Kreis Südliche Weinstrasse RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Vatertag in der Südpfalz gefeiert wird

Hoch die Gläser: Eine Männergruppe aus Queichheim gönnt sich auf dem Dorfplatz in Hainfeld eine Pause.
Hoch die Gläser: Eine Männergruppe aus Queichheim gönnt sich auf dem Dorfplatz in Hainfeld eine Pause.

Am Vatertag sind gewöhnlich unzählige Männergruppen an der Weinstraße unterwegs, um den freien Tag mit ihren Freunden zu genießen. Doch ist ihnen auch dieses Mal, in Zeiten von Corona, nach Feiern zumute? RHEINPFALZ-Mitarbeiter Heinz Lambert zwischen Edenkoben und Albersweiler etwas umgeschaut.

Sind die Väter auch dieses Mal in Feierlaune? In einer Zeit, in der Corona uns absolut im Griff hat, Abstandsregeln gelten und Zusammenkünfte nur zwischen Personen aus maximal zwei verschiedenen Haushalten erlaubt sind? In Zeiten, in denen selbst der Bollerwagen nur von Menschen gezogen werden darf, die in einem Hausstand leben lautet die Frage: Werden die Regeln eingehalten oder heißt es vielleicht sogar „jetzt erst recht“? Eines sei vorweggenommen: Der Bollerwagen ist zumeist in der Garage geblieben.

Meine Rundfahrt beginnt kurz vor elf Uhr an einer Tankstelle an der Weinstraße in Edenkoben. Wie es sich gehört, betrete ich den Laden mit einer Mundschutzmaske. Im Außenbereich verhalten sich vier Herren – sagen wir Mal: auffällig. Jeder mit einer Dose Bier bewaffnet, die Abstandsregeln gänzlich ignorierend, tauschen sie krude Verschwörungstheorien aus. Da kann und will ich nicht länger hinhören und fahre vom Hof.

Mann fällt vom Rad

Kurz vor Rhodt will ein Mittsiebziger mit seinem Fahrrad die Straße überqueren. Als ich angefahren komme, steht er schon direkt auf der Straße. Ich stoppe ab. Der Mann will anfahren, fällt aber vom Rad. Alkohol ist sicher nicht im Spiel, aber der Umgang mit dem neuen E-Bike bereitet ihm offenbar Schwierigkeiten. Glücklicherweise ist ihm nichts passiert.

Die Theresienstraße, die um diese Zeit stark frequentiert wäre, wirkt wie im Dornröschenschlaf. Zwar kommt nach den Lockerungen der Corona-Beschränkungen langsam etwas Leben auf, die Situation ist aber bei weitem nicht vergleichbar wie in Vor-Corona-Zeiten. Dennoch staune ich, welche Kennzeichen ich bei den geparkten Autos ablesen kann. HH, HN, HP, KG, LDK, MIL, RT, S, UN. Die ganze Republik scheint vertreten zu sein. Der zuletzt vielzitierte Slogan „Wir bleiben zu Hause“ wird wohl nicht von allen zu Herzen genommen.

Da ist er, der Bollerwagen

Einen ersten Bollerwagen entdecke ich dann doch zwischen Rhodt und Hainfeld, aber nicht wie es sonst am Vatertag üblich ist. Ein Papa zieht nämlich seine beiden kleinen Sprösslinge, die im Wagen sitzen, während Mama gut gelaunt hinterherläuft. Beim Weingut Bernhard Koch, bekannt für sein Motto „Wanns Licht brennt, isch uff“, wäre gewöhnlich die Hölle los. Doch der „Koch-Stand“ ist geschlossen. Die Bänke und Stühle sind beiseite geräumt, sodass sich hier niemand niederlassen kann.

Weiter geht die Fahrt an Burrweiler vorbei Richtung Gleisweiler. Auf dem Platz des Boule-Clubs „Allah Hopp“ frönen zehn Personen ihrem Hobby mit den Metallkugeln. „Ohne Corona wären an Tagen wie diesem 25 bis 30 Leute hier“, sagt Thomas Walk, der für die Einhaltung der Regeln sorgt. Alle gehen auf Abstand, so wie es sich gehört.

Paare und Familien in der Überzahl

In Frankweiler hat die Weinbar Müller geöffnet. Hier treffe ich auf Paare und Familien, die sich mit ausreichend Abstand zueinander anstellen und wie gefordert ihre Namen und sonstigen Daten auf Zetteln eintragen. Der Innenbereich ist geschlossen, dafür lässt es sich draußen bei herrlichem Sonnenschein sehr gut sitzen.

