Ludwigshafen Barock-Musik vor Barock-Kulisse

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Das 1730 erbaute Hallbergsche Schloss in Fußgönheim bietet einmal im Jahr die reizvolle Kulisse für ein Konzert mit Barockmusik. Diesmal gastierte mit dem Münchner Barockorchester L’Arpa festante eines der traditionsreichsten Ensembles für Historische Aufführungspraxis im Schlossgarten. Die Stücke waren weniger bekannt, ihre Aufführung war auf höchstem Niveau.

Eine Stunde früher, als ursprünglich geplant, begann das Konzert. Bis zum Viertelfinale zwischen Deutschland und Italien wollte man fertig sein aus Rücksicht auf die Fußballfans im Publikum und natürlich auch auf dem Podium. Ein Hauch von EM lag auch über dem Programm, waren doch bei den sechs vorgestellten Komponisten fünf Nationalitäten vertreten. Überhaupt verwies das Programm auf das Völkerverbindende der Musik. In einer Zeit, in der Europa die nationalen Interessen zunahmen, bot die Musik des Barock ein sehr einheitliches Bild. Der Tonfall einer italienischen Sonate, einer deutschen Orchestersuite oder eines englischen Concerto grosso unterscheiden sich wenig, national identifizierbare Elemente sind nicht zu finden. Zu Beginn ein Mitglied der großen Familie Bach mit der von einem elegischen Ton geprägten, aber nicht ohne Längen ablaufenden Orchestersuite Nr. 3 e-Moll von Johann Bernhard Bach, dem zehn Jahre älteren Cousin des großen Johann Sebastian. Ein hochgebildeter Mann, Diplomat und beachtlicher Komponist war der niederländische Graf Unico Wilhelm van Wassenaer. Sein Concerto armonico für Streicher und Basso continuo G-Dur verrät höchste Kunstfertigkeit und Originalität und ist mit seinen überraschenden harmonischen Wendungen ein spannendes Stück. Der erste Satz der Sonate Nr. 1 G-Dur des Italieners Domenico Gallo mochte manchem bekannt vorgekommen sein. Igor Strawinsky hat die prägnante Musik für den Beginn seines neobarocken Balletts „Pulcinella“ verwendet. Die beiden weiteren Sätze der Sonate sind nicht so plastisch, vermochten aber gleichfalls zu überzeugen. Solist des Abends war der orchestereigene Trompeter Krisztian Kovats. Er spielte auf der Barocktrompete. DAbei handelt sich nicht um die häufig anzutreffende kleine Bachtrompete, sondern ein wirkliches Barockinstrument, so lang wie eine Posaune und ohne Ventile. Ein äußerst schwer zu beherrschendes Instrument, da der Spieler die Töne nur mit der Lippenspannung erzeugen muss, aber Kovats zeigte sich als glänzender Instrumentalist, erst in einer frühbarocken Sonate des böhmischen Komponisten Pavel Josef Vejvanowski, dann in einem vorklassisch leicht und virtuos daherkommenden Concerto von Johann Georg Lang. Das unter Doppelführung des Konzertmeisters Christoph Hesse und des Cembalisten Rien Voskuilen spielende Orchester erwies sich als hoch qualifiziertes Spezialensemble, mit einem aufgrund der historischen Instrumente sehr farbenreichen Ton, mit beredter Phrasierung und Artikulation und einem geradezu griffigen Klangbild. Festzumachen war diese Qualität exemplarisch in der Klarheit der Fuga Allegro im abschließenden Concerto grosso e-Moll des Engländers William Boyce.

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