Ludwigshafen Ausbaupaket für den Nahverkehr
Die Stadt soll Kredite aufnehmen, damit die Verkehrsbetriebe Ludwigshafen (VBL) und die Rheinhaardt-Bahn (RHB) Gleise erneuern, Haltestellen modernisieren und Bahnübergänge umbauen können. Der Löwenanteil – knapp 15,9 Millionen Euro – fließt in die Infrastruktur in Ludwigshafen. „Das betrifft unser eigenes Verkehrsnetz “, informierte Verkehrsdezernent Alexander Thewalt (parteilos). Weitere 700.000 Euro gehen an die RHB, die Bad Dürkheim mit Ludwigshafen und Mannheim verbindet. Die größten Projekte im Überblick:
Neue Auffahrt Adenauer-Brücke
Die Straßenbahn-Verbindung nach Mannheim über die Kurt-Schumacher-Brücke wird während des in den kommenden Jahren anstehenden Abrisses der Hochstraße Nord und des Rathaus-Centers zeitweise eingestellt. Der Linienverkehr wird über den Berliner Platz über die Konrad-Adenauer-Brücke nach Mannheim geführt. Um das Verkehrsaufkommen zu entzerren und im Falle einer Störung den Zusammenbruch des Liniennetzes zu verhindern, sollen die aus dem Süden der Stadt kommenden Straßenbahnen ein neue, eigene Auffahrt auf die Adenauer-Brücke bekommen. Dafür werden die Gleise von der Bleichstraße (Süd) künftig direkt auf die Brücke führen.
Gleiserneuerungen
In Ludwigshafen sollen teils über 40 Jahre alte Straßenbahngleise im Stadtgebiet sowie alte Weichen ersetzt werden, etwa am Friedenspark (Nord), in der Sternstraße (Friesenheim), am Wittelsbachplatz (Süd) oder in der Lorientallee (Mitte). Am Berliner Platz sind zudem noch neue Signalanlagen fällig.
Haltestellen
Das Fahrgastinformationssystem an Haltestellen soll ausgebaut werden. 20 neue elektronische Infotafeln sollen installiert werden. Weitere Haltestellen sollen einen barrierefreien Zugang in Busse und Bahnen bekommen.
Neue Fahrzeuge
Die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) will langfristig alle Busse auf einen emissionsfreien Antrieb umstellen. Das Verkehrsunternehmen der Städte Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg setzt dabei neben Elektrofahrzeugen auch auf Wasserstoff-Busse. Acht Stück werden angeschafft, um Erfahrungen mit dem Treibstoff zu machen. Der Bund fördert das Projekt mit rund 1,9 Millionen Euro. Dafür müssen Ladepunkte geschaffen und für 15 geplante E-Busse Trafostationen zum Aufladen gebaut werden. Am Ausbau dieser modernen Infrastruktur soll sich auch Ludwigshafen beteiligen.
Was die Politik sagt
David Guthier (SPD) begrüßte die Pläne ausdrücklich. So seien natürlich neue Gleise wichtig, aber ebenso bedeutsam seien Investitionen in Zukunftsprojekte. „Uns muss dabei klar sein: Das kann erst der Anfang für eine Verkehrswende sein“, sagte Guthier. Auch Peter Uebel (CDU) schloss sich dem an. Der Hauptausschuss stimmte daher einstimmig für das Finanzpaket. Hintergrund: Wegen der Dauerbaustellen beim Abriss der Hochstraße Nord und dem Bau der „City West“ entlang der ebenerdigen Ersatzstraße soll der Nahverkehr in Ludwigshafen attraktiver werden, um Pendler zum Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen zu bringen. Die VBL können diesen Ausbau finanziell nicht leisten.
Die ÖPNV-Finanzierung
Mit dem Zusammenschluss der Verkehrsbetriebe von Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg in die RNV im Jahr 2005 sind die VBL zum reinen Infrastrukturunternehmen geworden. Zwar bekommen die VBL von der RNV ein sogenanntes Trassengeld für die Überlassung des Schiennetzes. Doch da auch die RNV mit den Ticketeinnahmen nicht kostendeckend arbeitet und Verluste einfährt, beträgt das Trassengeld nur einen symbolischen Euro. Die Finanzierungslücke haben die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) viele Jahre ausgeglichen, denn die VBL sind eine Tochter der Stadtwerke. Doch diese Querfinanzierung ist mittlerweile versiegt, weil der Wettbewerb auf dem Energiemarkt immer härter geworden ist. Die Erlöse der Stadtwerke fließen daher nicht mehr in den Nahverkehr, um die eigene Existenz nicht zu gefährden.Die Folge: Die Stadt muss in die Bresche springen und die Kosten für Erhalt sowie Ausbau der Infrastruktur im Nahverkehr übernehmen. Der Stadtrat hat 2016 bereits beschlossen, über 20 Millionen in VBL-Infrastrukturprojekte zu investieren. Jetzt ist mit rund 16 Millionen ein weiteres Förderprogramm fällig.