Ludwigshafen Ankommen ist schwer
Aller Anfang ist schwer. Das gilt für viele Lebensbereiche. In einer fremden Kultur und einem fremden Land anzukommen, ist für viele Menschen aber besonders mühsam. Um Geflüchteten die Integration zu erleichtern, gibt es seit einem Jahr das Internetportal alvivi.net – seine Wurzeln hat es in Ludwigshafen-West.
«West.»„Ankommen, leben, helfen“ – das ist das Motto des Informationsportals alvivi.net der Ludwigshafener medienundbildung.com gGmbH. „Wir stellen Informationen für Geflüchtete, neu Zugewanderte und Helfer in der Metropolregion bereit“, erzählt Mohammad Alhusain. Er kam selbst vor wenigen Jahren als Flüchtling in die Pfalz, seit einem Jahr absolviert er im Alvivi-Team der medienundbildung.com seine Ausbildung zum Mediengestalter. „Durch meine eigenen Erfahrungen nach der Ankunft in Deutschland weiß ich, was am Anfang besonders schwer fällt. So kann ich Themen für die Homepage auswählen, die den Geflüchteten im Alltag auch wirklich nutzen“, berichtet Alhusain. Laleh Akrami kam ebenfalls als Flüchtling nach Deutschland, seit zwei Jahren ist sie in Ludwigshafen. Hier hat sie zunächst ein Praktikum bei dem Unternehmen und anschließend Bundesfreiwilligendienst als Grafikdesignerin gemacht. „Im Iran habe ich schon meinen Schulabschluss in Grafik erhalten und an der Universität mein Studium im Bereich Kunst und Grafikdesign abgeschlossen“, erzählt Akrami. Diese Erfahrungen helfen ihr bei ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin Bild und Ton in Deutschland. „Am Anfang war es sehr schwer. Alle anderen in meinem Kurs konnten gut Deutsch sprechen, manche haben in Deutschland schon ein Studium gemacht und machen jetzt erst die Ausbildung. Ich fand vor allem Physik sehr schwierig – da hatte ich das Problem mit der Sprache und dem komplizierten Stoff“, erinnert sich Akrami. Doch sie sieht große Fortschritte: „Deutsch verstehe ich jetzt viel besser und ich habe Freunde gefunden.“ Auch das Wissen aus ihrem Studium im Iran hilft der 38-Jährigen, insbesondere bei Projekten. Bei der Aufgabe, eine Mineralwasserwerbung zu entwerfen, bekam sie die beste Note ihres Kurses. Bei alvivi.net schätzt Akrami besonders die freundliche Atmosphäre. „Die Kollegen sind sehr nett und hilfsbereit. Wenn sie merken, dass wir in der Schule Probleme haben, geben sie uns Nachhilfe.“ Das Arbeiten selbst, besonders Straßeninterviews und das Erstellen von Videos, macht ihr ebenfalls Spaß. „Wir sind sehr stolz auf unsere Auszubildenden. Sie tragen einen großen Teil dazu bei, dass das Portal informativ und lebendig ist“, sagt Ausbilder Mario Di Carlo. Eine Besonderheit von alvivi.net sind die mehrsprachigen Texte auf der Homepage. Leser können zwischen Deutsch, Arabisch und Englisch wählen. Dabei achtet das Team darauf, möglichst einfache Satzstrukturen und Wörter zu verwenden, damit der Inhalt leicht verständlich ist. Neben der Homepage ist alvivi.net auch auf Facebook, Instagram und Twitter aktiv. „Facebook ist unser Schwerpunkt in den sozialen Netzwerken. Innerhalb eines Jahres haben wir jetzt schon über 2100 Follower gewinnen können. Unser Ziel ist es, das noch weiter auszubauen“, erklärt Online-Redakteurin Julia Kleiner. So möchte das Team 2019 zum Beispiel eine „Facebook-Liveschalte“ veranstalten – dabei können Zuschauer während der Sendung Fragen stellen, die dann direkt beantwortet werden. Auch Videos würden sehr gut angenommen. Davon gibt es meist zwei Versionen, eine Lang- und eine Kurzfassung, jeweils mit arabischem Untertitel. Auch das neue Image-Video, das anlässlich des einjährigen Bestehens von Alvivi vorgestellt wurde, gibt es in zwei Versionen. Sie beide zeigen, wie viel Engagement und Arbeit hinter dem Informationsportal stecken. In diesem Jahr wünscht sich Hans-Uwe Daumann, stellvertretender Geschäftsführer von medienundbildung.com, das Netzwerk noch weiter zu stärken. Dafür wurden Plakate und Flyer hergestellt, die das Team bei Veranstaltungen in der Region verteilen wird. Noch fragen? www.alvivi.net , www.medienundbildung.com, Sendetermin auf OK TV Ludwigshafen: Freitag, 8. März, 15 Uhr.