Ludwigshafen 800 Schüler auf einen Schlag

Placeholder-Image

Morgen feiert die Städtische Musikschule mit einem Festakt ihr 50-jähriges Bestehen. 1964 gegründet, ist sie heute eine der größten Musikschulen in Rheinland-Pfalz und eine der ältesten kommunalen Musikschulen deutschlandweit. Ein Blick zurück in die Geschichte.

Klavier, Blockflöte, Melodica, Fiedel, Gitarre und Akkordeon – das waren die ersten Instrumente, die man 1964 an der neu gegründeten Ludwigshafener Musikschule erlernen konnte. Seitdem hat sich das Unterrichtsangebot ständig erweitert. Heute beginnt das Angebot mit der Musikalischen Früherziehung und der Musikalischen Grundausbildung, gefolgt von Unterricht in allen klassischen Instrumenten, Gesang, Jazz, Rock, Pop und Ballett. Seit 1991 unterstützt zudem ein Förderkreis die Musikschule und ihre Arbeit. Die Musikschule, die dezentral an 20 Zweigstellen in der ganzen Stadt 1600 Schüler unterrichtet, kooperiert mittlerweile auch direkt mit Kitas und Schulen. „Sie ist aus vielen Familien gar nicht wegzudenken“, sagt Kulturdezernentin Cornelia Reifenberg (CDU). Die Gründung einer Musikschule in der Stadt ist dem persönlichen Engagement zweier Männer zu verdanken. Da war zum einen Hans Fusser, der Leiter der Singschule. Die war 1955 vom damaligen Bürgermeister Ludwig Reichert gegründet worden, nachdem seine Versuche, bereits 1948 eine Musikschule in Ludwigshafen ins Leben zu rufen, gescheitert waren. Stadtarchivar Stefan Mörz nennt in der Festschrift zum Musikschul-Jubiläum „fehlenden Raum“ und „das Misstrauen einiger Mitglieder des Kulturausschusses, die darin eine Konkurrenz zu privaten Musiklehrern erblickten“, als Gründe für die fehlgeschlagene Initiative Reicherts. Der Leiter der Singschule lernte nun einen jungen Musiklehrer, Helmut Rebscher, kennen. Den beiden Männern gelang es im März 1964, den damaligen Kulturamtsleiter Karl Nord von der Gründung einer Musikschule unter städtischer Leitung zu überzeugen. Der Kulturamtsleiter wiederum sprach mit dem Oberbürgermeister Hans Klüber, der sein „grundsätzliches Einverständnis“ signalisierte. Offensichtlich mahlten die Mühlen der Verwaltung vor 50 Jahren deutlich schneller als heute: Kulturausschuss und Stadtrat stimmten den Anträgen zu, so dass Helmut Rebscher schon am 1. Juni zum ersten Musikschul-Leiter ernannt wurde. Der Unterricht konnte nach den Sommerferien beginnen. Spontan meldeten sich 800 Kinder zum Unterricht an, der dann im Lauf des Jahres nach und nach in die Gänge kam. Kulturamtsleiter Nord war „froh, ein wenig mitgeholfen zu haben, dass eine so gute Sache ihre segensreiche Entwicklung nehmen durfte“. Ludwigshafen gehörte zu den ersten Städten, die nach dem Zweiten Weltkrieg eine kommunale Musikschule gründeten. Erst im Jahr zuvor war der Landesverband der Musikschulen in Rheinland-Pfalz gegründet worden. „Wir waren von Anfang an dabei“, sagt Reifenberg. Nun war es beileibe nicht so, dass vor 1964 und der Gründung der Singschule 1955 die musikalische Bildung in der Stadt keine Rolle gespielt hätte – ganz im Gegenteil. „Wir hätten eigentlich auch das 100. Jubiläum feiern können“, sagt der Leiter des städtischen Bereichs Kultur, Dietrich Skibelski. Erste Anfänge einer kommunalen Musikschule gab es schon 1913. In der damals eingerichteten Zweigstelle der Mannheimer Musikschule wurden Kinder bis zu 14 Jahren in Klavier und Violine unterrichtet. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte allerdings den Ausbau der Musikschule und die Gründung einer Städtischen Singschule. Doch schon im letzten Kriegsjahr 1918 wurde in der Zweigstelle der Musikschule wieder unterrichtet, die Singschule im Juni 1918 gegründet. 1921 wurde aus der Zweigstelle der Mannheimer Musikschule die „Pfälzische Musikschule“, die städtische Zuschüsse erhielt. Auch die Singschule erfreute sich großen Zuspruchs – der aus ihr erwachsene Beethovenchor besteht bis heute. Inflation und Weltwirtschaftskrise gingen auch an der Musikschule, die „alle Zweige der Tonkunst bis zur künstlerischen Reife“ lehrte, nicht spurlos vorbei. Zwar konnte die Einrichtung 1927 noch ein Stockwerk im Städtischen Gesellschaftshaus beziehen. Schon zwei Jahre später allerdings musste die Stadt ihre Zuschüsse drastisch kürzen. Im Oktober 1933 bestanden die Musik- und die Singschule nicht mehr.

x