Ludwigshafen Auf den Ernstfall vorbereitet
Mit einer ersten Infizierten in Spanien, hat das Ebola-Virus den Sprung nach Europa geschafft. Für Deutschland sehen Experten nach wie vor kaum eine Gefahr. Sollte es dennoch irgendwann so weit kommen, sind die Krankenhäuser gut gerüstet. Das Klinikum Ludwigshafen verfügt seit Anfang August sogar über einen speziellen „Ebola-Koffer“.
Eines gleich mal vorweg: Der Begriff „Ebola-Koffer“ wird von den Klinikum-Ärzten der Einfachheit halber verwendet. Der Koffer wurde nämlich nicht speziell für Ebola-Verdachtsfälle gepackt, sondern enthält Utensilien, die im Umgang mit allen hochinfektiösen Krankheiten benötigt werden – solchen der Kategorie vier, die von den Gesundheitsbehörden als besonders gefährlich eingestuft werden. Neben Ebola gehören dazu auch das Lassa- und das Marburgfieber. Wenn man es genau nimmt, handelt es sich nicht einmal um einen Koffer, sondern vielmehr um eine Kiste, die von außen ziemlich unscheinbar aussieht, es aber dennoch in sich hat. Sie enthält hochwertige Schutzkleidung mit Brillen und Atemmasken, Warnschilder, Absperrband, alle wichtigen Telefonnummern, spezielles Material zum Versenden von Blutproben und Notfallpläne. Das sei das Besondere daran, erklärt Professor Matthias Bauer, Ärztlicher Direktor des Klinikums. Im Ernstfall hätten die Verantwortlichen alle benötigten Materialen sofort zur Hand. Die Richtlinien in Deutschland geben ohnehin jedem Krankenhaus vor, dass es Materialien für die Behandlung von schweren Infektionskrankheiten vorhalten muss. Mit dem „schnellen Einsatzset“ ist das Ludwigshafener Klinikum lediglich einen Schritt weiter gegangen. Den Ausschlag dafür habe der Ausbruch des Ebola-Virus in Westafrika gegeben, erzählt Professor Ralf Jakobs. Bereits im Mai hätten sich Mitarbeiter der Klinik zusammengesetzt, um darüber zu beraten, wie man mit der Situation umgehen wolle. Denn auch wenn das Auftreten von Verdachtsfällen in Ludwigshafen ausgesprochen unwahrscheinlich sei, dürfe man so etwas doch nie ganz ausschließen. Im August ging dann eine Verfahrensanweisung für den Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen an die Mitarbeiter des Klinikums heraus. Im Wesentlichen orientiert sich die an den Vorgaben des Robert Koch-Instituts, das in Deutschland für den Infektionsschutz zuständig ist. Maßgeblich sind vor allem Melde- und Informationspflichten, denn „normale“ Krankenhäuser dürfen Ebola-Patienten gar nicht behandeln. Das geschieht in acht speziell ausgerüsteten Behandlungszentren, die über ganz Deutschland verteilt sind. Das für Rheinland-Pfalz zuständige Zentrum liegt in Frankfurt. Sollte sich in Ludwigshafen je ein Verdacht bestätigen, würde der Patient schnellstmöglich dorthin überführt. Bis dahin gibt es Routinen, an die sich das Krankenhauspersonal halten muss. Eine wichtige steht schon ganz am Anfang: Patienten mit unklaren Fiebersymptomen fragen, ob sie kürzlich in Westafrika waren. „Das muss die erste Frage sein“, so Bauer. Was passieren könne, wenn diese Information nicht eingeholt wird, zeige sich aktuell an einem Ebola-Fall in den USA. Dort wurde der Erkrankte zunächst wieder nach Hause geschickt und hatte Kontakt zu weiteren Personen. Damit das nicht passiert und das Risiko von Ansteckungen minimiert wird, sehen die deutschen Richtlinien eine sofortige Isolierung der Verdachtsfälle vor. In den Quarantänebereichen der Krankenhäuser behandeln Ärzte und Pfleger die Patienten dann nur noch mit Schutzbekleidung. Nächste Punkte auf dem Ablaufplan: Das Gesundheitsamt und das zuständige Behandlungszentrum informieren sowie Proben des Patienten an ein Labor mit „Umgangsgenehmigung“ für die Erreger schicken – etwa nach Marburg. Ob ein Patient mit dem Virus infiziert ist, kann laut Bauer innerhalb weniger Stunden festgestellt werden. Sollte sich der Verdacht auf Ebolafieber bestätigen, übernehmen Gesundheitsamt und Behandlungszentrum den Fall, organisieren die Verlegung des Patienten und erfassen mögliche Kontaktpersonen. Ein Medikament gegen Ebola gibt es nicht, daher werden in den Zentren vor allem die Symptome bekämpft. Das heißt: Flüssigkeit zuführen, Fieber senken und Blutungen stoppen. Durch die gute Versorgung hätten Erkrankte in Deutschland deutlich bessere Chancen als in Afrika, sagt Bauer. Das zeige auch das Beispiel eines Senegalesen, der kürzlich als geheilt aus einer Hamburger Klinik entlassen wurde.