Ludwigshafen BASF schließt weitere Produktionsanlagen: 180 Mitarbeiter betroffen
Die BASF schließt weitere Produktionsanlagen in ihrem Stammwerk in Ludwigshafen. Wie der Chemiekonzern am Donnerstagnachmittag weiter mitteilte, seien von den Schließungen rund 180 Mitarbeiter betroffen. Die BASF werde die betroffenen Mitarbeitenden bei der Suche nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb der BASF-Gruppe unterstützen, hieß es in einer Mitteilung.
„Die Maßnahmen zielen auf Verbesserung der Profitabilität des Standorts Ludwigshafen“, hieß es zur Begründung. Im Stammwerk könnten bestimmte Produktionsanlagen wegen der veränderten Marktbedingungen – gemeint sind vor allem die höheren Energiepreise – im weltweiten Wettbewerb nicht mehr rentabel betrieben werden. Stattdessen sollen Produkte im Ausland kostengünstiger hergestellt werden. „Diese Schließungen sind Teil der Entwicklung eines langfristigen Zielbildes für die Transformation des Standorts Ludwigshafen“, so Katja Scharpwinkel, Mitglied des Vorstands, BASF-Arbeitsdirektorin und Leiterin des Standorts Ludwigshafen. „Wir unterstützen die betroffenen Kolleginnen und Kollegen dabei, schnell neue Perspektiven in der BASF zu finden.“
Zu hohe Energiepreise
Konkret von den Schließungen betroffen sind die Anlagen für Cyclododecanon (CDon, einem Vorprodukt eines Hochleistungskunststoffes) sowie Cyclopentanon (CPon, ein Baustein für die Synthese von Pflanzenschutzmitteln und pharmazeutischen Wirkstoffen, der auch als Lösungsmittel bei der Herstellung von Halbleitern und als Vorprodukt für die Herstellung spezieller Duftstoffe verwendet wird) sowie Adipinsäure (kommt bei der Herstellung von Polyamiden, Polyurethanen, Beschichtungen und Klebstoffen zum Einsatz).
„Die BASF unternimmt diesen Schritt, um die Profitabilität der gesamten Wertschöpfungskette des Verbunds zu sichern“, sagte Vorstandsmitglied Stephan Kothrade in der Mitteilung. Die Produktionsstrukturen würden an die veränderten Marktbedingungen angepasst. Die Anlagen für CDon und CPon werden demnach in der ersten Hälfte 2025 stillgelegt, die verbleibende Adipinsäureproduktion in Ludwigshafen wird im Laufe des Jahres 2025 geschlossen. „Wir werden weiterhin Adipinsäure in Onsan, Südkorea, sowie in unserem Joint Venture in Chalampé, Frankreich, produzieren“, so Kothrade.
Mehrere Sparprogramme
Mitte Juli hatte der Werkleiter des BASF-Stammwerks, Uwe Liebelt, vom Bund eine stärkere Entlastung der Industrie bei den Energiepreisen gefordert. Die BASF habe zwei Dutzend Anlagen und Fabriken stillgelegt, weil sie nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben seien. „Wir zahlen das Dreifache für Gas und sind dadurch gegenüber den USA und China nicht mehr wettbewerbsfähig“, sagte Liebelt beim Wirtschaftsforum der Industrie- und Handelskammer Metropolregion Rhein-Neckar. Langfristig strebt die BASF eine klimaneutrale Produktion in Ludwigshafen bis 2050 an und plant dafür eine Umwandlung des Standorts. Für das Stammwerk wird derzeit ein neues „Zielbild“ entwickelt, das noch in diesem Jahr vorgelegt werden soll. Die Eckpunkte dabei sind laut Konzernspitze: Ludwigshafen bleibe der größte und am stärksten integrierte Standort der BASF weltweit. Deshalb müsse er auch profitabel werden, was er derzeit nicht sei. Ludwigshafen müsse Kernelement der Transformation zur Klimaneutralität sein. Der Standort werde vor allem Europa versorgen.
Die BASF hatte im Februar 2023 „ambitionierte“ Sparmaßnahmen in Europa angekündigt, zu denen auch ein Personalabbau und Anlagenschließungen am Standort Ludwigshafen gehören. Unterm Strich sollten dadurch 2600 Stellen ersatzlos gestrichen werden. Auf Ludwigshafen entfallen davon 1800. Zudem kündigte der Konzern die Stillegung von Anlagenkomplexen im Stammwerk an, deren Betrieb nicht mehr aussichtsreich erscheint. Betroffen davon sind weitere rund 700 Mitarbeiter, für die aber eine andere Beschäftigung gefunden werden sollte. Eine Standortvereinbarung für das Stammwerk schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 aus.