Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel 20 Jahre Tafel: Täglich 20 Tonnen Lebensmittel

Juergen Hundemer, aktueller Vorsitzender von Vehra, Trägerverein der Tafel, begrüßte bei der Jubiläumsfeier auch seine Vorgänger
Juergen Hundemer, aktueller Vorsitzender von Vehra, Trägerverein der Tafel, begrüßte bei der Jubiläumsfeier auch seine Vorgängerin Heiderose Gärtner, Ideengeberin und Gründerin von Vehra (1999) sowie des Vereins der Ludwigshafener Tafel (2005).

Die „Tafel“ in Ludwigshafen feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Inzwischen ist sie zum größten ehrenamtlichen sozialen Projekt der Stadt Ludwigshafen gewachsen.

Jeden Monat werden von der Tafel 3000 Bedürftige, davon 1000 Kinder, mit Lebensmitteln versorgt. Rund 150 Helfer an der Ausgabestelle und 40 im Fahrdienst sowie 20 Ein-Euro-Jobber kümmern sich an sechs Tagen in der Woche um die Versorgung dieser Menschen. Täglich werden 20 Tonnen Lebensmittel bewegt.

Unter dem Motto „Lebensmittel retten, Menschen helfen“ haben es sich die Tafeln zur Aufgabe gemacht, überschüssige Lebensmittel, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen, einzusammeln und an Bedürftige abzugeben. Im Jahr 2005 wurde die Tafel in Ludwigshafen durch den Verein der Ehrenamtsbörse (Vehra) gegründet.

Begonnen hat die Ausgabe von Lebensmitteln vor 20 Jahren in einer Garage in der Waltraudenstraße (West) an 27 Bedürftige. Heute kommen in die Ausgabestelle in der Bayreuther Straße 35 (ebenfalls in West) täglich 60 bis 70 Empfänger.

Großes Lob von der OB

Zur Jubiläumsfeier im Festzelt auf dem Tafel-Gelände hatten sich am Samstag zahlreiche ehrenamtliche Helfer, Vehra-Mitarbeiter und Tafel-Kunden sowie Vertreter der Lokalpolitik eingefunden. In ihrem Grußwort würdigte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) die Leistung der Tafel, die inzwischen allgemein anerkannt werde. Vor 20 Jahren sei dies noch nicht der Fall gewesen. „Damals gab es eine Diskussion, ob die Stadt so etwas nötig hat“, erinnerte Steinruck an politische Widerstände.

Großer Dank gebühre all jenen, die die Tafel trotzdem auf den Weg gebracht hätten. Heute sei die Tafel das größte ehrenamtliche, soziale Projekt der Stadt, betonte sie. Die Zahl der Kunden sage viel über die sozialen Verhältnisse im Land aus. Dazu zählten Asylbewerber, Ukraine-Flüchtlinge, Sozialhilfeempfänger und Leute mit kleiner Rente. „Die Tafel fängt auf, was im sozialen Netz durchs Raster fällt“, sagte Steinruck.

Sehr schwierig sei die Versorgung in der Corona-Zeit gewesen. Doch die Tafel habe nie aufgegeben, den Menschen zu helfen. „Die Tafel ist ein Ort des Miteinanders, nicht nur eine Warenausgabe. Hier gibt es Gespräche und Wertschätzung. Das heutige Tafel-Jubiläum bedeutet 20 Jahre praktizierte Nächstenliebe“, würdigte die OB das Geleistete und dankte allen Ehrenamtlichen und Mitarbeitern.

Gäste beim tafel-Fest.
Gäste beim tafel-Fest.

Auch Heiderose Gärtner, die als Initiatorin 1999 den Verein der Ehrenamtsbörse Vehra und 2005 den der Tafel Ludwigshafen maßgeblich mitgegründet hat, erinnerte an die schwierige Anfangszeit. Von der damaligen Stadtspitze nicht gewollt, habe es große Hürden gegeben. Räume, Fahrzeuge und Entsorgungsmöglichkeiten hätten gefehlt. Dann sei Vehra als Träger gekommen, das habe die Türen geöffnet, erzählte Gärtner, wie alles begann. Anfangs habe es Kritik gegeben, dass die Tafel Lebensmittel weggeworfen habe. Doch zur Sicherheit und Gesundheit der Menschen sei dies mitunter leider notwendig.

Mit einem Riesenapplaus und Ovationen der Ehrenamtlichen wurde bei ihrem Grußwort Tafel-Koordinatorin Stefanie Zimmer gefeiert. „Heute ist auch der Tag der Würdigung der Helfer“, lobte sie den „unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen an sechs eng getakteten Tagen in der Woche“. „Die Ein-Euro-Jobber sind unser Grundgerüst. Ohne sie könnten wir das nicht leisten“, hob sie diese Gruppe besonders hervor. Die Arbeit bei der Tafel sei anstrengend. Trotzdem kämen alle Mitarbeiter gerne her, lobte sie das gute Miteinander.

„Für die Ärmsten engagieren“

„Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben. Wir werden mit Kraft und Überzeugung weitermachen und uns für die Ärmsten engagieren“, kündigte Vehra-Vorsitzender Juergen Hundemer mit Blick auf die Zukunft an. Wie er schilderte, werde dies immer schwieriger. Die Zahl der angemeldeten Bedürftigen nehme pro Monat etwa um zehn Personen zu. Dagegen gingen die Abgabemengen aus den umliegenden Lebensmittelmärkten deutlich zurück, vor allem bei Molkereiprodukten. Derzeit würden vom Tafel-Team vor allem noch kräftige Männer zum Ausladen der Transportkisten gesucht, warb Hundemer um Helfer. Wer Waren spenden möchte, sei bei der Tafel in der Bayreuther Straße 35 montags bis samstags von 10 bis 13 Uhr herzlich willkommen.

Spendenkonto

Förderung des Ehrenamts e.V., Ludwigshafener Tafel, Sparda Bank Südwest, IBAN: DE67 5509 0500 0006 3619 00.

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