Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Arbeitsagentur: Umschalten in nächsten Krisenmodus

Die Nachfrage nach Auszubildenden ist enorm.
Die Nachfrage nach Auszubildenden ist enorm.

Die Folgen der Pandemie auf dem Arbeitsmarkt scheinen leidlich überwunden, da rüstet sich die Agentur für Arbeit für die nächste Herausforderung. Infolge der Flüchtlingsströme aus der Ukraine rechnet Geschäftsführer Daniel Lips in den nächsten Wochen mit einer deutlich steigenden Zahl an Antragstellungen in der Berliner Straße.

Bis Ende März sind sieben Kriegsopfer aus der Ukraine vorstellig geworden. Diese noch vergleichsweise niedrige Zahl führt Lips auch darauf zurück, dass Ankömmlinge sich in den ersten Tagen zunächst anderen bürokratischen Aufgaben widmen - sofern sie überhaupt dauerhaft in der Stadt bleiben und eine Arbeit aufnehmen wollen. Seit Anfang der Woche hat die Bundesagentur eine zentrale Hotline geschaltet, über die sich Arbeitssuchende melden können. Für die Beratung vor Ort können die Mitarbeiter bei Bedarf eine Dolmetscher-Hotline zuschalten.

Nach Lips’ Übersicht ist die ukrainische Community in der Vorderpfalz im Nationenvergleich überschaubar. Insgesamt haben sich im März 247 Menschen dieser Nationalität arbeitslos gemeldet, weniger als in den beiden Vormonaten. Sollte die Nachfrage spürbar ansteigen, sieht Lips sein Haus gewappnet. Auch aufgrund der Erfahrungen während der Pandemie, „in der wir schon einmal in der Lage waren, in kürzester Zeit auf eine extreme Lage zu reagieren“.

Wappnen für Eskalation im Gasstreit

Darauf könnte er gegebenenfalls auch zurückgreifen, wenn der Konflikt um Gaslieferungen aus Russland eskalieren und die Bundesregierung gezwungen wäre, Lieferungen etwa an die Industrie zu rationalisieren. „Noch ist das hypothetisch, aber wir wappnen uns für Eventualitäten“, sagte Lips am Donnerstag auf einer Pressekonferenz zusammen mit der Agentur-Regionaldirektorin für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Heidrun Schulz. Ein Pool von bis zu drei Dutzend Mitarbeiterin sei in der Lage, ad hoc etwa Anträge auf Kurzarbeit zu bearbeiten. Damit sei die Agentur auch auf eine Antragsflut vorbereitet, zum Beispiel für den Fall, dass die BASF oder Zulieferbetriebe ihre Produktion mangels ausreichender Gaslieferungen einstellen müssten.

Azubis händeringend gesucht

Ähnlich positiv wie auf dem Arbeitsmarkt stellt sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt dar. Nach wie vor bieten die Unternehmen in der Vorderpfalz mehr Ausbildungsstellen (2295) an als die Agentur mit registrierten Bewerbern (1825) rechnerisch besetzen kann. Wie aus der Halbjahresbilanz weiter hervorgeht, waren Ende März 1200 Bewerber noch nicht versorgt und 1474 Ausbildungsstellen unbesetzt. „Arbeitgeber in der Region suchen händeringend nach Azubis, unsere Berufsberater haben alle Hände voll zu tun.“

Zu denjenigen, die trotz Auftrags- und Umsatzeinbrüchen in der Pandemie dennoch ausgebildet haben, zählt die am Lagerplatzweg ansässige Eventagentur Cosmopop. Sie organisiert etwa das Technofestival Time Warp - das für dieses Jahr erneut abgesagt worden ist - oder betreibt die angesagten Clubs „Hafen 49“ im Jungbusch und „Das Zimmer Mannheim“ in den Quadraten. Geschäftsführer Robin Ebinger hat trotz anhaltender Kurzarbeit für die gut 20-köpfige Belegschaft am Konzept der Ausbildung von Veranstaltungskaufleuten festgehalten. Er hat dafür Zuschüsse aus einem zu Beginn der Pandemie aufgelegten Bundesprogramm zur Sicherung von Ausbildungsplätzen erhalten. Bis Ende vorigen Jahres ist dieses im Bezirk der Ludwigshafener Arbeitsagentur rund 120 mal beansprucht worden. Nach einer Zwangspause und in Erwartung steigender Nachfrage will Ebinger 2023 wieder ausbilden.

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