Ludwigshafen Auf Zeitreise

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Am Samstag ist Ludwigshafen Gastgeber eines Treffens der ganz besonderen Art gewesen: Zu ihrer Jahrestagung fanden sich Mitglieder der Regionalgruppe Süd der „Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren“ in der Stadt ein.

Auf dem Programm stand dabei auch ein Stadtrundgang. Die Ludwigshafener „Nachtwächterin“ und Stadtführerin Elke König nahm die Gäste und einige neugierige Bürger mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Bewaffnet mit langer Hellebarde, gewandet in Mantel und Schlapphut zogen einige der bärtigen, wild aussehenden Gestalten unweigerlich die Blicke der Passanten auf sich. Der 15-köpfige Haufen machte bei seinem Marsch durch die Fußgängerzone am Samstagmorgen besonders auf die jungen Ludwigshafener Eindruck. Im Nachtwächtergewand führte Elke König die illustre Gruppe an. Gemeinsam ist den Mitgliedern des Vereins der Nachtwächter-Gilde das Interesse an der Geschichte. Auch in ihren Heimatorten haben sie Spaß daran, vergangene Zeiten wieder lebendig werden zu lassen. Gekommen waren Nachtwächter und „Türmer“ aus allen Ecken Deutschlands. Vornehmlich aus alten Städten, die einst von einer Stadtmauer umgeben waren: aus Bamberg, Limburg an der Lahn und Backnang. Sogar aus Brandenburg war eine Nachtwächterin angereist. Und weil Elke König durch ihre Arbeit als Stadtführerin jede Menge interessanter Geschichten zu erzählen weiß, hatten sich auch neugierige Ludwigshafener der Gruppe angeschlossen. Aus Mannheim war Markus Schütz herübergekommen, um mehr über Ludwigshafener Sehenswürdigkeiten zu erfahren. Zwar sei die 1853 gegründete Stadt Ludwigshafen noch jung. Doch habe es in weitaus älteren Vororten wie Oppau, Mundenheim oder Oggersheim jahrhundertelang Nachtwächter gegeben, berichtete Elke König. „Im Adressbuch von 1871 standen für die Orte im Norden und Süden noch einige Nachtwächter drin“, hat sie herausgefunden. Die Lampen bei Dunkelheit zu entzünden, gehörte zu ihren wichtigen Aufgaben. „In der Mitte der jungen Stadt gab es noch Sumpfgebiet, da waren die Laternen wichtig für die Kutschen, um nachts den Weg zu finden“, beschrieb sie damalige Verhältnisse. „Noch bis in die 1960-er Jahre hat der letzte Ludwigshafener Nachtwächter im Hemshof seinen Dienst an den Gaslaternen versehen“, erzählte König Erstaunliches. Überhaupt habe es gegolten, die Nacht hindurch für Sicherheit und Ordnung zu sorgen und auch den Diebstahl von Feldfrüchten zu verhindern. „Jede Stunde wurde ins Horn geblasen und die Stunde besungen“, berichtete Günter Patzelt, Nachtwächter in Öhringen und Neuenstein. „Hört ihr Leut’ und lasst euch sagen…“, begann das typische Lied. Auf dem Rundgang vom Pfalzbau zum Lutherbrunnen und dem Ludwigsplatz brachte König den Kollegen und Zuhörern in vielen Anekdoten die Geschichte der Stadt Ludwigshafen nahe. Sie erzählte von der langen bayerischen Zeit, in der aus dem Handelsplatz am Rhein eine Stadt wurde, die nach dem Bayern-König Ludwig benannt wurde. Auch von den Einflüsse der Franzosen, die nach den beiden Weltkriegen die ganze Pfalz und die Stadt besetzt hatten, berichtete König. Wunderschöne Häuser habe es früher in Ludwigshafen gegeben. „800.000 Bomben sind im Zweiten Weltkrieg auf die Stadt gefallen, die City war zu 90 Prozent platt“, erläutert König, warum davon praktisch nichts mehr zu sehen ist. Am Ende des Rundgangs an der Rhein-Galerie waren nicht nur die Gäste, sondern auch die mitgekommenen Einheimischen zufrieden. Selbst sie hatten noch Neues über ihre Stadt erfahren. (büg)

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