Landau
Wie funktioniert die Corona-Notbetreuung in den Kitas?
„Ich habe alle Eltern persönlich angerufen und sie über die Notbetreuung aufgeklärt“, berichtet Ricarda Timm, Leiterin der Kindertagesstätte Kugelstern in Edenkoben. Es ist Mittwoch, 11 Uhr. Normalerweise wuseln um diese Uhrzeit zahlreiche Kinder durch die Einrichtung. Wenn alle da sind, zählt Timm 75 Knirpse. Jetzt, in der Coronakrise, sind es gerade einmal drei. Die Kitaleiterin ist – genau wie Kolleginnen aus anderen Einrichtungen – dazu angehalten, nur noch im absoluten Notfall Kinder aufzunehmen.
Die Notbetreuung richtet sich vornehmlich an Eltern, die sogenannte systemrelevante Berufe ausüben. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise Ärzte, Pfleger und Polizisten oder Lehrer, Energie- und Wasserversorger. So definiert es das Landesjugendamt. Aber auch andere Eltern, die überhaupt keine Möglichkeit haben, daheim zu bleiben oder ihre Kinder anderweitig unterzubringen, können die Notfallbetreuung in Anspruch nehmen. Vor allem Alleinerziehenden soll geholfen werden. „Die Eltern sind alle sehr verständnisvoll. Es haben sich nur Eltern gemeldet, bei denen wirklich Not am Mann ist“, berichtet Timm.
Eltern geben Kinder am Eingang ab
Auch die anderen Erzieher aus der Region loben die Eltern. „Alle sind sehr bemüht“, sagt Vera Haug von der Protestantischen Kindertagesstätte Haus für Kinder in Landau. Maximal zehn Kinder – so sieht die Planung vieler Kitas aus. In der ersten Woche schwankten die Zahlen bei den Einrichtungen, mit denen die RHEINPFALZ gesprochen hat, jedoch zwischen null und fünf Lütten. Lena Wind, Pressesprecherin der Stadt Landau, berichtet von zwei bis acht Kindern in den kommunalen Kitas.
Wer sein Kind in die Notbetreuung bringt, muss Regeln beachten. Einige Tagesstätten verlangen beispielsweise eine Bescheinigung vom Arbeitgeber oder eine schriftliche Begründung der Eltern für die Nutzung der Notbetreuung. Auf jeden Fall wird in allen Einrichtungen genau dokumentiert, wer sein Kind von wann bis wann bringt. Und wer es betreut. Leiterin Annika Hölscher von der Katholischen Kita in Queichheim berichtet, das sich Eltern von ihrem Spross draußen vor der Tür verabschieden müssen. Drinnen angekommen, waschen sich die Kinder direkt ihre Hände. Auf Hygiene wird jetzt noch strenger geachtet. Die Eingangstür ist abgeschlossen. Wer sein Kind bringt oder abholt, muss klingeln.
„Jungen und Mädchen singen das Wort Corona“
Auch viele andere Kitas machen das so. Da in der Notbetreuung kein Mittagessen angeboten wird, werden die Eltern gebeten, Lunchpakete mitzugeben. Doch viele Kinder besuchen die Notbetreuung nur stundenweise, wie die Einrichtungsleiter berichten. Die meisten werden um die Mittagszeit abgeholt, erklärt Hans-Jürgen Breitwieser. Der Leiter der Kita Tausendfüßler in Klingenmünster erzählt auch von der kindlichen Unbekümmertheit seiner Schützlinge: „Die Jungs und Mädchen springen im Hof umher und singen das Wort Corona. Oder sie denken sich Reime damit aus.“ Das Wort ist im Alltag überall präsent, da sei es völlig normal, dass die Kinder es aufschnappen. Und dann sagt er lachend: „Wir haben mehr Erzieherinnen als Kinder hier. Das ist wahrer Luxus.“
Die Mitarbeiter aller Kitas – viele arbeiten in zwei Schichten, damit im Falle einer Erkrankung nicht das ganze Team betroffen ist – versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. „Wir erledigen jetzt das, was über Jahre liegen geblieben ist“, sagt Vera Haug, die derzeit ihren Computer entrümpelt. Auch ohne Kinder gibt es nämlich viel zu tun. Die einen Erzieherinnen erarbeiten Konzepte für die Zeit, wenn das neue Kita-Gesetz in Kraft tritt. Die anderen putzen und renovieren, bilden sich weiter, schreiben Lernberichte oder bereiten schon einmal die Weihnachtszeit vor. „Was wir jetzt vorbereiten können, machen wir. Umso mehr Zeit haben wir für die Kinder, wenn es wieder losgeht“, erklärt Annika Hölscher.
„Komisches Gefühl, hier ohne die Kleinen zu sein“
„Trotzdem wäre es mir lieber, die Kinder hier zu haben“, bemerkt Laura Morgen vom Landauer Waldorfkindergarten. Und auch Meike Scharfenberger, die bei der Katholischen Kita in Edesheim arbeitet, sagt: „Es ist ein komisches Gefühl hier zu sein ohne die Kleinen.“ Es sei viel zu still im Haus, eine ungewohnte Situation, berichten auch die anderen Erzieherinnen. Umso wichtiger ist es ihnen, für ihre dagebliebenen Schützlinge eine gewisse Routine aufrechtzuerhalten. Das können etwa vertraute Lieder, Spiele oder die gewohnte Erzieherin sein. In der ersten Woche nahmen nur wenige Eltern die Notbetreuung wahr. Die Kitaleiter erwarten jedoch, dass sich der Bedarf steigert, je länger die Kitas geschlossen bleiben.