Ludwigshafen Auf Mascha-Kaléko-Mission

Seit 25 Jahren bringt Paula Quast, hier mit Henry Altmann, die Lyrik von Mascha Kaléko auf die Bühne.
Seit 25 Jahren bringt Paula Quast, hier mit Henry Altmann, die Lyrik von Mascha Kaléko auf die Bühne.

«Dannstadt-Schauernheim.»Mit ihrer „Gebrauchslyrik“, die dem Alltäglichen mit Melancholie und Humor begegnet, wurde Mascha Kaléko im Berlin der Weimarer Republik bekannt. Ein Jahrhundert später wird die Fangemeinde der jüdischen Lyrikerin größer. Auch dank der Schauspielerin Paula Quast, die am Freitag mit einem lyrisch-musikalischen Porträt im Kulturhof Schrittmacher in Dannstadt gastierte.

„Sie sprechen von mir nur leise“, mit diesen Worten, sanft und nachdenklich artikuliert, beginnt Paula Quast ihre Reise auf den Spuren einer außergewöhnlichen Frau, deren Bekanntheit weit hinter ihrer Begabung blieb. Ihr Blick schweift in die Ferne, in den Händen hält Paula Quast ein verwelktes Blatt. Gedanken von Vergänglichkeit flackern im Zuhörer auf. Die schwarze Kleidung der beiden Akteure unterstreicht das. Paula Quast rezitiert ausdrucksstark, kann sich sichtlich in die Lyrik Mascha Kalékos hineindenken. „Was sie machte, ihre Worte, decken sich mit meiner Einstellung zum Leben“, sagt die Hamburger Schauspielerin. Seit fast einem Vierteljahrhundert bringt sie nun die Verse der jüdischen Lyrikerin auf die Bühne. Nicht als bloße Rezitation, sondern als „lyrisch-musikalisches Porträt“ mit einem Musiker. Seit 2008 nimmt Henry Altmann diesen Part ein. Das Geschehen auf der Bühne könnte man am ehesten als Live-Hörspiel der alten Schule beschreiben. Die Musik ist handgemacht. Zum Einsatz kommen einige wenige Instrumente wie Euphonium, Piano oder Kontrabass. Und Altmann improvisiert gelegentlich. Paula Quast rezitiert Kaléko, webt geschickt die Biografie mit kurzen eigenen Worten ein, schafft den Rahmen, der erklärt und alles am Platz hält. Angefangen von Mascha Kalékos Kindheit in Westgalizien, ihren Sturm und Drang-Jahren inmitten der Berliner Bohème, ihre harten Zeiten des Exils in Amerika und ihre letzten Jahre, durchtränkt von Heimweh nach Berlin. Die Bleibtreu-Straße in Berlin war ihr Zuhause, der sie natürlich auch ein Gedicht widmete. Doch warum ausgerechnet Mascha Kaléko? „Ich habe sie wieder ans Tageslicht befördert“, erinnert sich Paula Quast, die Anfang der 1980-Jahre mit Ende 20 auf die Literatin stieß. „Sie vermag mit wenigen Worten auf den Punkt zu kommen“, sagt sie. Schnell entdeckte sie ihre Freiheit des Geistes sowie ihre physische und psychische Stärke und beschloss, sie auf die Bühne zu bringen. Quast löste Ende der 90er-Jahre eine regelrechte Renaissance aus, einige ihrer Schauspielkollegen machten sich ebenfalls mit Mascha-Kaléko-Programmen auf den Weg quer durch Deutschland. Unter anderem auch die bekannte pfälzische SWR-Moderatorin Kerstin Bachtler mit ihrem „Texttaxi“. Inzwischen hat Paula Quast, die auch in Rollen für Film und Fernsehen und als Synchronsprecherin arbeitete, ihr Klein-Bühnenprogramm um jüdische Märchen und ein Hedwig-Lachmann-Programm erweitert, einer weiteren jüdischen Dichterin.

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