Landau Wider die Sprachlosigkeit

Christine Reinhardt, Leiterin der Kita Arche Noah, mit den Kindern.
Christine Reinhardt, Leiterin der Kita Arche Noah, mit den Kindern.

Sprache ist etwas ganz Alltägliches. Mit Worten belohnen, ermahnen, schmeicheln oder erziehen – Gefühle und Momente vermitteln, stehen da im Vordergrund. Doch die Sprache kann, wenn sie nicht gepflegt wird, einfach so wegsterben. Im Moment ist der Trend, so wenig wie möglich Kommunikation auszuführen, vor allem bei den Jugendlichen. Da heißt es: „Kino?“ oder „Gib ma Butter!“. Und außer einem verblüfften „Hä?“ kann man darauf kaum anderes antworten.

Um diesem schleichenden Trend der „sehr wenigen Worten“ entgegenzutreten, gibt es unter anderem Sprachförderung in den Kindergärten, die vom Bundesministerium für Familie gefördert wird. Denn auch Kinder und Jugendliche in Kitas oder Grundschulen gehen in die Richtung der alltäglichen Sprachlosigkeit. Die Kita „Arche Noah“ in Annweiler hat die Zeichen der Zeit erkannt und hält dagegen. Gegen Wortarmut und das Fehlen der Wortklangwelten, die doch für jeden Menschen so wichtig sind. Die Kita ist nun eine Sprach-Kita geworden, ausgezeichnet vom Bundesbildungsministerium. Nun präsentiert eine Tafel die Einrichtung als Sprach-Kita im Bundessprachprogramm „Frühe Bildung – gleiche Chancen“. „Weil die Sprache der Schlüssel zur Welt ist“, erklärt die Kita-Leiterin Christine Reinhardt. „Diese Sprachförderung ist unglaublich wichtig. In ganz normalen Situationen wird da nicht nur das Formen von ganzen Sätzen erlernt, sondern auch Höflichkeit, Anstand, Aufmerksamkeit und Respekt.“ Als Beispiel führt Reinhardt, die seit 2013 Leiterin der Kita ist, den Umgang während eines Frühstücks auf. Messer, Löffel, Brötchen, Marmelade werden mit Namen benannt und gleich ganze Sätze gebildet, wie: „Kannst du mir die Butter geben, bitte?“ Das ist genau das Bestreben des Bundesprogramms: In vertrauter Umgebung Sprache spielerisch lernen. Dies gelte, so die Kita-Leiterin, „für alle Kinder unserer Kita. Wir legen auf eine alltagsintegrierte sprachliche Ausbildung in starker Zusammenarbeit mit den Eltern wert“. Die „Arche Noah“ besuchen 78 Kinder, die von zwölf Mitarbeiterinnen betreut werden. Unter drei Jahren sind neun Kinder dabei. Und auch bei den Kleinen wird diese Sprachförderung altersgerecht eingesetzt. Maxim (4) ist seit August in der Kita und antwortet seiner Mutter auf Deutsch, auch wenn diese ihn auf Russisch anspricht. Und Roland gibt beiden Sprachen, Deutsch und Russisch, eine Chance. Die fünfjährige Runa spricht nur Hochdeutsch. Christine Reinhardt bemerkt, dass alle die hochdeutsche Sprache propagieren, allerdings der Pfälzer Dialekt gewünscht wird: „Schließlich leben wir in der Pfalz und unser Dialekt ist wichtig.“ Praktiziert wird die Montessori-Pädagogik, die mit dem Projekt der Sprach-Kitas einhergeht. Alljährlich gibt es 25.000 Euro, die zweckgebunden für die Personalausgaben einer qualifizierten Fachkraft für sprachliche Bildung sowie für die damit verbundenen Sachausgaben, wie Bücher und Hör-CDs gewährt werden. Die Fachkraft, die voraussichtlich im Herbst dieses Jahres kommen wird, schult auch das Personal für die Weiterentwicklung der Sprach-Kita-Prozesse.

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