Landau Ungeheuerliche Heiterkeit
Am 26. Februar 1843 gab es in Landau zum ersten Mal eine organisierte Fasenacht – der Beginn einer lebendigen Tradition. Natürlich wurde die „fünfte Jahreszeit“ nicht erst 1843 erfunden. Schon 1385 berichten die Mönche des Eußerthaler Klosters von „der großen Fastnacht“ in der Region. 1580 vermerkte dann der Landauer Ratsschreiber, dass „auf anhalten der Bürger, ihnen ein Freudenspiel und Königreich (Fastnachtsspiel) gestattet wurde.“ Gleichzeitig appellierten die Stadtoberen, sich „züchtig und bescheiden“ zu verhalten und „nicht über 9 Uhr in der Nacht zu sitzen.“ Ob dieser Appell von der Bürgern gehört geschweige denn umgesetzt wurde, ist nicht überliefert. 1584, so verkünden die Ratsprotokolle, wurden einer Hausfrau durch eine zu euphorisch geschwenkte Fahne einige Zähne eingeschlagen. Dem Verursacher kostete dieses Ungeschick einen Gulden Schmerzensgeld, der Dame vermutlich ihre Beißkraft. In Ermangelung ausreichend großer Räume wurde vermutlich im Freien gefeiert, Tanz- oder Festhallen existierten schlicht noch nicht oder waren dem (nichtverkleideten) Adel vorbehalten. Trotz der schon im Mittelalter abgehaltenen Feierlichkeiten dauerte es, auch wegen der Strenge der örtlichen Militärs, bis zum besagten Jahr 1843, ehe sich der organisierte Karneval, von Köln und Mainz aus, bis zu uns ausbreiten konnte. Maßgeblich daran beteiligt war der Landauer Carnevalsverein „Narrhalla“. Dieser kündigte über Plakate, die in der ganzen Stadt verteilt wurden, sowie eine eigene Zeitschrift die geplante Fasenacht an. Gefeiert wurde ein Maskenballs im Gasthof „Zum goldenen Schwan“, dem späteren Hotel Schwan. Der Eintritt betrug 30 Kreuzer, in etwa so viel wie eine Fahrt nach Neustadt und zurück. 1858 gab es dann, in Zusammenarbeit mit den närrischen Freunden aus Edenkoben, erstmals zwei „Reh-Unionen“ – ähnlich heutigen Prunksitzungen – in Landau. Diese zeichneten sich, sofern man dem närrischen Hofberichterstatter Glauben schenkt , „durch köstlichen Humor, Witz und ungeheuerliche Heiterkeit“ aus. Von 1914 bis zum Ende der zwanziger Jahre war aufgrund der Besatzung, der eher schlechten wirtschaftlichen Entwicklung und der damit einhergehenden betrübten Stimmungslage in Landau keine Fasnacht, sieht man von privaten Feiern und kleinen, sogenannten „Kappenabenden“ in Landauer Kneipen ab. Nur allmählich regte sich die närrische Kultur wieder. 1927/28 wurden „Fasenachtskostüme“ für Kinder genäht. 1937 kam es zur ersten Landauer Prunksitzung, die jedoch nicht ohne nationalsozialistische Parolen war. Ab 1940 musste der Carneval den Weltmachtsfantasien der Nazis und ihren Folgen für acht Jahre weichen – Kriegs und Nachkriegselend verdrängten jeden Gedanken an diese Art von Feiern. Erst nach der Währungsreform in Westdeutschland und dem Wirtschaftswunder regte sich wieder etwas in puncto Fasnacht. Die organisierte Fasenacht kehrte erst 1950 zurück, als sich die ehemaligen Aktiven des Landauer Carnevalsverein erneut zusammenfanden, um gemeinsam die „fünfte Jahreszeit“ wiederaufleben zu lassen. Der Autor Vincent Huber, Jahrgang 1997, ist Abiturient am OHG in Landau. Seit September absolviert er seinen Bundesfreiwilligendienst im Archiv und Museum der Stadt.