Rheinpfalz Ein Becher für immer

Idee aus Mannheim: der Mehrwegbecher.
Idee aus Mannheim: der Mehrwegbecher.

«Speyer.» „Bleib’ deinem Becher treu“ – so heißt eine Initiative für Mehrweg-Kaffeebecher, deren Einführung in Speyer vorbereitet wird. Ziel: den Papp- und Plastikmüll zu verringern. Wie viele Betriebe mitziehen, ist aber noch unklar.

Der Stadtrat hatte es sich nicht leicht gemacht, bevor er Ende November die Entscheidung für ein Mehrwertbecher-Pfandsystem traf. Zwei Möglichkeiten waren vorab geprüft worden, zum Zug kam das in Mannheim erfundene Modell, bei dem Kunden für einmalig vier Euro einen Mehrwegbecher erwerben. Bei dessen Rückgabe erhalten sie eine Pfandmarke, die sie an einer der teilnehmenden Stellen gegen einen sauberen Becher eintauschen können. Logistik und Versorgung der Ausgabestellen sollen die städtischen Entsorgungsbetriebe übernehmen, im ersten Halbjahr 2019 soll es konkret werden. Derzeit stehe die Initiative noch am Anfang, sagt ein Sprecher der Stadtverwaltung. Organisatorische Fragen würden geklärt sowie Informationsveranstaltungen vorbereitet. Erst nach diesen sei ein Überblick möglich, wie viele Firmen mitmachen. Schon heute gibt es Betriebe, die Kaffee in Mehrweggefäßen ausschenken – allerdings teilweise nicht in solche von „Bleib’ deinem Becher treu“. Ein Beispiel ist das Lokal „Rentschlers“, gut gelegen an der Rheinpromenade. Immer wieder kommen dort Passanten vorbei, um sich einen Kaffee zum Mitnehmen zu holen. Sie sollen nicht nur aus Wegwerfbechern trinken müssen, betont Geschäftsführer Boris Rentschler. „Beruflich habe ich drei Jahre als Küchenchef in der Schweiz gearbeitet. In dieser Zeit haben wir uns dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Dies wollen wir Stück für Stück auch in unserem Rentschlers einführen“, so Rentschler. Es sei wichtig, auf die Themen Regionalität und Umweltschutz aufmerksam zu machen. Mehrwegbecher gibt es im Lokal heute von der bundesweiten „Recup“-Initiative, die im Stadtrat nicht zum Zug gekommen war. „Recup kennen wir von unseren Urlauben, und mir ist bis jetzt noch keine andere Initiative aufgefallen als diese“, erklärt Rentschler. „Die Becher sehen ansprechend aus und dienen dem Ziel der Müllvermeidung. So tragen wir dazu bei, dass es an der schönen Rheinpromenade etwas weniger Müll gibt.“ Laut dem Geschäftsführer kommt die Initiative sehr gut an, vor allem bei jungen Familien, obwohl es kaum Werbung dafür gegeben habe. Er sei selbstverständlich offen dafür, zum städtischen System „Bleib deinem Becher treu“ zu wechseln, so Rentschler. Auch bei Springers Kaffeemanufaktur im Kornmarkt soll es möglich werden, Pfandbecher der Initiative „Bleib deinem Becher treu“ zu erhalten. „Wir sind mit Sylvia Holzhäuser vom Stadtteilverein West bezüglich der Mehrwegbecher im Gespräch und werden diese dann im Rahmen des Pfandsystems anbieten“, sagt Inhaber Jochen Springer zu. Seine Kaffeemanufaktur bietet jetzt schon sogenannte Ecoffee-Becher an, die aus Bambus bestehen und nahezu vollständig recycelbar sind. Bei Tchibo als großer „Kaffeebar“ in der Fußgängerzone gibt es ebenfalls jetzt schon die Möglichkeit, eigene Mehrwegbecher zu verwenden. Der saubere Becher wird nach einer Sichtkontrolle mithilfe eines Alukännchens mit dem gewünschten Getränk befüllt, es gibt also keinen direkten Kontakt mit der Maschine. Aufgrund der Vielzahl der Filialen in Deutschland konzentriert sich das Unternehmen nach eigener Mitteilung auf übergreifende Systeme wie „Recup“. Es könne nicht auf einzelne Stadt-Initiativen eingehen, so eine Sprecherin. „Die Kundennachfragen wachsen, aber auf niedrigem Niveau, junge Kunden sind meist interessierter als ältere“, sagt sie. Keine Beteiligung wird es auch am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus geben, das eine große Cafeteria betreibt: Aus hygienischen Gründen ist es dort nicht erlaubt, mitgebrachte Mehrwegbecher zu verwenden. Die täglich 30 ausgegebenen Plastikbecher würden vor allem von Handwerkern rund ums Haus genutzt, die meisten Kunden blieben zum Kaffeetrinken sitzen, so eine Sprecherin.

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