In Siebeldingen und Albersweiler fährt der ein oder andere Radfahrer vor mir her oder kommt mir entgegen. Recht groß ist die Anzahl der Motorradfahrer, die auf der Weinstraße unterwegs sind. Kurz nach zwölf Uhr erreiche ich mein nächstes Zwischenziel, den Marienhof in Flemlingen. Hier besteht die Klientel aus Familien, Paaren und Alleinstehenden. Am Nachbartisch haben zwei Paare Platz genommen. Eines aus Herxheim und eines aus Fulda. „Wir wollten mit unseren Freunden aus Hessen einfach mal wieder in einem Lokal essen gehen. Normalerweise wären wir beim Sandbahnrennen in Herxheim, aber das fällt ja in diesem Jahr leider aus“ erklärt der Herxheimer.

Was es mit dem Feiertag auf sich hat

Seit 1934 ist Christi Himmelfahrt in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag, der bekanntermaßen auch als Vatertag begangen wird. Die Wanderungen und Radtouren sollen möglicherweise einen Bezug zur Apostelprozession haben, bei der die Jünger Jesu zum Ölberg gingen. Zurückzuführen ist die Gestaltung dieses Tages wohl aber auf die Tatsache, dass schon Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung jährlich eine Herrentagspartie unternommen wurde, um die jungen Männer in die Sitten und Unsitten der Männlichkeit einzuführen. Dazu zählten auch das Trinken, Rauchen und die Unterhaltungen über Frauen. Auf den Planwagenfahrten oder Wanderungen mit Bollerwagen wurde genau wie heute viel Alkohol getrunken und ausgelassen gefeiert.

Von Männergruppen, die ich sonst an diesem Tag auf den Straßen, in den Lokalen und Winzerhöfen treffen würde, fehlt jede Spur. „Vielleicht treffen sie sich privat und feiern in den Weinbergen der Umgebung“, mutmaßt Nicole Weber vom Marienhof. Sie geht davon aus, dass das Geschäft im Laufe des Nachmittags zunehmen wird, ein „normaler“ Vatertag sähe aber ganz anders aus.

Wofür eine Mundschutzmaske gut sein kann

Im Restaurant „Am Dorfbrunnen“ in Hainfeld und beim „Weinsticher“ in Rhodt sehe ich ebenfalls überwiegend Paare und Familien sitzen. Der nächste Halt ist beim „Graf von Weyher“. Wie gefordert, fülle ich das DIN-A4-Blatt mit den gewünschten Daten aus und gönne mir eine Silvanerschorle. Ich mache eine interessante Beobachtung: Ein Mann funktioniert seinen Mund- und Nasenschutz kurzentschlossen um. Er nutzt diesen, um seine Glatze vor der prallen Sonne zu schützen. Diese Kreativität spricht auch Jürgen Graf an. „Man muss in diesen Zeiten Ideen haben, wenn es um das Umsetzen, der aus meiner Sicht immer noch nötigen Regeln geht. Das ist hier bei uns gut machbar. Ich habe Bekannte und Freunde in der ganzen Welt. Ich muss sagen, dass es uns in Deutschland auch in diesen Zeiten verhältnismäßig gut geht. Hier wird auf hohem Niveau gejammert. Da muss man sich mal die Umstände in anderen Ländern betrachten.“

Ich beende meine Exkursion gegen 14.30 Uhr. Vielleicht herrscht später etwas mehr Verkehr auf den Straßen und mehr Betrieb in den Lokalitäten. Wie sich später herausstellen wird, hatte unser Fotograf Björn Iversen etwas mehr Glück: Er bekam Männergruppen vor die Linse, unter anderem auf dem Hainfelder Dorfplatz, in Rhodt und in Weyher. Dennoch kann ich für mich festhalten: Es ist ein Vatertag der etwas anderen Art. Schön war aber zu beobachten, wie diszipliniert die Menschen unterwegs waren. Die Polizei und die Mitarbeiter des Ordnungsamts dürften nicht gefordert gewesen sein. Wenn Mütter am Muttertag im Kreis der Familie feiern, dann können dies auch die Väter am Vatertag mal tun. Die Tour mit Freunden wird für die Herren hoffentlich schon bald wieder möglich sein.

Prost: Auch auf einer Sitzbank in der Theresienstraße in Rhodt lässt es sich genießen.
Prost: Auch auf einer Sitzbank in der Theresienstraße in Rhodt lässt es sich genießen.
Auch in Weyher waren Männergruppen unterwegs, hier auch mit dem nötigen Abstand.
Auch in Weyher waren Männergruppen unterwegs, hier auch mit dem nötigen Abstand.
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