Landau Vom Senner zum Buttern inspiriert

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Um 1900 fanden technische Geräte zur Herstellung von Butter Eingang in die Haushalte. Rahm in Butter umzuwandeln, war allerdings ein kräfteintensiver Prozess. Einige „Marktplatz regional“-Leser besitzen noch Buttergläser, Fässer und Schleudern. Sie haben nach unserem „Gibt es das noch“-Aufruf davon erzählt. Herbert Klein aus Minfeld besitzt sogar einen Themenwagen, der demonstriert, wie die Milch zu Butter wird.

Der ursprünglich aus Scheibenhardt stammende Elektromeister präsentiert sein selbst gebautes Unikat auf Messen und Ausstellungen. Die Anlage zeigt, wie Kleinbauern früher Butter hergestellt haben und besteht aus Originalteilen vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Zur Ausstattung, die der 69-Jährige immer wieder ergänzt oder erneuert, gehören ein Benzinmotor, ein Dreh-Butterfass, ein Elektromotor, eine Butterschleuder, mit der auch Speiseeis hergestellt werden kann, eine Milchzentrifuge und eine Haushaltsbuttermaschine. Einige Teile stammen aus elterlichem Bestand, sagt Klein. Wie er zu seinem Hobby kam, erzählt er mit Begeisterung: „Anfang 2000 wollte ich als damaliger aktiver Bergsteiger bei Oberstdorf den Hindelanger Klettersteig begehen, was mir aber aufgrund der schlechten Wetterlage nicht möglich war. Ich traf einen Senner, in dessen Schutzhütte ich um Einlass bat. Bald stellte sich aufgrund meines Dialektes heraus, dass dessen Frau aus Kandel stammte. So entwickelte sich eine Freundschaft und ich besuchte ihn mehrmals – bis zum heutigen Tag.“ Durch Gedankenaustausch mit dem Senner kam Klein auf die Idee, seine Gerätschaften instand zu setzen, um sie auch auf Ausstellungen zu präsentieren, was fünf Jahre später auch geschah. „Da unsere Kinder und Enkel Milchkühe nur noch in Gebirgsregionen oder im Fernsehen zu sehen bekommen, habe ich mich entschlossen eine Anlage zu erstellen, die ihnen zeigen soll, dass die Butter nicht aus industrieller Fertigung kommt“, sagt der Minfelder. “ Zur Herstellung von einem Kilogramm Butter benötige man 23 bis 27 Liter Frischmilch und für Käse circa 29 bis 31 Liter – je nach Fettgehalt der Milch, ergänzt Herbert Klein. Nach der Teilnahme mit seinem Themenwagen an der „Echt-Dampf-Ausstellung“ in Karlsruhe 2010 wurde Klein für die „Agri historica“ in Sinsheim engagiert, eine Erlebnismesse, die einen Einblick in den ländlichen Alltag früherer Zeiten gibt. Inzwischen habe er so viele Einladungen, dass er sie gar nicht alle wahrnehmen könne – auch bis nach Österreich und Luxemburg. Den 69-Jährigen fasziniert dabei immer wieder, wie Eltern mit ihren Kindern, besonders aber Großeltern mit ihren Enkeln bei ihm stehen bleiben, nachfragen und in Erinnerungen schwelgen. Als Kind habe sie oft beim Bauern Milch geholt, erinnert sich Hannelore Hör (75) aus Hatzenbühl. Ihre Mutter hatte für die Butterherstellung eine außergewöhnliche Methode: „Sie hat ihn in einer Sprudelflasche gemacht.“ Die Mutter habe lange geschüttelt und das total „im Griff gehabt“, berichtet die Hatzenbühlerin. Einige Leute hätten sich damals schon gewundert, wie sie das schafft. Eine ganze Sammlung mit Haushaltsgeräten zum Herstellen von Butter findet sich im kleinen Museum von Hildegard und Alfred Müller in Rheinzabern. Auf einem der vielen Tische in der Ausstellung „Leben und arbeiten früher“ steht ein Butterglas mit einem reichlich rostigen Schlagwerk, an dessen unterem Ende sich eine Holzschaufel befindet. „Ich habe das Butterglas auf einem Flohmarkt entdeckt“, erinnert sich die frühere Bäuerin. Ihre Schwiegermutter habe Butter mit solchen Gläsern hergestellt. Da das Untergefäß aber schnell kaputt ging, setzte ihre Schwiegermutter die manuellen Schlagwerke einfach auf Milchkrüge auf. Hildegard Müller stellte in den Jahren von 1979 bis 1996 selbst Butter für den Eigenverzehr her, nutzte dazu aber schon die Kraft der Elektrizität. Damit die fertig geschlagene, leicht säuerliche Butter auch schön aussah, wurde sie in Holzmodeln geformt oder erhielt einfach mit der Gabel zierende Wellenlinien. Größere Mengen Butter entstanden in Butterfässern, von denen die Müllers auch einige Exemplare im Museum haben. (jopa/naf/bic) Die Serie Einmal im Monat fragen wir in der Serie „Gibt es das noch?“ nach Dingen, die vermeintlich aus dem Alltag verschwunden sind. Wir bedanken uns für alle Leserzuschriften und -anrufe. Leider können wir nicht alle veröffentlichen und bitten um Verständnis. Der nächste „Gibt es das noch?“-Aufruf erscheint am 13. April.

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