Landau Vom Wurmberg zum Otterbach gekrochen

Wanderer bei der Drachentaufe: Alois Geörger und Günther Rinck (links) füllen das Glas mit Oberlinwein.
Wanderer bei der Drachentaufe: Alois Geörger und Günther Rinck (links) füllen das Glas mit Oberlinwein.

Ein feuerspuckender Lindwurm war Mittelpunkt des Drachenfestes beim Pfälzerwald-Verein (PWV) Schaidt. Die Wanderer huldigten vergangene Woche einer alten Sage und stellten am Otterbach einen neuen Drachen aus Holz auf.

Das Vereinsfest gibt es seit 2008, die Idee geht auf eine alte Sage zurück. Der Wurmberg in der Nähe von Freckenfeld ist mit 176 Metern der höchste Punkt im Landkreis Germersheim. Vor langer Zeit soll in ihm ein Lindwurm gehaust haben. Der Drache soll jeden Tag zum Otterbach, an dem heute das Fest ausgetragen wird, gekrochen sein, um seinen Durst mit Wasser zu stillen. Um den Drachen ruhig zu stellen, brachten ihm die Menschen der Legende nach ein besonderes Genussmittel, den Oberlinwein. Wenn der Drache diesen getrunken hatte, soll er feuerspeiend aus seiner Höhle gekrochen sein. Da jedoch nach einer gewissen Zeit auch die Menschen ähnliche Symptome wie der Drache zeigten, wenn sie zu viel des guten Tropfens konsumiert hatten, wurde der Oberlinwein verboten. Die Reben wurden verbrannt. Seitdem war auch der Drachen spurlos aus dem Berg verschwunden. Der erste Holzdrachen, der 2008 zur Erinnerung an die Volkssage am Otterbach aufgestellt worden war, war morsch geworden, weswegen er dieses Jahr durch einen Artgenossen ersetzt wurde. Dieser war einmal Teil einer Eiche gewesen, erzählt Alois Geörger, der den Holzstamm gefunden hat: „Auf der Suche nach diesem Fabeltier geht es um den ersten Moment – man muss ein Gesicht in dem Holzstück erkennen.“ Denn der Drache werde nicht geschnitzt, sondern müsse bereits „in irgendeiner Form ins Holz eingekerbt sein“. Die Suche nach einem passenden Stamm gestalte sich daher schwierig. Lediglich ein paar Zähne, Augen, eine Zunge sowie Rückenstacheln aus Holz bekam der Drache, ansonsten wurde die ursprüngliche Form des Astes beibehalten. Der neue Eichendrachen soll sich deutlich länger halten als sein Vorgänger aus Kiefer. Der neue Lindwurm ist seit vergangener Woche am kleinen Begegnungspunkt des Vereins anzutreffen. Dieser befindet sich unter der Eisenbahnbrücke zwischen Freckenfeld, Schaidt und Vollmersweiler am Otterbach. Der Platz war lange Zeit ungenutzt und geradezu verwildert, aber so schön gelegen, dass man daraus etwas machen wollte: Jetzt ist er ein beliebter Treffpunkt für Wanderer und Spaziergänger. Das Drachenfest findet jedes zweite Jahr statt und beginnt mit einer kleinen Wanderung von der Bahnhaltestelle in Schaidt zum Drachenplatz. „Das Fest ist ein einfaches und gemütliches Zusammensein unter Vereinsmitgliedern und oft auch Gästen von anderen Wanderertruppen“, sagt Bruno Heil, der zweite Vorsitzende. Die Stimmung war ausgelassen, da die Besucher zur Akkordeonbegleitung viele Pfälzer Lieder sangen. Das mitgebrachte Liederbuch mussten viele erst gar nicht nutzen. Mit viel Humor trug Günther Rinck lange Mundart-Gedichte vor. „Seine gute Merkfähigkeit wurde schon in Schulzeiten bestaunt“, meinte Heil. Die Sage wurde ebenfalls bestätigt: So manches Kind schaute erstaunt, als das echsenartige Fabeltier ein riesiges Glas voll Oberlinwein leerte und im Anschluss aus beiden Nüstern ein kleines Feuer loderte. Info Der PWV zählt 115 Mitglieder, der Großteil ist bereits im Rentenalter. Der Verein hofft auf Nachwuchswanderer. Jährlich sind etwa 12 Wanderungen im Programm. Weitere Infos auf: www.pwv-schaidt.de.

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