Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Wettergott hat zu spät ein Einsehen

Im Weingut Siener in Birkweiler füllten sich nach dem Regenschauer am Sonntag die Plätze.
Im Weingut Siener in Birkweiler füllten sich nach dem Regenschauer am Sonntag die Plätze.

Rechtzeitig zu Pfingsten fiel in Stadt und Kreis die Bundesnotbremse. Gastwirte dürfen ihre Terrassen wieder bespielen. Gäste müssen allerdings einen negativen Corona-Test vorlegen, wenn sie sich dort niederlassen. Ist das Angebot angenommen worden?

Für beide Seiten, Betreiber wie Besucher, war das Wetter eine entscheidende Komponente bei der Planung des Pfingstwochenendes. Schließlich ist die Gastronomie noch auf den Außenbereich beschränkt. Das wird sich erst ändern, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 fällt. Nebenbei: Das Landesuntersuchungsamt in Mainz gibt die Inzidenz an Pfingstmontag für den Kreis SÜW mit 56,1 an, für Landau mit 49,1 und für den Kreis Germersheim mit 21,1. Allerdings sind die Zahlen am Wochenende oder an Feiertagen mit Vorsicht zu genießen, weil nicht alle Meldungen enthalten sind.

Der Wettergott entpuppte sich am Sonntag zunächst nicht wirklich als „Teamplayer“. Immer wieder zeichnete Spielregisseur Petrus für „Fritz-Walter-Wetter“ verantwortlich, sprich teils kräftigen Regen. So hielt sich der Andrang der Besucher in der Mittagszeit noch sehr in Grenzen.

Im Mantel hinsetzen?

Bei ungemütlichen 12 Grad und böigem Wind schlenderte gegen Mittag eine ältere Dame am Weinkontor in Edenkoben vorbei. Auf die Frage, ob sie die Möglichkeit nutzen wolle, endlich mal wieder in ein Lokal zu gehen, antwortete sie: „Glauben Sie ernsthaft, dass ich mich hier im Mantel hinsetze, nur um ein Glas Wein zu trinken? Nein, das muss ich nicht haben.“ Eine Dame und vier Herren, ganz offensichtlich schon im Rentenalter, trotzten hingegen in ihren Jacken den Unbilden des Wetters und gönnten sich alle ein Viertel Wein. Doch schon schlug Petrus zu und schickte kübelweise Regen vom Himmel. Glück für die älteren Herrschaften, dass sie unter einem nun zum Regenschirm mutierten Sonnenschirm Platz genommen hatten.

Weiter ging es in Richtung Landau, wo auf der L516 einige Radfahrer gegen den von vorne angreifenden Wind ankämpften. Auch der Regen prasselte weiter herab. Rechtzeitig beim Eintreffen am Rathausplatz aber riss der Himmel auf. Vor dem Bistro Mago hatten einige Leute Platz genommen, so auch Lina, Mike und Sebastian. Zur Frage, ob es belastend sei, sich extra testen lassen zu müssen, nur um mal im Lokal etwas zu trinken und zu essen, sagte Mike: „Nein, überhaupt nicht. Das ist es uns wert.“ Und Lina ergänzte: „Wir sind einfach froh, hier mal wieder etwas trinken zu können, Freunde zu treffen und sich schön zu unterhalten.“

Das Wetter spielt nicht mit

Auf der anderen Seite des Rathausplatzes hatte das Bistro seine Tore geöffnet. Während die einen sich nur ein Getränk servieren ließen, gönnten sich andere bereits ein schmackhaftes Essen, das ihnen von Ober Salvatore gereicht wurde. Obwohl das Lokal endlich wieder geöffnet hatte, war der Italiener etwas traurig. „Da freut man sich, dass man nach so vielen Monaten endlich wieder arbeiten und die Gäste bedienen darf, und dann spielt das Wetter nicht mit.“ Zwar sollten der Nachmittag und der Vormittag des Pfingstmontag besser werden, aber die Vorhersagen für den Montagnachmittag standen schlecht.

