Ludwigshafen Aus der Pfalz in die ganze Welt

Mit ihrer Band Die Wandermusikanten haben die Vanecek-Zwillinge aus Schneckenhausen eine alte Tradition aufgegriffen. Vor 150 Jahren zogen nämlich Wandermusikanten aus dem sogenannten Musikantenland der Westpfalz in die ganze Welt hinaus. Das passt zum interkulturellen Austausch, den der Creole Sommer fördern will. Zum Ende des ersten, in Limburgerhof stattfindenden Teils des Weltmusik-Festivals hat die Gruppe munter aufgespielt.
Im Stil einer Marching Band zogen Die Wandermusikanten über den Hof des Mehrgenerationenhauses in Limburgerhof. In der Scheune und mit einem zusätzlichen Zelt trotzten die Besucher dem Nieselregen. Frieren musste keiner, denn Die Wandermusikanten machten ordentlich Dampf. Nach und nach tanzten immer mehr Leute vor der Bühne unter dem Scheunendach. Ausgerechnet mit der pompösen Einleitung zu „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss ging es los, aber leicht und tanzend umgedeutet. Anschließend groovte Herbie Hancocks „Chameleon“. Zwischen beiden Stücken liegen etwa hundert Jahre Musikgeschichte, aber genau dieses unbefangene Herangehen war auch für die Wandermusikanten des 19. Jahrhunderts typisch. Was die Vaneceks und ihre Mitmusiker heute machen, steht ganz in der Tradition. Die Musiker aus dem Musikantenland spielten aktuelle „Hits“ ihrer Zeit ebenso wie beliebte klassische Werke. Alles passten sie an ihre Besetzungen an und vermischten Stile. Damals waren die Musiker aus der Nordwestpfalz Wirtschaftsflüchtlinge. Sie zogen in die Welt, weil in ihrer Heimat bittere Not herrschte. Anfangs in den Nachbarländern, später auch in England, den USA und, wie Bernhard Vanecek dem Publikum erzählte, sogar am Hof des Kaisers von China spielten Westpfälzer Musiker. Wie ihre Vorfahren bearbeiten die heutigen Wandermusikanten auch klassische Stücke: Tschaikowskis „Schwanensee“ hörte das Publikum als flotten Two-Step. Ragtime wie den „High Society Rag“ oder Bigband-Stücke wie Duke Ellingtons „Caravan“, ja selbst „Horch, was kommt von draußen ’rein“ gingen die Wandermusikanten spielerisch an. Bernhard Vanecek spielt ein amerikanisches Sousaphon, sein Bruder Roland die Posaune, die Perkussionisten Arne Moos und Thomas Hammer bringen die europäische Kleine Trommel ebenso mit wie die brasilianische Surdo, die beim Samba den Puls schlägt. Verbindungen nach Brasilien gab es damals wie heute. In Brasilien gibt es viele Westpfälzer und Hunsrücker, die dorthin ausgewandert sind, und eben auch Nachfahren von Wandermusikanten. Zu denen unterhält die Band Kontakte, und es hat auch schon wechselseitige Besuche gegeben. Da lag es nahe, dass die heutigen und hiesigen Wandermusikanten auch brasilianisches Flair einbringen: „Brasileira“ hieß eines ihrer Stücke, das fröhlich und flott die Zuhörer zum Tanzen brachte. Termin Der nächste Teil des Creole Sommers findet an der Konzertmuschel im Ludwigshafener Ebertpark statt. Dort geht es los am Freitag, 28. August, um 20 Uhr mit Cincinatela. Die georgische Band war Gewinner des Creole Weltmusik-Wettbewerbs im Jahr 2013. Im Anschluss an den Auftritt gibt es den Film „Sound of Heimat“ zu sehen. Das vollständige Programm steht im Internet unter www.Creole-Sommer.de