Landau
Verkehrswende: Mit Millionen wird Landau zur Radfahrerstadt
Vier Jahre lang flossen Zuschüsse des Bundes für die Ertüchtigung und die Schaffung von Radwegen innerhalb der Stadt. Wie die Modal-Split-Untersuchung des Forschungsprojekts „Mobilität in Städten“ der Technischen Universität Dresden im vergangenen Jahr gezeigt hat, sitzt jeder dritte Verkehrsteilnehmer in Landau auf einem Fahrrad. „Diesen Wert erreicht nicht mal Tübingen“, sagt Ralf Bernhard, Experte der Verwaltung für Straßenverkehr und stellvertretender Bauamtsleiter.
Die guten Werte habe auch der jüngste Fahrrad-Klima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Deutschland (ADFC) in diesem Jahr bestätigt: Danach ragt Landau als Positivbeispiel mit der Spitzenposition im Land und einem Rang 18 von 429 im Bund in der Kategorie 20.000 bis 50.000 Einwohner. Eine weitere Zahl belegt die Bedeutung der Radwege: Allein in diesem Jahr hat die Zählstation der Holzradbrücke über die Bahn in Höhe des Gartenschaugeländes 375.000 Fahrten registriert.
Landau will punkten
Profitiert hat Landau vom Förderprogramm „Klimaschutz durch Radverkehr“ des Bundes. Jetzt will sich die Stadt um die Verbindungen ins Umland kümmern, kündigt Oberbürgermeister Dominik Geißler an und erwähnt einen Termin mit Landrat Dietmar Seefeldt in den nächsten Tagen. „Für die Mittelstadtfunktion braucht es die Verbindungen nach draußen, mit Radwegen und ÖPNV.“ Landau konkurriere mit anderen Städten, der Trend gehe leider zu Metropolen. „Wir haben nur Chancen, wenn wir attraktiv sind.“
Bei den Wegen in den Landkreis sei die größte Herausforderung die Verhandlungen mit Winzern und Landwirten. Als Beispiel nennt Geißler die geplante Pendlerradroute von Landau nach Neustadt. Dafür müssten Rebzeilen zehn Meter verkürzt werden, damit die Traktoren oder Vollernter genug Platz für die Wende hätten, ohne Radfahrer zu gefährden. Laut Geißler geht es um die Finanzierung. Probleme sieht Bernhard beim Anschluss an den Kreis im Süden Richtung Bad Bergzabern. Vor vier Jahren sei eine Machbarkeitsstudie für eine Pendlerradroute in Auftrag gegeben worden. Doch die greife erst, wenn die Strecke Landau-Neustadt umgesetzt sei, denn die gelte als Hauptroute.
Verkehrswende nicht abgeschlossen
In der Landauer Innenstadt ist das Programm vorerst abgeschlossen. Die Projekte reichen von der Ausweisung als Fahrradstraße, zum Beispiel Pestalozzi- oder Wallstraße, über radgerechte Straßenumbauten und Anlage von Fahrradstreifen bis zu barrierefreien Ausbauten. Der Hebel, um am Förderprogramm beteiligt zu werden, waren die über die Stadt verteilten Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universität, erläutert Ralf Bernhard, stellvertretender Bauamtsleiter. Dass das Programm nach vier Jahren beendet und abgerechnet sein musste, habe den Druck auf die Baustellenkonzeption erhöht. Der Bund steuerte 4,6 Millionen Euro bei, die Stadt schoss 2,9 Millionen Euro hinzu.
Die Verkehrswende in Landau sei nicht abgeschlossen, unterstreicht Bernhard und kündigt weitere Verbesserungen an, beispielsweise durch Radstreifen und Beschilderung im Südring. Derzeit gebe es noch kein neues Förderprogramm des Bundes für den Radverkehr.
Wollmesheimer Straße wird Baustelle
Das sieht bei einem Projekt im Westen der Stadt anders aus. Dank der angekündigten Zuschüsse des Landes soll im kommenden Jahr die Wollmesheimer Straße ausgebaut werden. Die Sanierung war wegen Finanzierungsengpässen der Stadt verschoben worden. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) öffne ein Finanzierungsfenster, berichten Bernhard und Geißler, und komme für eine neue Fahrbahn und beidseitige Radwege auf. Die Stadt trägt die Kosten für die Gehwege, Grünflächen und Beleuchtung. Bernhard rechnet damit, dass in der zweiten Jahreshälfte 2026 die Arbeiten ausgeschrieben werden können und mit der Sanierung gestartet werden kann. 2027 steht die Vergrößerung des Kreisels Landau-Nord an, in dessen Zuge auch die Radweggestaltung berücksichtigt werden soll. Außerdem sollen in absehbarer Zeit im Westring die Fahrbahn erneuert und an der Kreuzung zur Badstraße eine Ampel installiert werden. Die Zuschussanträge sind laut Bernhard gestellt.
Exkursionen auf dem Rad
Doch zunächst konzentrieren sich Geißler und Bernhard auf die Fahrradkommunalkonferenz, die am 11. und 12. November in der Festhalle über die Bühne geht und Landau „zur absoluten Hauptstadt des Radverkehrs in Deutschland“ werden lässt, wie es im Rathaus heißt. 350 Fachleute aus Kommunen, Wissenschaft und Verbänden tauschen sich aus und wollen alle Facetten moderner Radverkehrspolitik beleuchten. Laut Bernhard bietet Landau als Ausrichter auch Radexkursionen an. „Und wir stellen die Umwidmung von Wirtschaftswegen zu Radwegen vor. Das gibt es so bundesweit nicht“, berichtet Ralf Bernhard. Der Marketingeffekt der Veranstaltung ist für die Stadtentwicklung nicht zu unterschätzen, betont Dominik Geißler. Am Budget von 100.000 Euro beteiligen sich der Landkreis und auch das Land als Co-Ausrichter.
Info
Die Bürger können Vorträge der Fahrradkommunalkonferenz streamen. Infos dazu finden sich auf der Homepage www.fakoko2025landau.de.
