Ludwigshafen Appelle, Anekdoten und Aschanti-Ärger
Die Friesenheimer leben gerne in ihrem Stadtteil, aber es gibt Entwicklungen, die nicht jedem gefallen: im Bereich Verkehr, in Sachen Vermüllung oder das geplante Garagenbauprojekt im Aschantidorf. Von der RHEINPFALZ fühlen sich die meisten Leser gut informiert und von Kolumnen wie der „Quintessenz“ donnerstags auch gut unterhalten. Es gibt natürlich auch Verbesserungsvorschläge. So lässt sich die gestern von gut 50 Gästen besuchte „Redaktion vor Ort“ am Wochenmarkt in der Sternstraße zusammenfassen.
Dass der Markt traditionell ein beliebter Treffpunkt ist, vom Angebot her aber schon umfangreicher aufgestellt war, wie einige Leser monierten, bestätigt der Blick ins Statistische Jahrbuch der Stadt. Demnach gab es Anfang der 1970er-Jahre mehr als 100 Stände vor Ort, 1991 waren es noch über 70. Inzwischen sind es unter 30. „Ich hoffe, dass es den Markt noch länger gibt“, sagt Werner Appel (50), Stadtplaner und Buchautor, der in Alt-Friesenheim lebt und Hähnchen, Obst und Gemüse in der Einkaufstüte hat. Wie Alt-Ortsvorsteher Carlo Saxl (77, CDU) ist er auf eine Tasse Kaffee vorbeigekommen. Saxl erhält viel Zuspruch. „Wir vermissen Sie, es klappt nichts mehr auf dem Amt“, sagt ein Passant. „Ich vermisse nichts, aber man sieht trotzdem alles“, entgegnet Saxl. Etwa die Verkehrsprobleme wegen der vielen Baustellen in der Hohenzollernstraße und die nach Ansicht einiger Anwohner und Gewerbetreibenden „überflüssigen“ Umleitungen. „Darüber müsste besser informiert werden“, findet Saxl. „Wir brauchen unbedingt einen Drogeriemarkt in Friesenheim“, fordert Karl-Heinz Ziefle (88). Ein nächtliches Tempolimit 30 in der Sternstraße – das fordert Otto Klein (83) von der örtlichen Bürgerinitiative bereits seit Jahren. Das Thema sei zwar angeschoben und auf dem Weg, aber die Mühlen der Bürokratie mahlen für ihn viel zu langsam. Und die Zeitung berichte viel zu wenig darüber. Skandalös finden nicht nur Anwohner des Aschantidorfs, dass die BASF Bauen und Wohnen in ihrer Siedlung weitere Garagen errichten und dafür Bäume opfern will. Wie gestern berichtet, wird der Ortsbeirat das Thema auf einer Sondersitzung am 26. Juli (16 Uhr) behandeln. Heinrich Günter Hördt (78) schlägt für das Bauvorhaben einen anderen Platz vor: Unweit des Aschantidorfs gebe es eine große freie Fläche, die sich wunderbar für ein Parkhaus eignen würde. Die Kreuzung Erzberger-/Stern- und Lagewiesenstraße ist ein Ärgernis für Maria Donghia (76) und Waltraud Hahn (69). Bis Juni 2015 sei die Ampelanlage vor Ort von 21 bis 6 Uhr ausgeschaltet gewesen. Vor einem Jahr sei das vermutlich infolge einer Firmenansiedlung geändert worden. Mit der Konsequenz quietschender Reifen, lauter Musik und erheblich mehr Lärm als zuvor. 19 Unterschriften hat Hahn bereits in der Anwohnerschaft gegen den durchgehenden Ampelbetrieb gesammelt, die Oberbürgermeisterin angeschrieben und die Polizei angefragt. Von dort bekam sie zu hören, die Kreuzung sei ein Unfallschwerpunkt, was sie aus ihrer Erfahrung indes nicht bestätigen könne. „Und wir leben schon seit 1979 hier.“ Seit 30 Jahren in Friesenheim heimisch ist der aus Ostpreußen stammende Georg Radtke (88), der mit seinem Rollator unterwegs ist. Die RHEINPFALZ liest er täglich, vor allem die Todesanzeigen. Die schaut sich auch eine Frau regelmäßig an, die nicht namentlich genannt werden will. Ihr ist die Schrift zu klein („Da braucht man ja eine Lupe“) und der Hintergrund oft zu dunkel. Sehr gerne verfolgt sie neben der Seite Ratgeber Gesundheit (immer donnerstags) die „sehr interessanten Berichte“ der Auslandskorrespondenten im Politikteil. Zu den Texten wünscht sie sich ein Foto der Autoren. „Die Zeitung ist okay, die schlechten Nachrichten sind es nicht“, sagt Waltraud Denneler (78). Dass der Stadtteil immer ungepflegter sei, Unkraut an den Straßen und Efeu an den Bäumen wuchere, stört nicht nur sie. Auch Erika Mannsmann (81), die seit 1953 hier lebt, findet, „dass Friesenheim noch nie so dreckig war“. Denneler hat dafür nur einen Kommentar übrig: „Ich find’s schlimm.“ Mittlerweile sei Friesenheim ungepflegter als der benachbarte Hemshof. Dort, in den „Papageienblöcken“, ist eine 60-Jährige zu Hause, die in einem Friesenheimer Altenheim arbeitet, und der Meinung ist, das die Stadt generell konsequenter gegen wilden Müll und wildes Parken, wie auf den Gehwegen des Ruthenplatzes, vorgehen müsste. Einen Appell an das Ordnungsamt wollte Regina Kuhrt (61) loswerden. Sie bemängelt, dass die Parksituation an der Eberthalle nur zu bestimmten Anlässen, wie beispielsweise der Rasse-Hundeschau im August, kontrolliert werde. „An allen anderen Wochenenden wird dort immer wild geparkt, aber das stört anscheinend niemanden. Man müsste einfach öfter kontrollieren“, sagt sie. Eine nette Anekdote erzählt ein älterer Herr, gelernter Kfz-Schlosser und über 20 Jahre lang bei den Hafenbetrieben tätig, der Anfang der 1950er-Jahre eine 200er Zündapp eines stadtbekannten Fotografen für eine Spritztour „ausgeliehen“ hat. Der Eigentümer stellte das Motorrad vorm Haus ab, der Zündschlüssel steckte. „In der Zeitung stand, dass die Zündapp nachts weg und morgens überraschend wieder da war – mit defekter Lichtmaschine und leerem Tank“, berichtet der Senior amüsiert. „Und Sie sind der Erste, der erfährt, warum. Aber das ist längst verjährt.“ Lange zurück liegen auch die kleinen Kappeleien von Heide Nicklas (70) mit ihrem Opa um die RHEINPFALZ am Frühstückstisch. „Wir haben uns immer darum gestritten, wer sie zuerst lesen darf“, sagt sie lachend. Noch heute gehört die tägliche Lektüre der Zeitung für sie dazu. „Da steht alles drin, was mich interessiert.“ Besonders toll findet Ulrike Weinmann, dass „aktuelle Nachrichten sehr schnell erscheinen“. Ihre Enkel seien ganz wild auf die Berichte von Nils Nager. Sogar im Urlaub verzichtet die Friesenheimerin nicht auf ihre Lokalzeitung. „Diese wird dann einfach am Computer gelesen“, erzählt sie.