Ludwigshafen Acht Fälle in fünf Jahren

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Mit der Frage, wie man der Radikalisierung von Jugendlichen durch Salafismus und Dschihadismus entgegenwirken kann, hat sich der Rat für Kriminalitätsverhütung in seiner halbjährlichen Sitzung im Stadtratssaal befasst.

Ein neunjähriger Junge, der deutliche Wesensveränderungen zeigt und vom Dschihad spricht. Der 20-jährige Schüler, der sich einen Taliban-Bart wachsen lässt und die Meinung vertritt, der Glaube müsse mit Gewalt durchgesetzt werden. Das sind Fälle, die das Ludwigshafener Polizeipräsidium immer wieder beschäftigen. Allerdings seien es Einzelfälle, räumte Kriminalhauptkommissar Walter Zöllner, der stellvertretende Geschäftsführer des Rats für Kriminalitätsverhütung, ein. „In fünf Jahren hatten wir im Präsidiumsbereich 14 Meldungen zu Radikalisierung, davon acht in Ludwigshafen“, sagte er. Aber es sei notwendig, das Thema anzugehen, „bevor der erste Volkskrieger aus Ludwigshafen kommt“. Wie man dem Phänomen begegnen kann, bevor es zu spät ist, zeigte in einem Vortrag der Politikwissenschaftler Florian Endres von der Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamts für Flüchtlinge und Migration (BAMF) auf. Diese Beratungsstelle existiert seit 2007 und hat in den vergangenen fünf Jahren mehr als 1000 Beratungsfälle bearbeitet. An die Hotline wenden sich Eltern, Lehrer oder Freunde von Jugendlichen, die in ein islamistisches Milieu abzudriften drohen oder sich gar schon konkret der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen und ihre Ausreise nach Syrien oder in den Irak geplant haben. „Das beste Mittel dagegen ist eine fundierte religiöse und politische Bildung“, sagte Endres. Es sei wichtig, dass Jugendliche kritisches Denken lernen. Der Experte berichtete, dass in jüngster Zeit ein Anstieg bei unter 18-Jährigen erkennbar sei. Eine relativ neue Zielgruppe sind Grundschüler, die in einem extremistischen Umfeld aufwachsen. Rund 30 Prozent der radikalisierten Jugendlichen, mit denen die Beratungsstelle und ihre regionalen Partner – seit Kurzem gibt es auch in Mainz eine eigene Einrichtung für Rheinland-Pfalz – zu tun haben, sind weiblich, etwa 45 Konvertiten, also nicht von Geburt an Muslime. Vor wenigen Monaten hat der Rat für Kriminalitätsverhütung einen neuen Arbeitskreis „Radikalisierungsprävention“ gegründet. Geplant sei ein ständiger Erfahrungsaustausch beispielsweise zwischen Schulen und Polizei, sagte Zöllner. Für nächstes Jahr sei eine Fachtagung zum Thema geplant. (heß)

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