Mannheim Adventskalender: Wie Peter Müller zur Bahnhofsmission kam
Er habe ein Vorbild, bekennt Peter Müller (72) freiweg: seine Frau. Als sie in den Ruhestand ging, habe sie begonnen, sich bei der Tafel in Speyer zu engagieren. Müller zog es zur Bahnhofsmission: „2016 habe ich angefangen“, sagt er. Die Bahnhofsmission habe er „von der Kundenseite“ kennengelernt: „Unsere jüngere Tochter ist erblindet und hat die Bahnhofsmission für Umsteigehilfen gebraucht.“ Als Vater sei er immer froh gewesen, dass es so ein Angebot gibt.
Im Team am Mannheimer Bahnhof ist Müller nach eigenen Angaben der Älteste mit 72 Jahren. Doch während man ihm die Jahre einerseits nicht ansieht, bringen sie doch eine große Souveränität, die geradezu ansteckend wirkt. Das Team der Bahnhofsmission, die anderen Ehrenamtlichen, die FSJler und die Besucher zählen auf ihn. Und die Arbeit im Team braucht Müller auch. Der Diplom-Ingenieur war Betriebsleiter bei der BASF, hatte immer mit Menschen zu tun. Da passt sein Ehrenamt perfekt: „Es geht um die Hilfe an den Menschen“, sagt Müller.
Geboren in Berlin, hat es Müller zum Studium zunächst nach Frankfurt gezogen und dann zum Chemiekonzern in Ludwigshafen. Damals sei er mit der Familie nach Speyer gezogen, erzählt er. Jetzt im Ruhestand einfach nichts zu tun oder nur nach Haus und Garten zu schauen – das wäre nicht sein Fall gewesen. Die Entscheidung sei recht schnell gefallen. Immer freitags ist Müller seither im Einsatz, stets in der Morgenschicht von 8 bis 14 Uhr.
„Der Bahnhof zieht immer Menschen an, die am Rande der Gesellschaft stehen. Die Bahnhofsmission leistet aber auch ganz konkrete Hilfe.“ Während die einen sich aufwärmen können, einen Kaffee trinken oder einfach einmal mit jemandem sprechen können, müssen die anderen schnell und sicher von einem Zug zum nächsten Anschluss begleitet werden.
Müller kann beides, macht aber am liebsten die Umsteigehilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen. „Das Wichtigste ist zuhören“, sagt Müller. „Was gar nicht so leicht ist, ist herauszufinden, ob jemand Ansprache möchte, sich äußern möchte.“ Viele Besucher wollten sich gerade im Winter auch nur Aufwärmen, andere fragten, wo es in Mannheim einen Platz zum Übernachten gibt. „Die meisten Gespräche drehen sich um ganz konkrete Bedürfnisse“, so Müller.
Im Gespräch lächelt Müller immer wieder verschmitzt, die Hände liegen ruhig auf dem Tisch im „Raum der Stille“ in der Bahnhofsmission, seine blaue Weste mit dem Logo der Bahnhofsmission hat er anbehalten. Alle Stunde, so sagt er, geht er normalerweise auf Rundgang. Eine Ausbildung habe es für ihn als Ehrenamtlichen nicht gegeben. Stattdessen gab es Handreichungen. „Am Anfang macht man eine Hospitation, und wir haben Leitfäden, die ganzen organisatorischen Sachen.“ Ein Studienkollege und Freund lebe in Frankfurt und engagiere sich dort als Ehrenamtlicher bei der Bahnhofsmission. Bei den Treffen sei das Ehrenamt natürlich immer Thema. „Die Bahnhofsmission nimmt man irgendwann ganz anders wahr als zuvor.“
Und was macht Müller noch, abgesehen von seinem wöchentlichen Einsatz am Mannheimer Bahnhof? Der 72-Jährige strahlt. Die Enkel machen ihm Freude, sagt er. Zwei sind es, zwei Mädchen. „Und das Dritte ist gerade unterwegs“, sagt Müller. Großvater sei zwar ein komisches Wort, aber ja, er beschäftige sich gern mit den Kleinen und es sei einfach toll, sie aufwachsen zu sehen.
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Die Bahnhofsmission Mannheim ist von Montag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Träger ist der Caritasverband Mannheim. Kontakt: www.bahnhofsmission-mannheim.de. Spenden: IBAN 63 6705 0505 0033 1961 48 (Sparkasse Rhein Neckar Nord).
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