Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Uni-Kneipe Fatal verteilt Teststreifen gegen K.o-Tropfen

Im Fatal wird ab Samstag wieder gefeiert.
Im Fatal wird ab Samstag wieder gefeiert.

Die Uni-Kneipe Fatal öffnet am Samstag wieder. Ein Grund zum Feiern. Ein weiterer: Die Landauer Studierenden starten mit einem neuen Service, der sich vor allem – aber nicht nur – an Frauen richtet.

Es ist eine Geschichte, die überall spielen könnte. Aber sie soll sich in Landau zugetragen haben. Eine junge Frau ruft eine Freundin an und berichtet ihr, dass sie auf dem Heimweg ist. Ihr gehe es gar nicht gut, sie sei fertig. Obwohl sie nur drei Gläser Bier getrunken habe. Die Freundin habe die derangierte junge Frau heimgebracht. Der Verdacht: Ihr wurden K.o-Tropfen in ein Getränk geschüttet. Diese Geschichte erzählt Moritz Ranalder, der zu den Ehrenamtlichen gehört, die die Uni-Kneipe Fatal betreiben. Das Fatal, bei dem wegen des Umbaus an der Uni des Öfteren eine komplette Schließung befürchtet worden war, wird am Samstagabend wieder öffnen. Und dabei etwas Neues machen – damit sich vor allem die Frauen sicherer fühlen.

Denn die Geschichte mit den K.o-Tropfen sei nicht die Einzige, die man in der Landauer Feiernden-Szene so höre, berichtet Ranalder. Diese mutmaßlichen oder tatsächlichen Angriffe mit den Tropfen gebe es „im Prinzip überall“. Und genau hier liegt ein Teil des Problems: Man weiß nicht, wie viele dieser K.o-Tropfen-Angriffe wirklich passieren und wie viel davon Mythos ist. Denn: Die Polizei hat keine verlässlichen Daten. Und kann wohl auch keine haben.

Nachweis oft schwierig

Zum einen werden Angriffe mit K.o-Tropfen nicht separat in der Kriminalstatistik erfasst. Die geschilderten Taten seien vor allem Sexualdelikte oder Eigentumsdelikte, berichtet die Sprecherin des Polizeipräsidiums Rheinpfalz mit Sitz in Ludwigshafen, Ghislaine Wymar. In der Regel werde der Stoff GHB (Gammahydroxybutyrat) als K.o-Mittel eingesetzt, berichtet die Polizei weiter. Dieser Stoff ist problemlos für jedermann erwerbbar. Die Geschädigten könnten sich oft nicht mehr an eine mögliche Tat erinnern. Und der Nachweis der K.o-Tropfen in Blut und Urin sei schwierig. Denn diese seien nur über einen kurzen Zeitraum nachweisbar, erklärt Wymar.

Und zwar höchstens zwölf Stunden, sagt die Firma Exko. Das Berliner Unternehmen bietet im Netz Tests für K.o-Tropfen an. Und diese werden ab Samstag im Fatal kostenlos ausgegeben, berichten Ranalder und Danny Krämer vom Fatal-Team. Und zwar an jeden, der einen will – nicht nur an Frauen. Aber natürlich sind sie die Hauptzielgruppe. Bei Veranstaltungen würden sie direkt am Eingang verteilt, an normalen Kneipenabenden bekommen sie Frauen auf Anfrage an der Theke. Das sei Krämers Idee gewesen. Das Fatal habe Kontakt mit dem Hersteller aufgenommen – Resultat: Man bekommt die Teststreifen günstiger als sie im Netz verkauft werden. „Wir müssen also die Getränkepreise nicht anheben“, betont der Landauer. Die Tests seien ganz einfach zu bedienen – man müsse nur ein paar Tropfen auf die Testfläche auftragen und ein paar Sekunden abwarten, ob sich die Farbe ändert.

Kein 100-prozentiger Schutz

Er und Ranalder hoffen, dass auch andere Landauer Gastronomen solche Tests künftig an Frauen ausgeben. Denn es gehe ja auch darum, mögliche Täter abzuschrecken und die Sicherheit zu erhöhen. Auch deshalb macht das Fatal die Ausgabe der Tests in seinen Räumen öffentlich.

Die Teststreifen böten jedoch keinen 100-prozentigen Schutz, betont Krämer. Das sieht die Polizei genauso. Die Teststreifen testen nur auf GHB, aber es kommen weitere Stoffe zum Einsatz, erklärt Polizeisprecherin Wymar. So könnten Teststreifen für ein trügerisches Sicherheitsgefühl sorgen. Die Beamten empfehlen Frauen zusätzlich, die Getränke selbst zu bestellen, sie selbst entgegenzunehmen und sie auch nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Man soll keine Getränke von Fremden annehmen. Zudem rät Wymar dazu, beim Verdacht auf einen Angriff mit K.o-Tropfen sofort Rettungsdienst und Polizei zu verständigen.

x