Landau
Verkehrsminister Wissing soll Nummernschilder für Räder einführen
Ist es wahr, dass in Landau die Fahrradfahrer verrückt geworden sind und man ihrem wahnwitzigen Treiben ein Ende setzen muss? Klagen darüber gibt es immer wieder. Zum Beispiel darüber, dass „diese Kamikaze-Heinis“ oder „Hartmann-Jünger“ entgegen der Einbahnstraße fahren (was in vielen Fällen legal ist) oder durch die Fußgängerzone brettern (was aufgrund von Kontrollen deutlich nachgelassen hat). Solchen Radlern sagen die Freien Wähler in Landau jetzt die Wacht an.
Radfahren ist gesund, aber auch gefährlich, finden sie. Wobei sie bei „gefährlich“ nicht an die Gesundheit der Radler denken, sondern an diejenigen, die in unliebsamen Kontakt mit ihnen kommen könnten. Eine Begründung, beispielsweise untermauert durch die Unfallstatistik der Polizei, liefern die Freien Wähler nicht. Nur den allgemeinen Hinweis, dass die Anzahl der Unfälle mit Radfahrenden laut Statistischem Bundesamt 2021 um 41 Prozent zugenommen habe. Das spiegelt eine im Internet veröffentlichte Statistik derselben Behörde allerdings nicht wieder: Sie vermeldet mehr Pedelec-Unfälle, aber insgesamt weniger Fahrradunfälle mit Personenschaden von 2020 zu 2021.
Das Thema geht gerade um
Sei’s drum. Die Freien Wähler argumentieren auch mit einer „Forderung von Landauer Bürgerinnen und Bürgern, die als Resultat einer offenen Bürgerversammlung zur Sprache kam“. Wann, wo, wie viele? Keine Ahnung. Tatsächlich läuft auch gerade im Internet auf Open Petition eine Pro&Contra-Diskussion zu dem Thema. Die Freien Wähler sind jedenfalls überzeugt: „Wenn man Radfahrende durch ein Nummernschild identifizieren könnte, würde man sie nicht nur kenntlich machen, sondern könnte sie auch im Schadensfall rechtlich belangen.“
Also: Eine Velovignette soll her. Die soll dazu führen, dass Radler die Straßenverkehrsordnung befolgen und mehr Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen, vor allem auf Fußgänger, Kinder, ältere Personen, aber auch gegenüber anderen motorisierten Verkehrsteilnehmern. Da fehlen eigentlich nur noch die querenden Entenfamilien.
Wissing soll handeln
Jedenfalls könnten die kennzeichenlosen Radfahrer bei Verstößen bisher weder verfolgt, noch angezeigt werden. Die Landauer Kreisvereinigung der Freien Wähler, in Gestalt von Bernd Liessfeld, fordert daher Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) auf, tätig zu werden. Das Nummernschild sollte zudem eine geringe Gebühr kosten, die man dann ausschließlich und komplett den Kommunen zum Ausbau des Radwegenetzes zur Verfügung stellen sollte.
Klingt nur im ersten Moment logisch. Denn es gab vermutlich noch keinen einzigen Unfall mit Kleinkrafträdern, der anhand der Kennzeichen aufgeklärt werden konnte. Oder können Sie sich 246 ZBT, um beim nebenstehenden Bild zu bleiben, in einer Schrecksekunde wirklich merken? Mal ganz davon abgesehen, dass man den Verursacher dann auch noch von hinten sehen müsste. Auch nur am Rande: Motorradfahrer kommen bei Tempoverstößen oft ungeschoren davon, weil von vorne geblitzt wird, Nummernschilder aber nur am Heck der Zweiräder befestigt sind.
In Schweiz wieder abgeschafft
Und es gibt noch das Vorbild Schweiz: Da gab es die Velovignette bis 2011. Doch am Ende war der Verwaltungsaufwand größer als der Nutzen. So bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Wird sich Wissings Ministerium der Mühe einer Antwort unterziehen oder ignoriert es den Brief aus Landau einfach?