ist eine Zwischenstation auf seinem Weg zu einer Top-Adresse der Bundesliga. Es war mir eine Ehre, in seinem letzten Eulen-Jahr für ihn als Pressesprecher zu arbeiten“, bilanziert Konzok.
Der nächste Schritt führt ihn nach Wetzlar
Tatsächlich verstand es Matschke, aus wenig viel zu machen, aus einem Underdog ein bundesweit beachtetes Team, das sich trotz finanziell begrenzter Möglichkeiten vier Jahre lang in der Bundesliga festbiss, Über-Mannschaften wie die Rhein-Neckar Löwen oder Flensburg bezwang, in den finalen Spieltagen immer wieder die Kohlen aus dem Feuer holte, für unvergessliche Gänsehautmomente sorgte.
Der zuletzt besiegelte Abstieg nach einer herausragenden Rückrunde trübt die Gesamtbilanz des Trainers kaum. Nun macht er den logischen nächsten Schritt auf der Karriereleiter und wechselt nach Mittelhessen zur HSG Wetzlar.
Plädoyer für eine Multifunktionshalle
Seine Rolle als ein Sympathieträger und Botschafter der Stadt war ihm durchaus bewusst. „Mir war klar, dass das, was ich sage, was ich rüberbringe, ob in der Kabine oder davor, eine gewisse Bedeutung hat in der Außenwirkung und für die Entwicklung des Vereins“, meint der 38-Jährige. „Aber dass ich jetzt durch die Stadt gelaufen bin, nach dem Motto, ich bin hier die Ober-Eule, das war sicher nie der Fall.“
„Ich glaube, dass den Eulen Ludwigshafen mit einer neuen Multifunktionshalle als Heimspielstätte schon geholfen wäre, weil man den Verein damit ganz anders vermarkten könnte“, bezieht Matschke Position zur Debatte über die Eberthalle – altehrwürdig, aber eben auch ein Sanierungsfall mit einer für Bundesliga-Verhältnisse knapp bemessenen Zuschauerkapazität von 2250. „Eine moderne Halle ist Bedingung für eine Langlebigkeit in der Bundesliga“, betont Matschke.
Seine Beziehung zu Ludwigshafen ist auch familiär bedingt emotional: „Meine Tochter ist hier geboren, ich habe hier drei, vier Jahre mit meiner Frau gewohnt. Das war und ist für mich definitiv auch ein Stück Heimat. Auch Ludwigshafen hat schöne Ecken. Wir waren oft am Rhein, im Ebertpark oder mit unserem Hund am Willersinn spazieren. Ein Innenstadt-Typ bin ich sowieso nicht.“
Mehr Identität in allen Stadtteilen
An die Stadt und ihre Bewohner gewandt, formuliert Matschke zum Abschied einen Herzenswunsch: „Es war natürlich schon schön, wenn man die Identität zu den Eulen in allen Stadtteilen spüren würde. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das überall der Fall ist, dass da eine Symbiose entstehen könnte. Auch wenn der Verein sicher ein Aushängeschild für ganz Ludwigshafen ist. Das könnte man weiterentwickeln.“
Im mit knapp 53.000 Einwohnern weitaus beschaulicheren Wetzlar, einer handballverrückten Hochburg, sei die Situation in dieser Beziehung vollkommen anders. Das hat Matschke bereits mitbekommen. „Wenn du da mit dem Auto vorbei am Ortsschild rein fährst, erkennt dich jeder.“