Landau Umtriebig, aktiv, mit neuer Aufgabe

Schwester Mathildis fand im Alter von 14 Jahren zu Gott.
Schwester Mathildis fand im Alter von 14 Jahren zu Gott.

Im christlichen Kalender beginnt ein neues Jahr nicht am 1. Januar, sondern am ersten Adventssonntag, mit dem Warten auf die Ankunft des Herrn. So ist es eigentlich ganz stimmig, dass die allseits beliebte Ordensschwester Mathildis Meiller, die nach Wegmarken in Bad Bergzabern und Pirmasens acht Jahre lang in Landau und Herxheim wirkte, Anfang Dezember in ihr Mutterhaus nach Mallersdorf zurückkehrt. „Dort hat für mich alles begonnen“, sagt die rüstige 84-Jährige. Die resolute Ordensfrau, die als älteste von vier Geschwistern in Amberg geboren und auf den Namen Barbara getauft wurde, kann sich noch gut an ihren Anfang im Orden als 14-Jährige erinnern: Eigentlich wollte sie Lehrerin werden, aber der Krieg, in dem ihr Vater sein Leben ließ, habe ihr den Weg ins Gymnasium versperrt. Stattdessen kam ihr ein junger Priester in die Quere, der sie direkt darauf angesprochen habe, ob sie nicht ins Kloster gehen wolle. „Na, auf keinen Fall“, war ihre erste Reaktion. Ganz im Sinne ihrer Mutter, weil es schließlich auch Zuhause genug zu tun gab. Aber das junge Mädchen habe gespürt, dass es Gott selbst gewesen sei, der durch den Kaplan zu ihr sprach. „Man kann es nicht beschreiben, man wägt weder Vor- noch Nachteile ab, aber man merkt, dass es eine Berufung ist“, versucht sie, diese Erfahrung auch für Außenstehende verständlich zu machen. So ist sie als Teenager ins Kloster der Mallersdorfer Schwestern eingetreten, machte dort eine Ausbildung zur Erzieherin und leitete in München einen Hort für Schulkinder. Mit 25 entschloss sie sich, die Ordenstracht anzulegen und den Namen Mathildis anzunehmen. Den habe sie sich nicht selbst ausgesucht, aber weil er „mächtige Kämpferin“ bedeute und „irgendwie immer modern klingt“, könne sie sich mit ihm genau so gut identifizieren, wie mit dem Kloster selbst. Die Mallersdorfer Schwestern verstehen sich als praktisch veranlagte und zupackende Glaubensgemeinschaft, die nicht hinter den Mauern lebt, sondern zu den Menschen geht und den schwächsten Gliedern der Gesellschaft – Kindern, Kranken und Alten – beisteht. „Caritas Christi urget nos“ („Die Liebe Christi drängt uns“) lautet das „Berufspastoral“. Weil Schwester Mathildis auch als Organisationstalent gilt und fix im Umgang mit moderner Kommunikationstechnik ist, kam sie im weit verzweigten Ordensraum immer dort zum Einsatz, wo neue Wege zu bahnen waren. Im Mallersdorfer Mutterhaus kümmerte sie sich um die Erneuerung der Ordensregeln, in Bad Bergzabern um die Organisation der Wallfahrten zur gerade selig gesprochenen Edith Stein und in Pirmasens um die Pilgerströme nach der Nardini-Seligsprechung. Bis vor acht Jahren. Damals wollte man der umtriebigen Nonne ein bisschen Ruhe im Alterswohnsitz der Schwestern in Queichheim gönnen, was ihr freilich nur mit der Option gefiel, ehrenamtlich und mit besonderem Bezug zu Kindern und Jugendlichen in der Pfarrei Heilig Kreuz mitzuwirken. Dann aber galt es obendrein in Herxheim den 150. Geburtstag Jakob Friedrich Bussereaus vorzubereiten, und so übernahm Schwester Mathildis beherzt auch diese Aufgabe und bezog Quartier im dortigen Ordenshaus. Ein Beinbruch hat die Schwester, bei der es eigentlich „immer schnell gehen muss“ nun ausgebremst, ihr zugleich aber langfristig eine klare, neue Perspektive eröffnet. Weil sie spürt, dass ihre körperlichen Kräfte nachlassen, und weil sich wie eine gute Fügung gerade eine Nachfolgerin für das Bussereauhaus fand, hat sie sich dazu entschieden, noch dieses Jahr ins Mutterhaus und damit in ihre Heimat zurückzukehren. Freilich nicht, um „drunten“ im Alterswohnsitz und Pflegebereich, die Hände in den Schoß zu legen, sondern vielmehr um „droben“ das Archiv auf Vordermann zu bringen. Mathildis erwartet, dass dort viele Erinnerungen, auch an ihre eigenen Anfänge im Kloster, wachgerufen werden. Dass der Orden der Mallersdorfer Schwestern – wie alle anderen auch – schrumpft, nimmt Schwester Mathildis mit der ihr eigenen Gelassenheit hin. „Es ist einfach so. Nix bleibt bestehen, Entwicklungen gehen voran. Ich glaube, dass es heute Leute gibt, die nicht mehr wissen, was eine Ordensschwester ist. Ich merke es auch im Umgang mit Behörden. Wir haben keinen Platz mehr in den Computerprogrammen.“ Was wohl vom Wirken der bayerischen Nonne in der Südpfalz übrig bleibt? „Ich sag’ immer: Ich kann nur säen – ernten müssen es die anderen. Und ich kann nur hoffen, dass man hier merkt, dass ich was gesät habe.“ Termin Am Sonntag wird Schwester Mathildis bei einem Festgottesdienst in der Heilig Kreuz Kirche verabschiedet. Messfeier ab 10.30 Uhr, danach Empfang im Pfarrheim.

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