Landau Weg aus der Verwirrung

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Mechthild ist verwirrt. Heute Morgen ist sie gestürzt. Jetzt liegt sie hier mit Schmerzen im Arm in einem fremden Bett. Außerdem muss die 79-Jährige mal. Aber wo ist das Klo? Ihr Puls steigt, sie wird panisch. Warum ist es hier so dunkel? Mechthild ist im Krankenhaus. Und im Delir. Das bedeutet, sie ist in einem akuten Zustand der Verwirrtheit, was sich nicht nur negativ auf ihren jetzigen Gesundheitszustand auswirkt. Nach dem Krankenhaus ist sie pflegebedürftiger, als sie es vorher war. Um Mechthild zu beruhigen, kann das Pflegepersonal des Krankenhauses zu Beruhigungsmitteln greifen. „Die bessere Alternative ist aber, die Patientin gar nicht erst in diesen unruhigen Zustand geraten zu lassen“, sagt Christoph Wiegering, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Medizin am Klinikum Landau-Südliche Weinstraße. Das kommunale Krankenhaus hat deshalb 2015 die Arbeitsgruppe „Demenzkompetenz im Krankenhaus“ eingerichtet. Ihr Ziel ist es, Patienten mit Demenz oder anderen Einschränkungen in der Wahrnehmung optimal zu versorgen und zu betreuen. In der Praxis heißt das: Reden statt mit Medikamenten ruhig stellen, Vertrautes schaffen. „Da kann schon ein Anruf beim Ehemann oder der Frau helfen, um eine hochkochende Situation zu entschärfen“, sagt Wiegering. Denn die Patienten sollen nicht noch kränker werden als sie ohnehin schon sind. So wie unserem Beispiel Mechthild geht es 70 Prozent der Krankenhauspatienten ab 65 – sie haben mehrere Erkrankungen gleichzeitig. Zwischen zehn und 15 Prozent sind nicht nur körperlich angeschlagen, sondern auch dement oder anderweitig kognitiv eingeschränkt. Kommen sie ins Krankenhaus, verschlechtert sich ihr Zustand häufig. „Die Folgen eines Delirs können Komplikationen während der Behandlung sein, langfristig gesehen Inkontinenz oder sogar ein kürzeres Leben“, erklärt Wiegering. Vier Stationen hat das Klinikum seit dem vergangenen Jahr umgerüstet. „Das sind die Stationen, von denen wir wissen, dass dort viele ältere Menschen sind“, sagt die Pflegedirektorin Birgit Jäger. In Landau ist das die chirurgische und die internistische Abteilung, in Bad Bergzabern die Innere und in Annweiler die Geriatrie. Im neuen Bettenhaus in Bad Bergzabern hat der Architekt seine Planung auch an dieser Patientengruppe ausgerichtet. Dort wird es Lichtschranken in den Nasszellen, Piktogramme an den Türen zu den Toiletten und Bilder an den Zimmertüren geben. All das soll bei der Orientierung auf den fremden Fluren helfen. Um herauszufinden, ob ein älterer Patient in seiner Wahrnehmung eingeschränkt ist, werden ihm bei der Aufnahme im Krankenhaus mehrere Fragen gestellt. Wie alt der Patient ist, was der Grund für seinen Aufenthalt ist, wie lange die Anreise gedauert und ob er weiß, wo er gerade ist. Das von einem Coach geschulte Personal – Ärzte, Pfleger, Ergotherapeuten und Sozialdienste – kann dann besser einschätzen, was der Patient braucht. Für das Zwischenmenschliche springen die ehrenamtlichen Patientenbegleiter ein. Elke Molzberger und Christa Link leiten die Gruppe der Ehrenamtlichen. Sie selbst waren vor ihrem Ruhestand Stationsleiterinnen in der Klinik und hatten öfter mit dementen Patienten und ihren Ängsten zu tun. „Wir lesen ihnen vor, spielen etwas mit ihnen, zeigen ihnen Bilder von der Pfalz“, sagt Molzberger. Und sie suchen Mitstreiter, die sich stundenweise einbringen wollen. „Da wird niemand ins kalte Wasser geworfen“, versichert Christa Link. Alle Patientenbegleiter bekämen eine Schulung. „Langfristig wollen wir dieses Projekt auf alle Stationen ausweiten“, sagt Guido Gehendges, Geschäftsführer des Klinikums. Angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft müsse die Klinik entsprechend auf die Versorgung dieser Patientengruppe reagieren. Im Alltagsgeschäft bleibe den Ärzten dazu leider oft nicht die Zeit. Umso dankbarer sei das Klinikum für die Hilfe der Patientenbetreuer: „Sie sind für uns unersetzlich.“

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