In der Fußgängerzone, wo gegen 13.30 Uhr keine Gefahr bestand, die Abstandspflicht nicht einzuhalten, waren Mia und Henni unterwegs, zwei junge Damen, die in Landau auf Lehramt studieren. Gemeinsam mit Mias Schwester Fee aus Fulda und deren Freund Eli aus dem schwedischen Uppsala, kamen sie von der Corona-Teststation auf dem Rathausplatz. Mit dem Negativ-Ergebnis in der Tasche steuerten auch sie das Mago an. „So, und nun trinken wir uns das Wetter schön“, rief Henni freudig aus. In den Eiscafés Bertolini und Zandonella griffen Gäste statt zu Glasschalen voller Eis bei nur 12 bis 16 Grad doch lieber zu Kaffee, Espresso und Cappuccino.

Andrang hält sich in Grenzen

Auch nicht viel besser war die Lage auf der Wagner-Ranch in Herxheim. Nach einem Wolkenbruch waren gerade einmal zehn Personen zu sehen, die das Glück hatten, dass die Wolken langsam doch etwas Himmelblau durchließen.

Im Birkweilerer Weingut Siener füllten sich die Plätze, nachdem ein weiterer kräftiger Schauer ausgestanden war. Ähnliches war bei der Weinbar Müller in Frankweiler zu beobachten, wo sich gegen 15.30 Uhr mehr und mehr Besucher einfanden.

Der Außenbereich des „Don Camillo e Peppone“ in Gleisweiler ist nicht wirklich wetterunabhängig, auch wenn Inhaber Pasquale Cuscuná mittels Zelten und großen Sonnenschirmen versucht, seinen Gästen einen netten Aufenthalt zu ermöglichen. Cuscuná, dessen Restaurant seit Donnerstag wieder geöffnet hat, sagte sehr offen, dass sich der Besucherandrang noch in Grenzen halte, gerade auch am Sonntag.

„Andererseits bin ich froh, dass wir nach sechs Monaten überhaupt wieder öffnen durften. Wir hatten zwar die ganze Zeit unseren Heimservice angeboten, der auch gut genutzt wurde, aber das ist mit dem normalen Betrieb, wie wir ihn sonst hier im Lokal kennen, überhaupt nicht zu vergleichen.“

Verhaltener Start

Kaum ein Unterschied zu einem normalen Sonntagnachmittag in Nicht-Corona-Zeiten war beim Besuch des Weinguts Bernhard Koch in Hainfeld festzustellen. Im Außenbereich des nicht zuletzt durch seinen Slogan „Wanns Licht brennt is uff“ bekannten Weinpavillons tummelten sich gegen 16.30 Uhr recht viele Gäste. Nur das nötige Tragen einer Mund-Nase-Maske beim Anstehen nach Getränken und Essen zeugte von den Corona-Regeln.

Fazit der Rundfahrt: Hätte der Wettergott etwas früher ein Einsehen mit den Ausflüglern gehabt und der Sonne etwas Vorrecht gegönnt, hätten diese die wiedererlangten Möglichkeiten eines Besuchs der Gastronomie sicher in größerer Anzahl genutzt. Für die Geschäftsinhaber hielt sich aufgrund dieser Tatsache die Freude noch etwas in Grenzen.

Katharina Lederle und Ralf Gemming lassen es sich in Don Camillo in Gleisweiler gut gehen. Pasquale Cuscuná (rechts) hat Zelte a
Katharina Lederle und Ralf Gemming lassen es sich in Don Camillo in Gleisweiler gut gehen. Pasquale Cuscuná (rechts) hat Zelte aufgestellt.
Bei Kochs in Hainfeld war nach dem Regen wieder Betrieb wie an jedem Sonntag.
Bei Kochs in Hainfeld war nach dem Regen wieder Betrieb wie an jedem Sonntag.
Das Angebot des Café Kuntz in der Landauer Marktstraße wurde angenommen.
Das Angebot des Café Kuntz in der Landauer Marktstraße wurde angenommen.
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