Landau „Wir wollen die Männer mit Fußball abholen“
«Knittelsheim.»Das runde Leder lässt nur wenige Männer kalt. Das Thema Fußball soll viele Teilnehmer in die Schreibwerkstatt locken, die Horst Kliebe zusammen mit anderen in der christlichen Männerarbeit engagierten Kollegen ab morgen in Knittelsheim anbietet. Unterstützt werden sie vom Herxheimer Sprachkünstler Michael Bauer. Gedanken sollen sich frei entfalten, aber nicht zum Seelen-Striptease ausarten, sagt Kliebe im Gespräch mit Redakteurin Natascha Ruske.
Schön, dass Sie das Bild von den Herren der Schöpfung aufgreifen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Schuhe, die Männer sich anziehen beziehungsweise übergestreift bekommen, zu groß sind. Fußball ist da eigentlich nur eine Metapher und in diesem Sinne versuchen wir, die Männer über das Thema Fußball abzuholen. Am Ende sollen die Teilnehmer sich und ihre Texte in einer Lesung präsentieren. Was wollen Sie noch mit dem neuen Angebot erreichen? Heutzutage lässt sich nahezu niemand mehr, ob männlich oder weiblich, für ein kontinuierliches, regelmäßiges Engagement gewinnen. Vielleicht schaffen wir es, dass die Teilnehmer sich für einen überschaubaren Zeitraum mit Themen oder Fragestellungen auseinandersetzen, die sie im Sportverein, am Stammtisch, oder mit Kollegen nicht ansprechen. Die da wären? Das kann eine ganze Reihe sein. Es gibt garantiert Männer, die zum Beispiel familiäre Probleme haben, Probleme mit ihrer Rolle oder der Kindererziehung. Männer reden da nicht gern drüber, sie funktionieren, wenn sie gebraucht werden. Die Geschlechterrollen haben sich gegenüber früher verändert. Braucht der Mann eine Gruppe, um seine Identität zu schärfen? Ich bin davon überzeugt, dass die Männer durch die stark veränderte Arbeitswelt – Stichwort Digitalisierung -, in der sie mehrheitlich nicht mehr ihre Vorteile durch körperliche Kraft ausspielen können, andere Kompetenzen revitalisieren oder sogar erst erwerben müssen. Dazu kann ein Austausch unter Geschlechtsgenossen hilfreich sein. Es sind Männer angesprochen, die „endlich die richtigen Worte finden wollen“. Bedeutet das, Männer liegen häufig verbal daneben? Das will ich mit der Formulierung nicht ausdrücken. Hier geht es tatsächlich um das Handwerk: Schreiben. Andererseits sind Männer in aller Regel nicht sehr kommunikativ. Außer beim Fußball. Geht es noch um andere Themen, müssen die Teilnehmer Angst vor einem Seelen-Striptease haben? Die Männer werden sicher zu keiner Gruppenaufstellung aufgefordert oder ermuntert, einen Stuhlkreis zu bilden. Es wäre natürlich toll, wenn die Gespräche mit unserem Mediator Michael Bauer so anregend sind, dass sich in Folge dabei Gedanken frei entfalten, die Inneres nach außen kehren und dann in lyrischer oder prosaischer Form zu Papier gebracht werden. Was bedeutet Männerarbeit und welche Angebote gibt es noch im Kirchenbezirk Germersheim? Man könnte die Männerarbeit als Pendant zur Arbeit der evangelischen oder katholischen Frauenbünde sehen, die in vielen Kirchengemeinden sehr aktiv sind. Männer stellen zwar üblicherweise bei Gemeindefesten die Biertischgarnituren auf, bedienen den Grill und stellen den Weihnachtsbaum auf. Sie sind da, wenn sie gebraucht werden. Aber sonst meistens nicht. Da ist Potenzial. Es gibt im Kirchenbezirk und den angrenzenden Dekanaten Männergruppen, etwa in Kandel, die sich monatlich treffen. Sie haben unterschiedliche Konzepte. Allen ist gemeinsam, dass sie aus einer kleinen Keimzelle geduldig über Jahre gewachsen sind. Zur Person Der Diplom-Ingenieur Horst Kliebe ist 67 Jahre alt und lebt seit 1981 in der Pfalz. Seit 2013 ist er im Presbyterium der Kirchengemeinde Bellheim-Knittelsheim. Kliebe ist außerdem Mitglied im Bezirkskirchenrat und der Landessynode. Termin „Fußballtexte - nur für Männer“ lautet die Auftaktveranstaltung zur Schreibwerkstatt mit Michael Bauer am morgigen Donnerstag, 31. August, 19.30 Uhr, im Seminarhaus Kliebe, Ludwigstraße 4, Knittelsheim. Eintritt 5 und 2,50 Euro (Sitz-/Stehplatz). Auch Frauen sind eingeladen. Sofern sich im Anschluss ein Männerkreis bildet, wird Michael Bauer, Erfinder des „Klääne Pälzers“, an fünf Abenden formale Regeln beim Schreiben erklären und den Teilnehmern helfen, Wort- und Sprachwitz zu entwickeln. Anmeldung bei Horst Kliebe, Telefon 06348 8918, Willi Kwade, 06344 5150, oder Gerd Humbert, Telefon 0631 3642107. | Interview: Natascha Ruske