Ludwigshafen Beatles, Bratwürste und ein Baustopp
Die Leidenschaft für die Beatles ist bei Hans Adam und Derek Cowie auf den ersten Blick zu erkennen: Der Maxdorfer und der Schotte tragen Beatles-T-Shirts. Sie haben gerade mit ihren Frauen einen Kaffee im „Alex“ getrunken und schlendern am RHEINPFALZ-Stand vorbei, um eine besondere Geschichte zu erzählen. Hans Adam lernte Derek Cowie bei einem Griechenland-Urlaub vor 17 Jahren kennen. Adam (63) ist Schlagzeuger der hiesigen Oldie-Band „Good Times“ und auch Cowie (71) spielt seit Urzeiten in Bands in Großbritannien. Der Schotte hatte seine Gitarre dabei, der Maxdorfer ein paar Drumsticks und beide spielten spontan in einer Session zusammen. Seitdem sind die Musiker Freunde und besuchen sich gegenseitig. Cowie spielte in den 1970/80ern in „Working Bands“ – Musikgruppen, die aus der englischen Stahlarbeiterstadt Corby stammten. Später hat er für die schottische Fußballnationalmannschaft den WM-Song „Braveheart“ geschrieben: Doch das Team kam bei der Weltmeisterschaft 1998 nicht über die Vorrunde hinaus. Ob er als Schotte diesmal den Engländern die Daumen gedrückt hat? Cowie lacht und sagt: „Ja, dieses Mal schon.“ Er hat in eine musikalische Familie eingeheiratet: Seine Frau Catherine ist Irin und ihre Cousine Dana hat im Alter von 18 Jahren den Eurovision Song Contest für Irland gewonnen. Musik spielt auch beim Pfalz-Besuch eine Rolle. Hans Adam spielte gestern Abend mit den „Good Times“ auf dem Freinsheimer Stadtmauerfest und heute Abend geht’s noch einmal in Bad Dürkheim beim Weingut Jüllich (ab 19 Uhr) auf die Bühne. „Das ist eine exzellente Sixties-Band, wahrscheinlich die beste in Deutschland“, lobt Derek seinen Freund. Dann müssen die beiden Musiker mit ihren Frauen weiter. Beim nächsten Gast am Redaktionsstand geht’s um die Wurst – und das im wahrsten Sinne. Benjamin Jaschinski ist gelernter Metzger, 20 Jahre alt und mit einem Wurstangebot neuerdings auf den Ludwigshafener Wochenmärkten unterwegs. Auch er kommt aus Maxdorf. Zusammen mit seinem Vater hat er einen Transporter zum rollenden Metzgerladen umgebaut. Im Februar hat er sich selbstständig gemacht. „Ich komme gut klar“, sagt der junge Mann, der die Wurstwaren bei seinem Meister im Hemshof produziert. Seine Spezialität sind Bratwürste. Lesermarktbeauftragter Thomas Busse kauft ihm gleich mal welche ab, um das zu testen. Marktmeister Friedrich Bauer ist froh, Nachwuchs bei den Standbetreibern gefunden zu haben. Keine Wurst aber Zwetschgen hat Rudolf Kerber gekauft. Er kommt zweimal die Woche auf den Markt in der Stadtmitte. „Da weiß man, dass das Gemüse frisch ist“, sagt der 78-Jährige, der als gelernter Schmied bis zu seiner Pensionierung bei der Firma Engelsmann in West gearbeitet hat. Kerber blickt in Richtung „Metropol“-Baustelle und schüttelt den Kopf. „Dieses Loch ist ein Betrug an unserer Stadt“, sagt er zum Hochhaus-Projekt des Privatinvestors Günther Tetzner, das seit über eineinhalb Jahren auf Eis liegt. „Ich glaube nicht mehr, dass der Investor dort noch was baut. Das ist eine Sauerei.“ Er regt an, dass der Neubau am alten C&A-Standort mit einem neuen Gebäude auf dem Berliner Platz über einen verglasten Steg optisch verbunden werden sollte. Dass sich auf der „Metropol“-Baustelle nichts tut, bestätigt Helmut Koch, der von seiner Wohnung im Mosch-Hochhaus einen perfekten Blick auf den Berliner Platz hat. Den ausbleibenden Fortschritt auf der Baustelle hält er in monatlichen Fotos fest. „Ein einziges Mal habe ich dort Menschen gesehen“, berichtet der 71-Jährige. „Rettungssanitäter, die dort während des Stadtfests stehen durften.“ Koch hat aber auch etwas Positives. Er sei zwar kein Fan von der neuen Oberbürgermeisterin, sagt er, aber er hat den Eindruck, dass es auf dem Wagner-Platz in den vergangenen Monaten sauberer geworden ist. Pflaumen hat Barbara Teschendorf-Mindach gekauft. Die Rentnerin ärgert sich über viele ungepflegte Ecken in der City. „Mich stört der Dreck“, sagt sie und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie Inge Schulz. Die wohnt in der Heinigstraße, gleich hinter der Agentur für Arbeit und ärgert sich über die zunehmende Verschmutzung in ihrem Wohnumfeld: Essensreste, ausgediente Klamotten, Hundekot, Ratten. Die vielen Falschparker vor ihrer Haustür setzten dem Ganzen die Krone auf, findet sie. Immerhin: Teschendorf-Mindach versöhnt das Kultursommerprogramm wieder mit der Stadt. Farbschmiererein in der Südlichen Innenstadt wiederum stören Kurt Deigentasch (71). Der Vize-Präsident des Karnevalvereins Rheinschanze ist sauer, dass Graffiti auf der Schneckennudelbrücke nicht entfernt werden. Deigentasch fühlt sich als Mitnamensgeber für den Steg über den Luitpoldhafen in der Pflicht, etwas dagegen zu unternehmen. Doch die Zuständigkeit werde von Stelle zu Stelle weitergeschoben. Er hat einen praktischen Vorschlag: „Wie wäre es, wenn Maler-Lehrlinge als Zwischenprüfung solche Schmierereien entfernen und überstreichen würden?“ Und dann schaut auch noch Winfried Holfelder (71) aus Friesenheim vorbei, der die Unhöflichkeit und Rücksichtslosigkeit der Leute kritisiert. In der Stadt werde überall unachtsam Abfall weggeworfen und im Rathaus-Center habe er einen Hundehalter beobachtet, der seinen Vierbeiner vor ein Geschäft machen und den Haufen liegen ließ. „Das geht doch nicht. In Pirmasens gäbe es dafür ein Strafe von 50 Euro.“