Ludwigshafen
Anreize für mehr Ganztagsschulen setzen
In dem mit Abstand größten Teilhaushalt des Dezernats „Kultur, Schulen, Jugend und Familie“ über 210 Millionen Euro nehmen die Schulen mit gut einem Viertel nach dem Bereich Jugend den zweiten Platz ein. Die Zahlen sind im Vorfeld der anstehenden Etatberatungen im Schulträgerausschuss vorgestellt worden.
Wie Dezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) erklärte, bleibe der Etat bei den Schulen relativ konstant. Doch machten sich Kostensteigerungen bemerkbar. Im Jahr 2023 waren unter dem Strich 53,4 Millionen Euro gestanden. Wie Stefan Weißmann, Leiter des Bereichs Schulen, hinzufügte, gebe es neben den Tariferhöhungen sechs neue Stellen für die Schulsekretariate, auch die Schulessen seien teurer geworden.
Nur fünf Grundschulen bereit
Die Stadt Ludwigshafen ist verantwortlich für 22 Grundschulen, eine organisatorisch verbundene Grund- und Realschule plus, fünf Realschulen plus, sechs Gymnasien, drei Integrierte Gesamtschulen, drei Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen, eine Schule mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung und sechs Berufsbildende Schulen. Nach Angaben der Stadt besuchen im laufenden Schuljahr über 30.000 Schülerinnen und Schüler Ludwigshafener Schulen.
Bei den Schülerzahlen gebe es 2025 kaum Veränderungen, so Weißmann. Wie er sagte, versuche sich die Stadt auf die im August 2026 kommende Pflicht zur Ganztagsbetreuung für Grundschulen auszurichten, die Mehrkosten in Millionenhöhe bedeute. Nur fünf von 23 städtischen Grundschulen sind bereits Ganztagsschulen. Dazu gibt es „Betreuende Grundschulen“ mit unterschiedlichen Angeboten am Nachmittag nach Ende der normalen Unterrichtszeit.
„Bei den Schulen nachhaken“
„Die Betreuung lässt die Zahlen steigen. Die SPD bittet darum, das Thema Ganztagsschule noch einmal mit den einzelnen Schulen zu besprechen“, sagte Stadträtin Anke Simon. In die gleiche Richtung äußerte sich Thorsten Ralle (CDU). „Wir müssen hier reden. Es geht nicht, dass wir überall sparen, und hier nicht“, meinte er mit Blick auf die Kosten. Wie Weißmann einräumte, sei die Betreuende Grundschule ein großer Kostenfaktor für die Stadt, die hier einen 67-Prozent-Anteil zahle. Bei der Ganztagsschule in Angebotsform übernehme das Land die Kosten. Die Umstellung auf Ganztagsschule mache aber nur Sinn, wenn die jeweilige Schule auch mitziehe, gab Reifenberg zu bedenken. Für die Schüler werde hier mehr geboten. „Wir sollten mehr nachhaken, uns mit den interessierten Schulen an einen Tisch setzen, damit wir mit den Ganztagsschulen vorankommen“, schlug sie vor.
An den Horten festhalten
Wie Weißmann auf Nachfrage sagte, sei es denkbar, für die Umstellung auch gewisse finanzielle Anreize für Schulen zu setzen. Den betroffenen Eltern müsse man klarmachen, dass die Betreute Grundschule für sie je nach Leistungsumfang deutlich teurer sein werde als eine Ganztagsschule. „An den Horten wollen wir festhalten, hier gibt es großen Bedarf“, betonte Reifenberg, dass hier nicht gespart werden soll. Weil sich finanzielle Anreize für die Umwandlung zur Ganztagsschule auf den städtischen Haushalt auswirken werden, soll der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung darüber beraten. Ein entsprechender Antrag wurde einstimmig beschlossen.