Altrip
Ausstellung „Meer und mehr“: Werke mit Seele
Auf den ersten Blick haben die Arbeiten eines Schreiners und Kunsthandwerkers und einer Galeristin, die als Künstlerin ihre Liebe zum Meer darstellt, wenig gemeinsam. Oder doch? Was die beiden Künstler eint, ist die Art und Weise des Sehens. „Wir zeigen nicht nur unseren Blick auf Dinge, die wir abbilden oder erschaffen. Zwar nehmen wir beide Details, Farben und Formen ähnlich wahr. Aber da ist mehr – was sich auch im Titel der Ausstellung widerspiegelt: In jedem unserer Werke offenbaren wir auch unser Inneres. Wir transportieren unsere Botschaften und Emotionen; sie sind ein Spiegel dessen, was wir während des Erschaffens fühlen. Und das gibt unseren Werken Seele“, erläutert Susanne Wolf-Kaschubowski.
Zunächst durchlaufen beide denselben Sensibilisierungsprozess für das, was kommt: Wolf-Kaschubowski, indem sie ihre Pinsel richtet, die Leinwand aufspannt, den Sand mischt und die Farben anrührt; Zähringer beim Bereitstellen von Säge, Hobel, Schnitzmesser, Raspel, Schleifpapier, Öl und dem Sich-Nähern an seinen Werkstoff. Das kann ein Baumstamm sein, aber auch ein anderes Objekt, das seinen Weg kreuzt. Diese achtsame Herangehensweise ist für den Betrachter spürbar. Und sie zeugt von Respekt des Künstlers sich selbst, aber auch dem Betrachter gegenüber. „Manche meiner Skulpturen tragen bewusst keine Titel. Das gibt den Betrachtern die Möglichkeit zur eigenen Interpretation, eigenen Gefühlen, ohne sie zu beeinflussen oder zu bevormunden“, sagt Zähringer. „Die Kunst ist das Bild des Menschen selbst. Das heißt, indem er mit der Kunst konfrontiert ist, ist er im Grunde mit sich selbst konfrontiert. Er öffnet sich dann selbst die Augen.“
Fast menschliche Kunstwerke
Marcus Zähringer, Jahrgang 1970, hat als Schreinergeselle in Ludwigshafen angefangen. Mittlerweile ist er Werklehrer und Künstler, stellt Skulpturen, aber auch Möbel und Wohnaccessoires aus Holz und anderen Materialien her. So nennt er sich als Künstler auch „De Sachemacher“. Dabei kommt er auf so ungewöhnliche Einfälle, wie einen Pflug mit einer Holzskulptur zu kombinieren. Zähringer sieht die Linien, die Farben, die Formensprache, die beides verbindet und als Kunstwerk zu einer Einheit werden lässt. Gleichzeitig zeigen seine Werke auch Spannungen, Brüche und Kontraste; sie sind fast menschlich. Seine Arbeiten laden den Betrachter ein, gewohntes Sehen abzulegen. Er zeigt einen Abstraktionsprozess, der das Objekt von seiner bisherigen Funktion löst und es allgemeingültig werden lässt.
Susanne Wolf-Kaschubowski zeigt Meerbilder. Dorthin, ans Meer, zieht es die Künstlerin immer wieder. Egal, ob zum Luftholen vom Alltag oder zum Nachdenken. Das Rauschen der Wellen, der Wind, die würzige Luft, der gleichmäßige Horizont – all das tue ihr gut, sagt sie. Und Meer und Sand sind zwei Elemente, die Wolf-Kaschubowski faszinieren und sie ihrem Inneren nahekommen lassen. „Meine Bilder haben immer einen biografischen Bezug. Sie sind ein Spiegel der Gegensätze in mir, wenn sich intensive Schaffensperioden mit Phasen der absoluten Ruhe abwechseln, in denen ich mich orientiere, positioniere und zentriere.“
Bilder aus verschiedenen Perspektiven
Dies dokumentieren die Gegensätze der Meerlandschaften: Stille Passagen, in denen der Horizont dominiert, wechseln mit gefüllten Bildern ab, in denen der Blick vom Meer aufs Ufer geht. So zeigt Wolf-Kaschubowski den Blick aufs Meer, der mit Strand, Wasser und Himmel Ruhe verleiht, als auch die Sicht vom Wasser aus auf das geschäftige Gestade. „Spannend wird es, wenn sich die äußeren Umstände ändern“, sagt sie. Denn wenn ein Sturm aufzieht, kehre sich das Ganze um: Das Meer wird aufgewühlt, Wolken eilen über den Himmel, während an Land „die Ruhe vor dem Sturm“ herrscht, die Vögel aufhören zu singen und alles sich in „den sicheren Hafen“, so auch der Titel eines ihrer Werke, zurückzieht.
Während die Bilder aus ein paar Metern Abstand ihre beste Wirkung beim Betrachter entfalten, laden Zähringers Holzwerke zum Anfassen, Streicheln und Befühlen ein. Von daher wird es einen spannenden Dialog zwischen den Arbeiten geben, die doch so vieles eint.
Die Schau
„Meer und mehr“ in der Galerie im Hof, Bezirkstraße 10, Altrip. Geöffnet donnerstags bis sonntags, 15 bis 18 Uhr, Vernissage am Samstag, 3. Juni, 15 Uhr, mit Buffet zugunsten der Welthungerhilfe; Finissage am 25. Juni.