Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Abi in der Pandemie: „Ein gebeutelter Jahrgang“

Maskenpflicht im Prüfungsraum: Während des Lüftens darf auch die Maske kurz abgesetzt werden.
Maskenpflicht im Prüfungsraum: Während des Lüftens darf auch die Maske kurz abgesetzt werden.

Ob mit Masken oder ohne – Schüler und Schulleiter der Ludwigshafener Oberstufen sind froh, das Abitur überhaupt durchführen zu können. Nach zwei Jahren Pandemie ist das Stück Stoff auch bei der Abschlussprüfung längst kein Aufreger mehr.

„Man lernt Spontaneität“, sagt Ulf Boeckmann. Der Schulleiter des Carl-Bosch-Gymnasiums (Innenstadt, 1150 Schüler) zieht nach zwei Jahren Pandemie ein Fazit, dem wohl auch die übrigen Leiter der Gymnasien und Gesamtschulen der Stadt zustimmen dürften. Mit der Anordnung des Landes Rheinland-Pfalz, dass auch während der mehrstündigen Abiturprüfungen eine Maske getragen werden muss, haben die meisten ohnehin schon gerechnet. „Wir haben uns auf die Situation und auf Überraschungen eingestellt“, erklärt der kommissarische Schulleiter des Theodor-Heuss-Gymnasiums (West, 800 Schüler), Jens Jourdan. Da die Informationen des Ministeriums manchmal recht spät kämen, sei man an seiner Schule daran gewöhnt, Maßnahmen auch kurzfristig anzupassen. Rainer Fischer sieht die Maskenpflicht ebenfalls als wichtiges Mittel, um die Prüfungen überhaupt stattfinden lassen zu können. Der Leiter der Integrierten Gesamtschule Edigheim (920 Schüler) denkt dabei auch an den zusätzlichen Schutz für die Beteiligten.

Lob für die Disziplin der Schüler

Mit Blick auf ihre Schüler sind sich die Direktoren einig: „Die Schüler sind sehr diszipliniert, da gab es keine Diskussionen, schon die ganze Zeit nicht“, betont Andreas Klaes vom Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium (Edigheim, 730 Schüler). „Diesen Jahrgang hat es voll erwischt. Sie waren in der 11. Klasse, als Corona kam. Es hat sie voll gebeutelt, aber sie machen alles mit, ohne zu murren. Bewundernswert“, lobt er das Verhalten an seiner Schule.

Auch die Prüflinge der IGS Edigheim seien froh, die Klausuren überhaupt schreiben zu können. Nach zwei Jahren Pandemie seien die Schüler Profis, sagt Fischer – und Ulf Boeckmann merkt an, dass im Unterricht ja schon länger die Maske den gesamten Vormittag über getragen werden muss, die Schüler seien daran gewöhnt. „Man ist als Schulleiter schon dankbar und demütig, wenn alles klappt“, sagt Jourdan.

Generell sei auch die 13. Jahrgangsstufe seiner Schule froh, das Abitur trotz der Umstände hinter sich bringen zu können. Ein konkretes Feedback könne er allerdings noch nicht geben. Bei den Prüfungen sollten nur die Personen anwesend sein, die ohnehin schon in einer gemeinsamen „Blase“ seien, also nur die Schüler und ihre jeweiligen Kursleiter. Dass er noch nichts gehört habe und alles ruhig verlaufe, sei aber ein gutes Zeichen, ergänzt Jourdan und lacht.

Kein Nachteil durch Maskenpflicht

Ein Nachteil entstünde für die betroffenen Schüler durch die Maskenpflicht nicht. Dennoch sei die Situation natürlich nicht optimal und man versuche, wo immer möglich, Rücksicht zu nehmen und es den unter Druck stehenden Prüflingen so erträglich wie möglich zu machen, sagt Klaes. Während den Lüftpausen, die im Hygieneplan des Landes alle 20 Minuten vorgesehen sind, dürfen die Masken abgenommen werden, ebenso zum Essen und Trinken. „Wenn es ein Schüler gar nicht mehr aushalten sollte, darf er natürlich auch kurz vor die Tür“, sagt Boeckmann.

Kaum Ausfälle durch Quarantäne oder Krankheit

Wegen der Bestimmung, dass zwischen den einzelnen Plätzen zwei Meter Abstand liegen müssen, haben viele Schulen die Prüfungen in die Aula oder Turnhalle verlegt. Auch am Carl-Bosch-Gymnasium fanden die Prüfungen voriges Jahr noch in der Sporthalle statt, da diese durch die große Fensterfront allerdings schnell auskühlen würde, habe man sich dieses Jahr entschieden, das Abitur, aufgeteilt auf mehrere Säle und in kleineren Gruppen durchzuführen, berichtet Boeckmann.

Auf die Frage, wie das Abitur denn generell angelaufen sei, kommt vonseiten der Schulleiter ein einstimmiges „Toi, toi, toi“ zurück. Bis jetzt gäbe es quarantäne- oder krankheitsbedingt keine größeren Ausfälle.

Plan B für mündliches Abitur und Zeugnisvergaben

Auch den mündlichen Abiturprüfungen im März stehen die Schulleiter gefasst gegenüber. Fischer ist optimistisch. Vielleicht bessert sich die Lage, andernfalls würde man es eben wieder so machen wie schon im letzten Corona-Jahr: große Räume, zeitliche Entzerrung und ohne zusätzliche Zuschauer.

Weniger Optimismus herrscht an den Schulen bezüglich der Zeugnisvergaben und der Abibälle. „Wir planen und reservieren, aber letztlich müssen wir schauen, wie die Situation dann ist“, berichtet Klaes. Schon im vergangenen Jahr mussten größere Feiern ausfallen. Man hätte sich dann arrangiert und die Zeugnisse auf dem Schulhof, in kleineren Gruppen oder in der Aula ohne die Eltern und Verwandten übergeben. Ähnliche sieht der Plan B an den Schulen auch dieses Jahr aus. Dass eine Feier wichtig ist, darin besteht an den Schulen kein Zweifel. „Ich bin der Meinung, das es nach neun Jahren Schule einen vernünftigen Abschluss geben sollte. Wir müssen schauen, ob man eine Feier dann riskieren kann oder ob es wieder im kleinen Kreis stattfinden muss, aber das ist natürlich nicht das, was man sich für die Schüler wünscht“, sagt Klaes.

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