Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Zahntechnikerin gibt Menschen ihr Lächeln zurück

Ihre Gesellenprüfung hat Zahntechnikern Nadine Lawinsky als Landesbeste absolviert.
Ihre Gesellenprüfung hat Zahntechnikern Nadine Lawinsky als Landesbeste absolviert.

Jung und erfolgreich: Zahntechnikerin Nadine Lawinsky verbindet im Job Kunst mit Hightech. Bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk sicherte sie sich einen ersten Platz.

Nadine Lawinsky liebt Mangas. Und japanische Animationsfilme. Deshalb nutzt sie jede Gelegenheit, um selbst Teil dieser bunten Welt zu sein. Auf Messen beispielsweise. Den sogenannten Manga-Conventions. Dann verwandelt sich die 24-Jährige in eine ihrer Lieblingsfiguren. Trägt eines ihrer selbst designten, selbst gemachten Kostüme. Dass sie ausgebildete Zahntechnikerin ist, kommt ihr beim Anfertigen ihrer Kleider und Accessoires zugute, wie Lewinsky der RHEINPFALZ erzählt.

Seit 2019 arbeitet die Pfälzerin im Dentallabor von Dietmar Wenck und Karl-Heinz Müller in Landau. Zunächst als Praktikantin, später als Auszubildende und inzwischen als Gesellin. Bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk 2023 — einem jährlich organisierten Berufswettbewerb, der in über 130 Gewerken und in bis zu vier aufeinander aufbauenden Ebenen (Kammer-, Landes- und Bundesebene) ausgetragen wird — sicherte sich Lawinsky den ersten Platz auf Landesebene.

Abitur nicht der Königsweg

„Ich habe genau den Beruf gefunden, der zu mir passt. Ich bin glücklich. Und habe nie bereut, dass ich die Schule abgebrochen habe“, sagt die junge Frau, ihre Stimme gegen das laute Surren und Dröhnen der Maschinen im Labor erhoben. Hier, bei der Arbeit, trägt sie Kasak. Berufskleidung. In Dunkelgrau. Zusammen mit schwarzen Jeans. Ihre dunkelbraunen Haare sind zusammengebunden. Einzig der lilafarbene Lidstrich auf ihren Augen lässt ihr Faible für bunte, außergewöhnliche Kostüme erahnen.

In der zwölften Klassenstufe machte Lawinsky, die in Billigheim-Ingenheim zu Hause ist, Schluss mit der Schule. Die Reifeprüfung als Königsweg — das sei zwar lange ihre Vorstellung gewesen; aber sie habe sich irgendwann eingestanden, dass das Abitur nicht ihr Ding ist. Lawinsky zog es eher ins Handwerk, wie sie erzählt. Mit den Händen habe sie schon immer gern gearbeitet. Stichwort Kostüme.

Zahntechnik bietet Vielfalt

Sie machte also ein Praktikum und landete einen beruflichen Volltreffer: im Dentallabor, in dem die 24-Jährige heute noch arbeitet. Als Zahntechnikern ist Lawinsky Expertin für Zähne und Kiefer. Sie arbeitet mit Zahnärzten und Patienten zusammen. Fertigt Zahnersatz und andere zahntechnische Produkte an. Vom künstlichen Gebiss über Brücken und Prothesen bis hin zu Aufbiss- oder Knirscherschienen. Sie modelliert, gießt und gipst. Brennt, schleift und poliert. Passt an, reinigt und repariert. „Meine Arbeit ist vielfältig. Das gefällt mir. Aber nicht nur das“, sagt die Gesellin, während sie nach dem 3-D-Drucker im Nebenraum schaut. Im Innern der Maschine entsteht gerade ein Abdrucklöffel. „Die Zahntechnik wird immer digitaler“, merkt sie an, geht anschließend zurück in den Keramikraum.

