Ludwigshafen BASF: Suckale wird ausgebuht
Einige Hundert BASF-Mitarbeiter haben gestern Mittag gegen Ausgliederungspläne des Unternehmens protestiert. Zuvor war bekanntgeworden, dass der Chemiekonzern das Pigmentgeschäft eigenständigen Gesellschaften überlassen will. Denn die Herausforderungen in dieser Sparte seien so besser zu meistern.
Nach der Kundgebung erwidert einer der Teilnehmer auf die Frage, ob er nun ein besseres Gefühl habe als vorher: „Wissen Sie, eben wurde viel geredet, aber nichts gesagt.“ Dann sagt der Mittfünfziger noch: „Zuvor haben sie auch nichts gesagt, sind vielen Fragen ausgewichen.“ Zuvor – das war bei einer Versammlung im Vorfeld, bei der die knapp 800 Betroffenen in die Umstrukturierungspläne ihres Arbeitgebers BASF eingeweiht wurden. Kurzfristig ist für 13 Uhr eine Kundgebung nahe Tor 2 anberaumt worden: vor dem neuen siebengeschossigen Bürogebäude, in dem der Aufsichtsrat tagt und die Auslagerung beschlossen hat. Dem ersten Gebäude, das laut BASF-Webseite seit 1987 hier gebaut wurde und das daher „ein weiterer Beleg“ dafür sei, dass am Standort investiert werde. Weniger euphorisch-optimistisch, aber aufgeheizt ist die Stimmung unter den Protestierenden vor dem Komplex. Betriebsratschef Robert Oswald begrüßt mit kämpferischer Stimme von einem kleinen Podest aus die mit Trillerpfeifen, Gewerkschaftsfahnen und roten Schirmmützen ausgestatteten Arbeitnehmer. Die spenden in der prallen Sonne lautstarken Beifall, als er versichert, dass er die Sorgen verstehe, die „ihr euch um euren Arbeitsplatz macht“, und als er gleichzeitig sagt, dass „wir uns vor euch stellen“. Die BASF habe den Anspruch, „bester Arbeitgeber zu sein“ (Buhrufe, Trillerpfeifen), fährt der Betriebsratschef fort. Nun gelte es, eben dies auch „wahrzumachen“. Der Chemiekonzern wird ab Januar 2016 eigenen Angaben zufolge „alle Pigmentaktivitäten“ in einer neuen globalen Geschäftseinheit zusammenfassen. Der Sitz werde „voraussichtlich im Umkreis von Ludwigshafen“ sein. In einer Presseerklärung heißt es, dass „alle Mitarbeiter, die dem Pigmentgeschäft zuzuordnen sind“, der neuen Geschäftseinheit angehören werden. Wegen der Ausgliederungspläne hat die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) kurz nach Bekanntwerden des Vorhabens eine Protestkundgebung veranstaltet, an der, so die Gewerkschaft „über 600 Mitarbeiter“ teilnahmen. Der Leiter des IG BCE-Bezirks Ludwigshafen, Roland Strasser, erklärt, dass seine Gewerkschaft auf die Entscheidung zwar „keinen Einfluss“ habe. „Doch wir werden unsere Mitglieder nicht im Regen stehen lassen.“ Robert Oswalds Rede ist kurz. Es sei schon vernünftig, das Pigmentgeschäft neu zu strukturieren, räumt er ein. Doch was komme dann? Welche Sicherheiten würden gegeben? Der Vertreter der Arbeitnehmerinteressen schließt mit dem Versprechen: „Ihr seid nicht allein!“ Betriebsrat und IG BCE würden mit dem Management über eine „stabile Entwicklung“ verhandeln. Arbeitsdirektorin und Vorstandsmitglied Margret Suckale wird ausgebuht, als sie sagt, die Chefetage habe Verständnis, dass „Sie aus einer Veranstaltung kommen, die Sie ein bisschen aufgewühlt“ hat. Doch es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Denn „zunächst machen wir eine organisatorische Umgestaltung“. Und sie versichert, dass in der Vorstandsebene keine weitere Entscheidung gefallen sei, die über die Gründung einer globalen Geschäftseinheit hinausgehe. Michael Vassiliadis, Aufsichtsratsmitglied und IG BCE-Vorsitzender, greift die aktuelle Wirtschaftslage auf: „Niemand bestreitet, dass die Geschäfte schwierig sind.“ Doch bei der geplanten Ausgliederung gehe es nicht um „herausschneiden und verkaufen“, sondern darum, den Betroffenen Hoffnung zu machen. Mit Blick auf Löhne und sichere Jobs gibt sich auch der 51-Jährige kämpferisch: „Niemand darf etwas verlieren“, jeder solle eine sichere Zukunft haben.