Ludwigshafen
Anna Vinnitskaja, Ljupka Hadzigeorgieva und Evgeni Koroliov spielen Klavierkonzert im BASF-Feierabendhaus
Vorab: genau genommen handelte es sich bei den Bachschen Klavierkonzerten an sich um Cembalokonzerte. Das moderne Klavier, das durch wechselnde Anschlagsstärke der Tasten eine dynamische Vortragsweise ermöglicht, mit je nach Art des Anschlags sich ändernder sonorer Kraft, wurde am Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelt und begann sich erst während Bachs letzter Lebensjahre allmählich durchzusetzen. Die Tasteninstrumente, für die er komponierte, waren und blieben das Cembalo und die Orgel, obwohl er das Hammerklavier schon kannte.
Auf dem BASF-Programm standen sechs Konzerte, jeweils zwei für ein, zwei oder drei Klaviere. Sie waren von Bach ursprünglich für Violine, für Oboe oder als Doppelkonzerte für zwei Violinen beziehungsweise für Violine und Oboe konzipiert worden. Für die Konzerte des Leipziger Collegium Musicum, dessen Leitung er vom Gründer des Ensembles, Georg Philipp Telemann, übernommen hatte , übertrug er später eigene Konzerte für Melodieinstrumente auf Cembalo. Solche Fassungen wurden jetzt im BASF-Feierabendhaus auf modernen Konzertflügeln vorgestellt.
Deren Aufführungen standen durchweg im Zeichen mehr als imponierender musikalischer und spielerischer Ansprüche. Koroliov, Hadzigeorgieva und Vinnitskaya profilierten sich als Virtuosen von bemerkenswertem Format und andererseits als ebenso kluge wie sensible Musiker. Dementsprechend ging es diesmal im Feierabendhaus äußerst elegant und stilvoll zu. Wobei der Pianist und die beiden Pianistinnen optimal miteinander harmonierten; ihr konzertanter kammermusikalischer Dialog entspann sich überaus facettenreich.
Mit Nachdruck sind die exemplarisch klare Artikulation der drei auf der Grundlage außergewöhnlich präzisen Fingerspiels hervorzuheben – und selbstverständlich ihr stets präsenter Wille zum Ausdruck. Leerläufe gab es nicht. Dafür waren Deutlichkeit der Abläufe und Prägnanz der Tongestalt durchgehend groß geschrieben. Im Gedächtnis besonders haften blieben der mitreißende Elan (Schlusssatz!), die Spannung und Intensität, mit denen das g-Moll-Konzert (BWV 1058) daherkam und der ausladende Gestus und straffe Duktus des c-Moll-Konzerts für zwei Klaviere (BWV 1062).
Als stilistisch überaus kompetenter, flexibel und feinfühlig mitgestaltender musikalischer Mitstreiter der Solisten erwies sich die von Konzertmeisterin Suyeong Kang angeführte Kammerakademie Potsdam. Den Schlusspunkt setzten als Zugabe zwei weitere Transkriptionen Bachs: zwei Sätze von Antonio Vivaldi.