Mit Meisterbrief zur Uni

Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum Zahntechniker. Voraussetzung ist — je nach Betrieb — mindestens die Berufsreife. Seit den frühen Dreißigerjahren ist der Beruf, der weitaus älter ist, als selbstständiges Handwerk anerkannt. 2023 zählte der Zentralverband des deutschen Handwerks 7240 Zahntechniker-Betriebe bundesweit. 246 weniger als im Jahr zuvor. „Feingefühl, aber auch technisches und medizinisches Interesse sollte man für den Job mitbringen“, erklärt Lawinsky. Auf dem Stundenplan stünden Fächer wie Anatomie oder Knochenhistologie. Zur Berufsschule ist die Pfälzerin in Ludwigshafen gegangen. Dort hat sie herausgefunden, dass ihr das Unterrichten liegt. „Ich habe mit Mitschülern zusammen gelernt und gebe weiterhin Nachhilfe. Ich könnte mir gut vorstellen, später einmal als Berufsschullehrerin zu arbeiten“, erzählt die Zahntechnikerin. Als Landessiegerin jedenfalls hat sie Chancen auf ein Weiterbildungsstipendium. Das Auswahlverfahren laufe noch, berichtet Lawinsky, die auf eine Zusage hofft. Ihr Ziel: der Meisterbrief. Mit ihm könnte sie sogar studieren — auch ohne Abitur.

Nachwuchssorgen

„Gymnasien sollten Schüler noch viel mehr an das Thema Ausbildung heranführen. Damit diese Alternativen zum Abitur kennenlernen können. Leider entscheiden sich immer noch zu viele junge Leute gegen eine Ausbildung, weil sie glauben, damit kommen sie schlechter weg“, bedauert die Gesellin, deren Eltern ebenfalls Handwerker sind. „Zu Beginn meiner Ausbildungszeit gab es hier im Labor insgesamt sechs Auszubildende, aktuell sind es drei. Es ist schwer, Nachwuchs zu finden.“ Ein allgemeiner Teufelskreis, wie sie bemerkt: denn ohne Nachwuchs, keine Fachkräfte und ohne Fachkräfte keine Ausbildungsbetriebe. „Selbst an der Schule spürt man diese Entwicklung immer deutlicher — die Berufsschullehrer fehlen“, sagt Lawinsky, die sich auf das Fertigen von Keramik-Zahnersatz spezialeren möchte.

Digitalisierung verändert Zahntechnik

Klar, auch in ihrem Beruf gebe es Schattenseiten. Nicht selten arbeite sie unter Zeitdruck. Die Maschinen lärmten, der Kunststoff beiße in der Nase. „Aber die schönen Dinge überwiegen“, sagt sie. Ihr gefalle, dass ihr Job Handwerk, Kunst und Hightech miteinander verbinde. Mit dem 3-D-Drucker beispielsweise könne sie individuelle Löffel für die Abformung von Gebissen herstellen. Die dentale Welt sei im Wandel. Digitale Geräte und Software unterstützten zunehmend die Arbeit von Zahntechnikern. „Für uns bedeutet Digitalisierung Zeitersparnis und Arbeitserleichterung“, sagt Lawinsky. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Fachkräfte fehlten, die Gesellschaft älter und Zahnersatz immer mehr gefragt werde. Inzwischen sei es sogar möglich, dass ein Zahnarzt den Mundraum eines Patienten scannt, die Bilder dem Zahntechniker digital übermittelt und dieser am Computer ein 3-D-Modell des Gebisses erstellt. „Der Drucker macht daraus dann ein Kunststoffmodell“, erklärt Lawinsky. Deren Begeisterung für die moderne Technik in jedem Satz mitschwingt.

Ein kreativer Beruf

Doch etwas begeistert sie noch viel mehr, wie sie sagt: dass sie auch in ihrem Job kreativ sein kann. Also nicht nur zu Hause beim Zeichnen und Designen ihrer Anime-Kostüme. Zahntechnik, schwärmt Lawinsky, sei eine Kunst für sich. All die Farben und Materialien sowie das Gespür für Ästhetik und das Fingerspitzengefühl, die es brauche, um künstliche Zähne zu erschaffen, die dem natürlichen Zahn zum Verwechseln ähnlich sehen. „Dafür gebe ich alles“, sagt die Pfälzerin.„Was ich an meinem Job liebe, ist, dass ich Menschen ihr Lächeln zurückgeben kann.“

Und dann verrät sie noch das: Als Zahntechnikern kenne sie sich mit unterschiedlichsten Werkstoffen aus — mit Gips-, Wachs-, Gold-, Keramik- und Kunststoffen. „Ich weiß, wie man diese mischt, formt, verbindet und schleift. Und das kommt mir beim Anfertigen meiner Kostüme zugute. Ich arbeite viel mit Kunststoff, fertige meine Accessoires damit selbst an. Ein Schwert beispielsweise“, erzählt Lawinsky, deren Augen mit dem fein geschwungenen, lilafarbenen Lidstrich dabei genauso strahlen wie beim Erzählen von ihrer Arbeit.

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