Ein Bild und seine Geschichte
Auf Nestsuche
Die Androhung einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs durch Betreten des Grundstücks – das war die heftigste Reaktion, die Katherina und Jonas Wagner* auf der Suche nach einem neuen Zuhause entgegenschlug. In Rheingönheim hatten sie Flugblätter in mehrere Briefkästen gesteckt – und dabei ab und zu das entsprechende Grundstück betreten. Auf dem Handzettel hatten sie sich vorgestellt, ihr Kaufinteresse an einem Haus oder einer größeren Wohnung bekundet und gegebenenfalls um entsprechende Hinweise gebeten.
Das Ehepaar, beide um die 40, mit einem Kind – wobei das zweite im Mai zur Welt kommen wird – möchte seit fünf Jahren ein Haus in Ludwigshafen oder der näheren Umgebung kaufen: wegen der Nähe zur Arbeitsstelle und dem größeren Platzbedarf für die wachsende Familie. „Wir wünschen uns ein Nest und einen eigenen Garten für uns und unsere Kinder“, sagt Katherina Wagner und schwärmt: „Rheingönheim würde gut zu uns passen.“ Auch die Parkinsel, Süd, Oggersheim, Maudach, Neuhofen, Schifferstadt, Speyer und Waldsee könnten sie sich vorstellen.
800 000 Euro aufwärts
Weshalb es bisher nicht geklappt hat, erklärt Jonas so: Die Immobilienpreise seien seit 2016 „immens“ gestiegen. Verkaufspreise und reeller Wert der Objekte klafften immer weiter auseinander. „Bisher schrecken wir davor zurück, uns komplett zu verschulden, um eine passende Immobilie zu erwerben, deren Kaufpreis jedoch nicht dem tatsächlichen Wert des Hauses entspricht.“ Ein freistehendes Einfamilienhaus oder eine Doppelhaushälfte in Ludwigshafen und Umgebung, mit Garten und mindestens fünf Zimmern, nicht renovierungsbedürftig, koste – inklusive der Kaufnebenkosten – mittlerweile ab 800.000 Euro aufwärts. Auch die momentan sehr niedrigen Zinsen seien da nur ein Tropfen auf den heißen Stein und ein weiterer Grund für die kontinuierlich steigenden Kaufpreise.
Seit 2016 hätten sie alles unternommen, „was uns eingefallen ist“, sagt Katherina. „Wir haben Suchaufträge auf allen gängigen Immobilienportalen platziert, auch in der RHEINPFALZ. Zu unserem Alltagsritual gehört das Durchforsten von Angeboten.“ In „fast allen Amtsblättern schalten wir seit Jahren Anzeigen.“ Jonas berichtet von Besuchen auf den Bauämtern „aller infrage kommenden Gemeinden – mit der Bitte, uns bei freiwerdenden Grundstücken zu informieren“.
Die zuständigen Sachbearbeiter seien meist sehr freundlich und hilfsbereit gewesen, „und hätten uns sehr gerne unterstützt. Leider gibt es jedoch von Seiten der Gemeinden so gut wie keine Grundstücke mehr, da kaum noch Neubaugebiete erschlossen werden.“
Keine Reaktion
Katherina betont: „Wir waren in allen Orten, wo wir uns ein Haus vorstellen können, und haben, so gut es ging, die Besitzer unbebauter Grundstücke ermittelt, haben Briefe hinterlassen und Fotos von uns – mit der Frage, ob das Grundstück nicht verkauft werde.“ Keine Reaktion. Die schwierige Haus- und Wohnungssuche auch anderer Familien sei inzwischen ein Top-Gesprächsthema auf Spielplätzen.
Katherina stammt aus Saarbrücken. Für ihr Referendariat zog es sie „in die schöne Pfalz“, wie sie sagt, wo es ihr gleich gut gefallen habe und sie gerne bleiben wollte.
Seit 2015 unterrichtet sie an einer Schule im Rhein-Pfalz-Kreis. 2016 hat sie zusammen mit ihrem Mann, ebenfalls Beamter, die Suche nach einem geeigneten Zuhause gestartet. Anfang 2021 – das fünfte Jahr der Immobiliensuche hatte begonnen – haben die Wagners etwa 500 Handzettel auf der Parkinsel und in Rheingönheim in Briefkästen eingeworfen oder an Straßenlaternen befestigt. „Doch die bisher einzige Rückmeldung waren Sie, die RHEINPFALZ-Redaktion“, sagt Katherina Wagner.
Hunderte Bewerber
Sie und ihr Mann haben inzwischen mehr als 100 Wohnungen und Häuser besichtigt. Ihr Fazit: „Viele sind überteuert und oft zugleich renovierungsbedürftig, haben zu wenig Platz oder liegen ungünstig.“ Bei guten Immobilien gebe es Hunderte Bewerber, und den Zuschlag bekomme häufig der Meistbietende. Natürlich verfolge man Alternativen im Umkreis dieser Orte. Ludwigshafen „biete jedoch eine gute Infrastruktur, es gibt viele Vereine und Schulen“.
„Und“, ergänzt Jonas, der in Darmstadt aufgewachsen ist, „wir möchten die Nähe zu Mannheim, wo wir wohnen, und zu unseren Freunden nicht missen. Wir haben nach wie vor den Traum, unseren Kindern das Wohnen im eigenen Haus zu ermöglichen. Und wir suchen so lange weiter, bis wir etwas Schönes gefunden haben.“
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